Die Kippenheimer Kirchensänger sind seit einem viertel Jahrtausend ein wichtiger Teil des Vereinslebens und feierten das mit einem Konzert.
„Cantate 1775 – 1975“ ist in goldenen Lettern in den Einband aus grünem Leinen geprägt. Die Festschrift zum 200-jährigen Bestehen des katholischen Kirchenchores St. Mauritius Kippenheim besticht durch schlichte Eleganz und dokumentiert auf 86 Seiten einen geschichtlichen Rückblick der „Musica Sacra“ in der Kirchengemeinde.
Der Landrat im Jahr des 200. Geburtstags 1975 hieß Gerhard Gamber, Bürgermeister in Kippenheim war Alois Stulz. Heinz-Josef Fensterer war Präses der Kirchengemeinde und Kurt Gündner dirigierte den Chor. Dieser hatte das Amt des Chorleiters seit dem Jahr 1956 inne und bereicherte Proben und Kirchenkonzerte mit seinem virtuosen Geigenspiel. Unterstütz wurde er von Erika Weber, die sich bereits seit 1935 als Organistin in den Chor eingebracht hatte. Hauptlehrer Paul Helfesrieder, der Schöpfer des „Kippenheimer Liedes“, hielt den Taktstock im Jahr des 100-jährigen Bestehens des Cäcilien Vereins, 1875, in den Händen.
Im Jubiläumsjahr 1975 sangen 43 Sängerinnen und Sänger – 15 Sopran-, 13 Alt-, sieben Tenor- und acht Bass-Stimmen – zu Gottes Lob. Das für die Festschrift aufgenommene Gruppenfoto stellt die damalige Größe des Kirchenchores eindrucksvoll dar.
Die 1200-Jahr-Feier Kippenheims fiel mit dem Patrozinium des namensgebenden Kirchenpatrons Mauritius zusammen. Sänger und Orchester unter Führung des Chorleiters übernahmen freudig die Verantwortung für Festbankett und Gottesdienst.
Chor wurde 1991 vom Staatssekretär gelobt
Zur Auflösung des Simultaneums (gemeinsame Nutzung der heutigen evangelischen Friedenskirche durch beide Konfessionen) begleitete der Kirchenchor die feierliche Sakrament-Prozession in das neue Kirchengebäude in der Bahnhofstraße mit „brennenden Lichtern in den Händen und dem ,Te Deum’ auf den Lippen. Welch großer Vorteil: Eine neue Kirche mit guter Akustik“, schreibt hierzu der Chronist.
Dem Ruf „Cantate“ folgte der katholische Kirchenchor immer wieder aufs Neue und brachte Gottesdienste, Maiandachten, Patrozinien, Primizen, Priesterjubiläen und Hochämter zu kirchlichen Feiertagen und 1974 die Orgelweihe mit „purem“ Chorgesang aber auch opulenten Orchestermessen zum Klingen. Bruckner, Haydn, Schubert, Mozart, Bach, Mussorgski – keiner der großen Kirchenmusiker fehlte im Repertoire des Chores. Unter dem Vorsitzenden Ferdinand Müller wurde der Chor am 22. September 1991 von Staatssekretär Hugo Leicht mit der Zelterplakette, der höchsten Auszeichnung für Amateurchöre, gewürdigt. Den Rahmen für die Übergabe bildete eine opulente Orchestermesse mit Solisten.
Neben den „sakralen“ wusste die Chorgemeinschaft auch die weltlichen Feste zu Feiern. Bei teilweise mehrtägigen Ausflügen nach St. Maurice, ins Zillertal, an die Saarschleife, nach Belgien oder Ascona und das Verzasca Tal wurde die Gemeinschaft und die enge Verbundenheit zu Pater Paul Müller gepflegt, die Präses Johannes Hess aufgebaut hatte.
Verein bittet Gott um weiteres Bestehen
Die Tradition aus 250 Jahre „Musica Sacra“ führte der katholische Kirchenchor zum Jubiläum weiter. Die Sänger wurden unter dem Dirigat von Svetlana Renz von Gastsängern des Männergesangvereins verstärkt. Orchestral trugen Streicher und Bläser des Musikvereins sowie der junge Organist David Blaser auf der Orgel und Bernd Fissler am Schlagwerk zum vortrefflichen Gelingen der „Kleinen Festmesse“ von Ernst Tittel bei. Im Anschluss wurde bei einem Sektempfang im Gemeindezentrum auf das Jubiläum angestoßen.
Während des Gottesdienstes wurden zudem Fürbitten verlesen und und um neue Mitglieder gebeten. Zwar ist der Verein aktuell mit 21 Sängern (elf Sopran-, sechs Alt-, und je zwei Tenor- und Bass-Stimmen) solide aufgestellt. Vorsitzender Thomas Joachims erklärt jedoch: „Wie nahezu jeder Chor auf regionaler Ebene haben auch wir Probleme, unsere Singfähigkeit aufrecht zu erhalten. Es fehlt einfach an Nachwuchs, insbesondere bei den Männersingstimmen. Wir bitten darum, dass unsere Gemeinschaft noch lange bestehen wird – und wir freuen uns über jeden, der Lust und Interesse am Singen hat und uns verstärken möchte. Proben sind immer montags um 19.30 Uhr im katholischen Gemeindezentrum.“
Info – Treue Mitglieder
Die vier Sängerinnen Barbara Schwanz, Ortrud Kraus, Hildegard Zehnle und Veronika Vögele waren bereits 1975 und sind auch noch 2025 aktive Mitglieder des Chors. Swetlana Renz aus Seelbach leitet die Gruppe. Thomas Joachims nimmt das Amt als Vorsitzender wahr. Im Frühjahr 2026 finden turnmäßig Neuwahlen statt, die aber keine wesentlichen Änderungen erwarten lassen. Durch neue Strukturen mit Zusammenschlüssen von Kirchengemeinden sind auch Veränderungen an der Anzahl der durch den Kirchenchor mitzugestaltenden Gottesdienste zu erwarten.