Ein Professor bringt ihn auf die Idee – heute reift sein Whisky jahrelang im Fass: Walter Seeger aus Holzbronn erzählt zum Whisky-Tag, wie aus Neugier Leidenschaft wurde.
Wer bei Whisky sofort an Schottland, Irland oder Kanada denkt, denkt bereits zu weit. Denn auch in Calw – genauer gesagt im Teilort Holzbronn – brennt Walter Seeger, Inhaber des Krabba-Neschts und der Schwarzwaldbrennerei Seeger, seit über 30 Jahren seinen eigenen Whisky. Wie er dazu gekommen ist und was einen guten Whisky ausmacht, verrät er uns anlässlich des Internationalen Tags des Whiskys am 27. März.
Wo ansonsten Gäste auf zwei Ebenen inmitten des Restaurants plaudern, essen und miteinander anstoßen, empfängt uns Walter Seeger in einem menschenleeren Raum. An einem urigen Tisch, mit Blick auf in die Wände eingelassene Mostfässer mit mehreren Hundert Litern Fassungsvermögen, erzählt der 69-Jährige, wie er dazu gekommen ist, Whisky in Holzbronn zu brennen.
Mit der Begeisterung für Whisky „infiziert“
1986 habe Seeger den landwirtschaftlichen Betrieb und die dazugehörige Brennerei von seinem Vater übernommen, berichtet er. Damals habe er sich noch auf Obstbrände – wie Kirsch-, Apfel- und Birnenbrand – konzentriert.
Einige Jahre später entdeckte Seeger seine Leidenschaft fürs Whiskybrennen: Während eines Brennerlehrgangs an der Universität Hohenheim schwärmte ein Professor vom ersten schwäbischen Whisky – und weckte damit sofort Seegers Begeisterung.
Von der Idee, Whisky herzustellen, sei auch sein Vater „total begeistert“ gewesen. Und gesagt, getan: 1991 destillierten die Seegers nach ihrem eigenen Rezept ihren ersten Whisky. „Und den mache ich heute noch so“, fügt der langjährige Brennmeister hinzu.
Genau die richtigen Whiskyfässer
Nicht jeder Whisky ist gleich. Für die Qualität spiele vor allem die Reifezeit eine entscheidende Rolle, erklärt Seeger. Zwar müsse ein Destillat mindestens drei Jahre in einem Eichenfass lagern – „aber dann ist es kein guter Whisky“, sagt er. Sein Anspruch liege höher: „Ich sage, der sollte mindestens sieben Jahre alt sein.“ Sein Black-Wood-Whisky hingegen sei zwölf Jahre gereift.
Aber auch die Fässer machen qualitativ einen deutlichen Unterschied für das Endprodukt. Beim Ausbau des Whiskys im Eichenfass komme es darauf an, dass die richtige Menge an Gerbstoffen und Tanninen mit der Zeit an das Destillat übergehe, so Seeger. Deshalb brauche man genau die richtigen Fässer, die nicht zu ausgelaugt seien.
Ein weiterer entscheidender Unterschied liegt in den Sherryfässern, in denen der Brennmeister seinen Black-Wood Single Malt Whisky reifen lässt. Bevor im Jahr 2009 die erste Charge in diesen edlen Dessertweinfässern lagern konnte, stand Seeger allerdings vor einer unerwarteten Herausforderung: überhaupt eines dieser in der Whiskyindustrie begehrten Fässer zu ergattern.
Um die besonderen Fässer zu kaufen, sei er letztlich nach Andalusien gefahren, berichtet Seeger, „ins Sherryland“ nach Jerez.
Dort musste er jedoch feststellen, dass die Sherryfässer zwar vor Ort gefertigt und auch mit Sherry befüllt werden, jedoch nicht im Besitz der Spanier sind. Vielmehr gehören sie schottischen Abnehmern, die sie für die Reifung ihres Whiskys nutzen. „Da fällt keins vom Lastwagen oder so“, sagt er lachend – und kehrte unverrichteter Dinge wieder nach Holzbronn zurück.
Erst einige Zeit später erhielt er die speziellen Sherryfässer von Deutschlands größtem Fasshändler. Der Preis für ein einzelnes Fass sei jedoch „überraschend“ gewesen – drei- bis viermal so teuer wie ein normales Eichenfass. Dennoch: „Da habe ich gleich vier Stück gekauft.“
Ein Whisky-Tasting im Black-Wood Keller
Auch ein kleines Whisky-Tasting im Black-Wood Keller, direkt hinter der bekannten Erlebnisgastronomie Krabba-Nescht, lassen wir uns nicht entgehen. Im gemauerten Gewölbekeller, den Seeger augenzwinkernd als seinen Showroom bezeichnet, reiht sich ein Whiskyfass an das nächste.
An der Bar, die in warmes, gelbes Licht getaucht ist, schenkt der Whisky-Kenner langsam einen Single Malt ein. Er hält ihn noch einmal gegen das Licht, bevor er das tulpenförmige Glas weitergibt.
Auf die Frage, wie er den Geschmack beschreiben würde, zögert Seeger. „Er ist auf jeden Fall nicht rauchig, wie viele meinen.“ Auch torfig sei er natürlich nicht. „Das sind die schottischen, die Highlander.“
Der Black-Wood Whisky werde außerdem aus Weizen gemacht, fügt er hinzu. „Und dem sagen sie nach, dass er besonders mild ist“, schließt Seeger, stößt mit uns an und nippt anschließend an seinem Whisky-Glas.
Black-Wood-Whisky
Whisky-Tasting
Wer schon einmal im Krabba-Nescht war, hat vielleicht auch schon einmal den Black-Wood Whisky oder den Black-Wood Single Malt Whisky probiert. Darüber hinaus bietet Walter Seeger auf Anfrage auch Tastings für Gruppen ab 15 Erwachsenen an.
Online Shop
Vor Ort oder im Online-Shop sind die beiden Whisky Sorten erhältlich, ebenso wie die Obstbrände und -liköre der Schwarzwaldbrennerei.