Für die Hechinger Vereine ist er eine Institution: Wolfgang Stooß schließt zum Jahresende seinen Copyshop in der Schloßstraße. Für ihn enden damit 56 Berufsjahre.
Ein wenig erinnerte er in seiner stillen Arbeitsfreude an Meister Eder. Nur halt ohne Pumuckl. Aber der freundliche Ernst, mit dem er auch Kleinaufträge erledigt, die Hingabe an Papierarten, Druckqualität, die handwerkliche Genauigkeit, mit der er dicke Stapel von Einladungskarten in seiner Schneidemaschine konfektioniert. Diese Mann strahlt Ruhe aus bei seiner Arbeit.
Dazu passen auch die historischen Bleisatz-Requisiten, die er in einer Vitrine präsentiert. Eine Erinnerung an jene Zeit, als der heute 71-Jährige im Alter von 15 Jahren mit seiner Lehre als Schriftsetzer in jenen Berufsbereich eintrat, der ihn bis heute interessiert.
Wolfgang Stooß: „Ich liebe meinen Beruf“
„Ich liebe meinen Beruf“, sagt er. Das gelte besonders auch für die vergangenen elf Jahre, seit er sein Geschäft vom Stutenhof in der Unterstadt hoch in die modern gestalteten Ladenräume eines wunderschönen Fachwerkhauses in der Schloßstraße verlegt hat. „Hier hab ich viel mehr Kundenkontakt, und ich war irgendwie Teil der Altstadt, das gefällt mir einfach“.
Halb Hechingen druckt hier Veranstaltungsplakate
Kundenkontakt, das waren oft die Öffentlichkeitsbeauftragten der Hechinger Vereine, die hier Vereinsplakate, Broschüren, Einladungskarten und manches mehr drucken ließen. Manches hätte man auch online schicken können, aber viele genossen es, hier vorbeizuschauen.
Interessierter Gesprächspartner für Vereinsthemen
Oft traf man dabei andere Hechinger, die öffentlich aktiv sind und was drucken ließen. Und nicht zuletzt war Wolfgang Stooß selbst hier ein interessierter Gesprächspartner, weil er als Kommandant der Hechinger Bürgergarde selbst durch und durch Vereinsmensch ist. Wie gesagt: Ein wenig Meister Eder-Atmosphäre, der Werkstattbesuch immer auch ein schönes Erlebnis.
Drucken hat im Digitalzeitalter seinen Zauber behalten
Denn auch wenn das drucken heute sehr digitalisiert ist. Es ist immer noch Handwerk, und es hat immer noch einen Zauber, wenn ein blütenweißes Papier in der Maschine verschwindet um als sauberer Druck wieder erscheint.
Am Anfang wurden noch dicke Telefonbücher gedruckt
Als Wolfgang Stooß vor 56 Jahren als junger Schriftsetzer noch damit beschäftigt war, bei einer Reutlinger Firma unter anderem Telefonbücher mit Maschinen herzustellen, die mit ihren schwarzen Gusseisenrahmen und blanken Stellrädern heute museal wirken, „da hat man bei der Arbeit noch schwarze Hände gekriegt“, erzählt er.
In Hechingen macht er sich 1994 mit Geschäft selbstständig
Als sich 1990 die Chance ergab, in Hechingen in einer Druckerei einzusteigen mit der Perspektive, das Geschäft zu übernehmen, zögerte er nicht. 1994 machte er sich dann dort selbstständig. Sein Beruf modernisierte sich ständig. Fotosatz, Digitaldruck, neue Techniken. Stooß hielt immer mit.
Bei der Arbeitsauffassung Traditionalist geblieben
Und gleichzeitig blieb er Traditionalist, was die Arbeitsauffassung anging. Bürgergarde, Kinderfest, drucken und selbst aktiv beteiligt sein, der Kontakt mit vielen Vereinen hier – längst ist er zu einem jener Hechinger geworden, die sich mit ihrer Zollernheimat identifizieren. Schriftsetzer lernen viel durch ihren Beruf
Für ihn sei immer faszinierend gewesen, sie viel man als Schriftsetzer über die Welt da draußen lernt. Gebauchsanleitungen, Prospekte, technische Papier. Damit die Texte korrekt sind, hat er alles gelesen, „und am Ende wusste ich manchmal besser, was da drin steht, als der Auftraggeber“, erzählt er.
Zentrale Maschine ist heute der Produktionsdrucker
Heute ist die zentrale Maschine in seinem Geschäft ein „Produktionsdrucker“, im Grunde ein Kopiergeräte, nur halt für Profis. „Ich muss eine besondere Qualität bieten, sonst würden die Leute ja nicht zu mir kommen“, sagt er lächelnd und durchaus stolz.
Am 30. Dezember wird das Geschäft geschlossen
Mit seinen 71 Jahren will er nun kürzer treten. Am 30. Dezember wird er zum letzten Mal geöffnet haben. Dann hat er noch zwei Monate für das Ausräumen des Geschäfts eingeplant. Und im kleineren Umfang von zu Hause aus will er auch weiterhin sein Geschäft fortführen. Was mit dem Ladengeschäft in der Schloßstraße wird, steht noch nicht fest.