Hans-Friedrich Wissmann an der ebenfalls selbstgebauten Intonierlade in seiner Werkstatt – hier werden Probetöne erzeugt. Foto: Martin Kistner

Hans-Friedrich Wissmann aus Burgfelden baut Orgeln – keine großen Kirchenorgeln mit Metallpfeifen und mächtigen Prospekten, sondern Instrumente für den Hausgebrauch, klein und absolut funktionstüchtig. Vor kurzem hat er seine dritte fertiggestellt.

Hans-Friedrich Wissmann spielt Orgel, seit er 15 war, und da – zumindest früher – in seinem Heimatort Burgfelden nicht immer ein Schulmeister greifbar war, in dessen Kompetenz das Orgelspiel fiel, fand sich der junge Mann alsbald auf der Orgelbank der neuen Kirche St. Michael wieder und musste Gottesdienste begleiten: Talent verpflichtet.

 

Mit Unterbrechungen versah Wissmann in den kommenden Jahrzehnten den Orgeldienst an der Burgfelder Link-Orgel von 1895, bis das altersschwache Instrument mit der altmodischen pneumatischen Traktur Ende der 1980er-Jahre den Geist aufgab. Bei der Anschaffung einer neuen Orgel mit mechanischer Traktur führte Gerhard Rehm, Balinger Kirchenmusikdirektor und Orgelsachverständiger, Regie, bei der Spendenfinanzierung auch Wissmanns Frau Ingrid, die Kirchenpflegerin war.

Den Eigenbau sieht Hans-Friedrich Wissmanns Esstisch keiner an

Er selbst verfolgte das Projekt aus nächster Nähe mit – und kam dabei auf den Geschmack. Seit jeher hatte er in seiner Freizeit Möbel geschreinert, wer seinen großen Esstisch oder die Wohnzimmerkommode mustert, käme nicht auf die Idee, sie könnten Marke Eigenbau sein. Warum nicht mal eine Orgel bauen?

Wissmann besorgte sich Anleitungen, vertiefte sich in Fachliteratur – Karl Bormanns Standardwerk zum Thema Hausorgelbau hat er „wenigstens 20-mal vor- und rückwärts gelesen“ – und näherte sich übers Studium der Theorie Schritt für Schritt ganz allmählich der Praxis. 1992 begann die Arbeit in der Werkstatt.

Aller Anfang ist schwer, und Rückschläge bleiben nicht aus, wenn man erstens Anfänger und zweitens Einzelkämpfer ist. Holzpfeifen fertigen ist Präzisionsarbeit; der Kernspalt kleinerer Pfeifen misst gerade mal 0,3 Millimeter. Die Ventile der Windlade beschichtete Wissmann anfangs nur mit Leder ohne Filz; die Folge waren regelmäßige „Heuler“.

Seit 1998 steht er im Kontakt mit Gleichgesinnten

Inzwischen weiß er es besser, unter anderem, seit er 1998 dem Arbeitskreis Hausorgel der Gesellschaft der Orgelfreunde beitrat und sich dadurch die Möglichkeit eröffnete, aus dem reichen Erfahrungsschatz Gleichgesinnter zu schöpfen. Zu diesem Zeitpunkt war sein Orgelbauprojekt bereits auf der Zielgerade; 1999, nach siebenjähriger Arbeit, wurde „Positiv I/5“, Wissmanns erste Hausorgel, fertig.

Der Ausdruck „Positiv“ bezeichnet kleine Orgeln, im Regelfall mit nur einem Manual – das besagt die römische „I“ im Namen – und ohne Pedale; die „5“ steht für die Zahl der Register: „Gedackt 8’“, „Rohrflöte 4’“, „Quinte 2 2/3’, „Prinzipal 2’“ und „Terz 1 3/5’“. Die Ziffern bezeichnen die Tonhöhe – je höher die Zahl, desto tiefer die Tonlage. „Gedackt“ bedeutet, dass am Ende der Pfeifen kein Stimmblech, sondern eine Art Stöpsel sitzt – das bewirkt, dass der Ton um eine Oktave tiefer ausfällt als ohne Spund.

Das Holz kommt aus dem eigenen Wald oder von der eigenen Streuobstwiese

Je nach Register hatte Wissmann unterschiedliche Hölzer für die Pfeifen verwendet: Ahorn für Quinte und Prinzipal, Kirsche für die Rohrflöte, Nussbaum für die Terz und Pinie für die langen Pfeifen des Registers „Gedackt“. Die Bäume kamen aus dem eigenen Wald oder von der eigenen Streuobstwiese; nur die Pinie hatte ein Freund, der auf Montage in Frankreich war, in Limoges gekauft und persönlich auf die Alb transportiert. Das Holz hat im Schnitt drei Jahrzehnte lang lagern können; der Verbrauch war moderat, Materialmangel nie ein Problem. „Unter der Treppe lagern noch drei weitere Orgeln“, sagt Hans-Friedrich Wissmann.

Sie wären seine Opera vier bis sechs. Das zweite ist ein sogenanntes Tischpositiv mit zweieinhalb Oktaven Tastatur, so zierlich, dass Wissmann es notfalls „ins Altenheim mitnehmen könnte“ – was derzeit kein Thema ist. Der Motor, eine Art Spezialventilator, steht neben dem Tisch; das Instrument ist zu klein für einen internen Antrieb. Wissmanns dritte und jüngste Orgel wartet hinter dem Ofen; sie ist vor kurzem fertig geworden und muss noch „reifen“. Ein Jahr betrug die Bauzeit; dank Erfahrung und Routine geht die Arbeit heute wesentlich schneller von der Hand als in der 1990ern.

Die Arbeit geht inzwischen etwas schneller von der Hand als in den 1990ern

Schwierig und langwierig ist sie trotzdem noch. Was braucht der Orgelbauer neben einem geschulten Ohr und Sinn für Genauigkeit? „Vor allem eines“, sagt Hans-Friedrich Wissmann: „viel Ausdauer.“