Wollen, dass Wenden schöner wird: Ebhausens Bürgermeister Volker Schuler (links) und Ortsvorsteher Immanuel Deuble vor dem Wendener Rathaus Foto: Bernklau

Die Gemeinde Ebhausen wollte sich um die Entwicklung ihres kleinsten Teilortes Wenden kümmern – und scheiterte fast an überbordender Bürokratie.

Wenden ist ein klassisches Dorf mit seinen etwas mehr als 200 Einwohnern. Idyllisch gelegen. Kein Durchgangsverkehr. Kein Laden, dafür mit dem „Joggel“ mit einem überregional bekannten Gasthaus gesegnet. Idylle pur.

 

Doch die Idylle ist in die Jahre gekommen, einige einst stattliche Häuser sind nicht mehr oder selten bewohnt, an diversen Fassaden bröckelt im Dorfzentrum der Putz. Das ist natürlich Bürgermeister Volker Schuler, der Gemeinde und dem Gemeinderat Ebhausen nicht entgangen.

Also machte man sich auf den Weg, um das Dorf weiter zu entwickeln, aufzuhübschen und für die Zukunft zu rüsten. Mit der „Wüstenrot Haus- und Städtebau“ entwickelte man 2021 ein innerörtliches Entwicklungskonzept – insgesamt 27 Seiten stark. Mit jeder Menge Ideen für Wenden. Doch da hatten die handelnden Personen die Rechnung ohne die Bürokraten von übergeordneten Behörden – vor allem aus dem Naturschutz und vom Landwirtschaftsamt – gemacht.

Schuler und Deuble kämpften monatelang um den Spielplatz für Wenden. Foto: Bernklau

Eine Idee war die Errichtung eines ordentlichen Spielplatzes für den Ort. So weit so gut. Doch so einfach kann man in Deutschland keinen Spielplatz bauen. „Dieser Spielplatz wurde wirklich zu einem bürokratischen Akt“, erinnert sich Bürgermeister Volker Schuler. „Monatelang haben wir für diesen Spielplatz gekämpft.“

Aus einem nahe gelegenen unscheinbaren Entwässerungsgraben etwa wurde im Rahmen des Verfahrens plötzlich ein Gewässer zweiter Ordnung. Diese Gewässer sind laut Definition für die Wasserwirtschaft von Bedeutung und verdienen besondere Aufmerksamkeit. „Doch von solchen Gräben haben wir allein in Wenden jede Menge“, ärgert sich Ortsvorsteher Immanuel Deuble. Warum gerade dieser Graben am Spielplatz so wichtig sein sollte, will Deuble nicht in den Kopf.

Acht Monate muss jetzt beobachtet werden

Im Rahmen des nötigen Bebauungsplanverfahrens für das Dorfzentrum wurden Ebhausen und Wenden mit der vollen Wucht der deutschen Bürokratie konfrontiert: Im Rahmen des Artenschutzgutachtens wurde Kot gefunden, der möglicherweise von einer Fledermaus stammt. Die Folge: Acht Monate muss jetzt beobachtet werden, ob tatsächlich dort Fledermäuse leben.

Weil im Ort zwei aktive Landwirte praktizieren und 20 weitere Gebäude zum landwirtschaftlichen Betrieb werden könnten, wurde ein Geruchs- und Lärmgutachten gefordert. Bestehende Holzhaufen mussten daraufhin untersucht werden, ob sie nicht möglicher Lebensraum für bestimmte Tierarten sind. Und dann hat man das Areal im kleinen Wenden auch noch zu einem „Denkmalschutz-Verdachtsgebiet“ gemacht.

Dieses Haus soll nach dem Willen der Kommune einem Neubau weichen. Foto: Bernklau

In dem Verfahren galt es vier oder fünf Gutachten selbst in Auftrag zu geben, von dem jedes bis zu 10 000 Euro kostet. „Das ist alles schon sehr kompliziert“, gibt sich Schultes Schuler zurückhaltend. Ortsvorsteher Deuble wird da schon deutlicher: „Da baut sich wirklich Frust auf.“

Da müsse man sich schon überlegen, ob man das Geplante überhaupt umsetzen will, ob man ins Risiko geht und das Geld für die Planungen ausgibt. Für das kleine Wenden liegen die Planungskosten schon jetzt bei gut 100 000 Euro. „Da werden Vorhaben wirklich erwürgt, die Kontrollschraube total überdreht“, klagt der Rathauschef. „Den Kommunen wird nicht mehr zugetraut, dass sie selbst vor Ort eine gute Lösung finden“, ergänzt Deuble.

Mittelfristig soll ein weiterer Dorfplatz entstehen

Von den einst großen Plänen für das kleine Wenden ist nicht mehr viel übrig geblieben. Ein landwirtschaftlicher Komplex in unmittelbarer Nähe zum Wendener Rathaus soll über kurz oder lang abgerissen und passend zum Ortskern neu bebaut werden.

Dazu soll noch zwischen Kirche, Feuerwehrhaus und Rathaus ein schmucker Dorfplatz entstehen. Die komplizierte Planung soll noch in diesem Jahr abgeschlossen sein. Und dann können 2026 die Bagger rollen – wenn nicht doch noch einmal die Bürokratie dazwischen funkt.