Elimu-4-Africa in Donaueschingen lehrt 100 Schüler in Chala Elektroinstallation oder Agroforstwirtschaft – dank Spenden, Videounterricht und Firmen.
Gelb mit türkisen Dächern strahlt die Gewerbeschule St. Anselm Vocational Trainingscenter in der braun-roten Landschaft des Dorfes Chala in Tansania. Die Schule hat der Verein Elimu-4-Africa finanziert, den der Donaueschinger Roland Ketter mit Pfarrer Anselm Kasatila gegründet hat. Seit drei Jahren läuft der Schulbetrieb, 100 Schüler werden dort in Fachberufen ausgebildet.
Alles begann 2001 mit einer Freundschaft und einem Versprechen: Roland Ketterer lud Anselmo Kashatila auf einen Kaffee ein. Der tansanische Pfarrer war in der katholischen Kirchengemeinde in Pfohren zu Besuch. Die beiden verstanden sich sofort und freundeten sich an. Ketterer reiste nach Tansania – wo der Funke sofort übersprang. 2013 gründeten die beiden den Verein Elimu-4-Africa, der sich fortan der Bildung und Infrastruktur widmete.
Hilfe zur Selbsthilfe
Mit Spendengeldern aus Deutschland wurde zunächst ein Trinkwasserbrunnen repariert und mit Solartechnik ausgestattet. Dabei fiel Ketterer auf, dass es in Tansania zwar viele Handwerker gibt, jedoch kaum Fachkräfte, die sich mit Brunnenbau oder Wasserinstallation auskennen. Viele junge Menschen studieren, landen später aber dennoch im Taxigewerbe.
Aus dieser Beobachtung wuchs die Idee, eine Berufsschule zu bauen und Hilfe zur Selbsthilfe zu ermöglichen. Ketterer reiste seitdem zweimal jährlich nach Chala und arbeitete bei Projekten aktiv mit. Rund 99 Prozent der Spenden fließen nach seinen Angaben direkt vor Ort in die Arbeit des Vereins.
Lernen per Videokonferenz
Seit diesem Frühjahr halten Schüler und Lehrer der Gewerblichen Schulen Donaueschingen wöchentliche Videokonferenzen mit den Lehrkräften in Chala ab. Lerninhalte werden zweisprachig auf eine Plattform gestellt, um den Unterricht zu unterstützen. Die Fächer reichen von Elektroinstallation über erneuerbare Energien bis zu Agroforstwirtschaft.
Die Schüler stammen aus einem Umkreis von bis zu 150 Kilometern und leben während der Schulzeit im Internat. Dank deutscher Spenden wurden 2025 zusätzliche Unterkünfte errichtet und die Agroforstflächen vergrößert. Eine Saatgutbank ermöglicht es den Schülern, eigenes Pflanzenmaterial zu ziehen. Zudem arbeitet jeder Schüler einmal wöchentlich auf der schuleigenen Farm mit und nimmt dieses Wissen mit nach Hause.
Selbst Firmen helfen mit
Auch Firmen aus der Region engagieren sich. Die Bräulinger Baufirma Volz spendete gut erhaltene Arbeitskleidung, und mithilfe der Firma Straub konnten 36 Kartons nach Tansania verschickt werden. Künftig sollen offene Stallungen für Kühe und Ziegen entstehen, um Dünger, Milch und Fleisch zu gewinnen. Außerdem ist ein Energiespeicher für die Photovoltaikanlage geplant, da das Stromnetz vor Ort unzuverlässig ist.
Der Umgang mit Wasser ist dem Verein besonders wichtig. Eine Kläranlage nach europäischem Standard soll Bewusstsein für Wassergewinnung und Abwasseraufbereitung schaffen. Zusätzlich wurden zwei Wasserreservoirs angelegt, die auch für Fischzucht genutzt werden sollen.
Ein großes Ziel vor Augen
Ein großes Zukunftsziel des Vereins ist es, in Deutschland ausgebildete Fachkräfte für Weiterbildungsaufenthalte nach Chala zu holen. Mit derzeit 214 Mitgliedern finanziert Elimu-4-Africa Schulgelder, Ausbauprojekte und teilweise Lehrergehälter. Doch die Spendenbereitschaft nimmt ab. Einige größere Firmenspenden haben zwar Einbrüche ausgeglichen, dennoch bleibt die finanzielle Lage angespannt.
Der Verein möchte damit langfristig dazu beitragen, eine der ärmsten Regionen Tansanias zu stärken und einen mittleren Wohlstand aufzubauen. „Deutschland ist durch den Mittelstand wohlhabend geworden. Das wünschen wir uns auch für Tansania“, sagt Ketterer.
Tansania
Überblick
Tansania hat nach unterschiedlichen Schätzungen Mitte 2025 zwischen 68 und 71 Millionen Einwohner. Das afrikanische Land hat ein Präsidialsystem mit einem Premierminister und Unionsregierung für Tansania, Sansibar ist teilautonom unter der Leitung eines Präsidenten. Diplomatische Beziehungen zur Bundesrepublik Deutschland existieren seit Dezember 1961.