Ein Herz und eine Seele: Eike Kloka und Chester. Foto: DRK

Wenn Chester tollt, schnuppert und an seinen Lieblingsmenschen hochspringt, ist er einfach nur ein lieber und kontaktfreudiger Golden Retriever. Aber er ist noch mehr: Er ist der einzige geprüfte Mantrailer der DRK Rettungshundebereitschaft Zollernalb

Chester und Eike Kloka gehören zusammen. Als zwei Monate alter Welpe kam der weizenfarbene Golden Retriever zu Kloka, der Bereitschaftsleiter und Rettungshundeführer bei der DRK Rettungshundebereitschaft Zollernalb ist. „Eine tolle Gemeinschaft von Menschen und Hunden, die über Jahre gewachsen ist“, wie Eike Kloka berichtet. Zwischen ihnen herrsche blindes Vertrauen – und das sei bei der Personensuche, denn das bedeutet Mantrailing ja auf Deutsch – unheimlich wichtig. Ganz nach dem Motto der Drei Musketiere: „Alle für einen, einer für alle“.

 

Chester schnuppert an der Tüte – und los geht’s

Wenn Chester die Spur eines verschwundenen Menschen aufnehmen soll, geschieht folgendes. „Eine Gegenstand, an dem der Geruch der Person besonders ausgeprägt ist, wird in eine Tüte gegeben.“ Das könne zum Beispiel eine Einlegesohle aus einem Schuh sein, erklärt Kloka. Dann gingen er, zwei Helfer und Chester zu dem Ort, an dem die vermisste Person zum letzten Mal gesehen wurde. „Dort schnuppert Chester an der Tüte, und es geht los.“

Kloka sei dabei so auf den suchenden Chester fokussiert, dass er alles um sich herum ausblende: „Die Helfer, die auch Sanitätsrucksack und weitere Ausrüstung tragen, warnen mich vor Gefahren wie Autos, Wildtieren, Drahtzäune, unterirdische Bäche“, erklärt Kloka. Und es wird klar, weshalb Personensuche immer Teamwork ist: „Kommt Chester irgendwann an ein Waldstück, werden zusätzlich Flächensuchhunde eingesetzt“, erklärt Kloka weiter.

Das gute Gefühl, etwas für die Menschen tun zu können

Was ihn und seine Kameraden – alle sind im Übrigen ehrenamtlich im Einsatz – antreibt, ist das gute Gefühl, etwas für Menschen tun zu können, die dringend Hilfe brauchen. „Wir machen das, damit verzweifelte Angehörige sehen: Jemand kümmert sich, damit unser Opa, Oma, Mutter, Vater, Tochter oder Sohn gefunden wird.“ Und ja, es gebe dabei auch Happy-Ends, sagt Kloka, der aber auch damit klarkommen muss, wenn eine Suche nicht erfolgreich ist. Wenn das eine größere Belastung sei, helfe man sich nicht nur im Team: „Wir können auch die DRK-Notfallseelsorge in Anspruch nehmen.“

Aktuell ist Chester im Zollernalbkreis der einzig geprüfte Mantrailer beim DRK. Die Ausbildung dauert immerhin zwei bis drei Jahre. Doch Verstärkung ist auf dem Weg: „Wir bilden derzeit vier Hunde in der Sparte ’Mantrailing’ aus“, erklärt der Rotkreuzler. Am Ende müsse eine Prüfung abgelegt werden, die die Hunde alle zwei Jahre wiederholen müssen.

„Am liebsten tollt er in der Eyach herum“

Und was macht Chester, wenn er frei hat? Kloka, der beruflich in der Sozialarbeit zuhause ist, lacht und sieht seinen treuen Gefährten liebevoll an: „Am liebsten tollt er in der Eyach herum. Sogar jetzt im Winter, wenn das Wasser nur wenige Grad warm ist.“ Das Suchen sei für Chester natürlich auch immer eine befriedigende Beschäftigung: „Golden Retriever sind ja Spür- und Apportierhunde. Deshalb wird er, wenn er mal in Rente geht, auch weiter mit seinen DRK-Kameraden beim Training dabei sein dürfen“, sagt Kloka. Aber so weit ist es noch lange nicht – Chester ist gerade viereinhalb Jahre alt.

Mitglied werden

Die DRK Rettungshundestaffel
sucht immer neue Mitglieder. Mitglied wird man, indem man sich zunächst bei der Rettungshundestaffel meldet. Am besten an rettungshunde@drk-zollernalb.de schreiben. Dann findet ein Informationsgespräch statt.

Zusätzlich zu den Mantrailern
werden in der Rettungshundebereitschaft des DRK Kreisverbandes Zollernalb aktuell auch sechs Flächensuchhunde mit ihren Hundeführern ausgebildet. Flächensuchhunde und Mantrailer können in der Personensuche sehr gute Einsatzmittel sein.

98 Prozent der Einsätze sind Flächensucheinsätze, die im Wald stattfinden. Für das Training sind wechselnde Waldgebiete wichtig. Wer eine Fläche für das Training zur Verfügung stellen möchte, wird gebeten, an Mail-Adresse rettungshunde@drk-zollernalb.de zu schreiben