Dem Besitzer schwebt für das Schopfheimer Golfplatz- ein Tiny House–Quartier vor – und längerfristig womöglich sogar ein Wohngebiet. Die Stadt reagiert verhalten.
Schlösschen, historische Hofgemäuer, gepflegtes Grün von Wald und Wiese: (Nicht nur) in den Augen des Golfplatzbesitzers ist Ehner-Fahrnau ein „wunderschönes Areal mit viel Potenzial“ – das allerdings, unter anderem durch die Beschränkung auf „Golf“ als aktuell einzig erlaubte Nutzung – deutlich hinter seinen Möglichkeiten zurückbleibe. Um „das Areal zu beleben und gleichzeitig einen Mehrwert für ganz Schopfheim zu schaffen“, wendet sich der Eigentümer nun mit Prüfanträgen an Stadtverwaltung und Gemeinderat – und liefert Visionen unterschiedlicher Tragweite gleich mit.
Tiny Houses für Touristen und als Dauerwohnsitz
In einem ersten Aufschlag möchte der Grundbesitzer unterm Schlagwort „Golf +“ ein Tiny-Haus-Quartier errichten: Auf einem 9000 Quadratmeter großen Teilbereich neben den bestehenden Hof-Gebäuden könnten 25 bis 35 Häuschen entstehen, mit einer Wohnfläche von 30 bis 90 Quadratmetern auf ein oder zwei Etagen, in „moderner, ansprechender Architektur“ und in „landschaftsangepasster, lockerer Architektur“. Genutzt werden sollen die Tiny Houses zum einen als Feriendomizile, zum anderen soll nach Vorstellung des Besitzers aber auch die langfristige Vermietung möglich sein.
Langfristige Entwicklung zum Wohngebiet?
Zeitlich und räumlich deutlich ausgreifender ist ein zweites Anliegen – nämlich die „unverbindliche Befassung mit der Frage, ob und in welchem Umfang ergänzende städtebauliche Entwicklungsperspektiven grundsätzlich denkbar sein könnten.“ Eine erste Idee liefert der Eigentümer auch hier gleich selbst: Auf dem insgesamt 18 Hektar großen Grundstück hätten unter Berücksichtigung unter anderem von Grünräumen und Abstandsflächen immerhin 7,5 Hektar „das Potenzial, als Fläche für die Stadtentwicklung genutzt zu werden.“ Heißt konkret: Potenzial für die Umwandlung zum Wohngebiet. Eine Befassung mit dieser Entwicklungsperspektive stelle keinerlei Vorfestlegung dar, betont der Grundstückseigner: „Mir ist bewusst, dass es sich hierbei um konzeptionelle Grundsatzentscheidungen handelt.“
Warum das Ganze?
Der Golfplatzbetreiber macht keinen Hehl daraus, dass er mit seinen Zukunftsvisionen wirtschaftliche Interessen verfolgt. In seiner jetzigen Form nämlich ist der Golfplatz durchaus keine Goldgrube, so lässt sich den Ausführungen entnehmen: Die Einnahmen reichten aus, um einen mittleren Standard zu gewährleisten – mehr aber auch nicht. Eine vernünftige Instandhaltung oder gar Weiterentwicklung von Gebäude und Technik sei trotz Verzicht auf Unternehmerlohn nicht möglich.
Zugleich bemüht sich der Golfplatzbesitzer, auch den Nutzen herauszustreichen, den seine Projekte für die Allgemeinheit hätten: Vom positiven Effekt für den Tourismus bis zur Schaffung von Wohnraum und möglichen Investitionen im dreistelligen Millionenbereich bei einer großflächigeren Bebauung.
Unterstützung für touristische Tiny Houses –
Die Stadt steht den Plänen gespalten gegenüber: Ein eindeutiges „Ja“ gibt es für die touristische Nutzung der Tiny Houses. Man wolle das Vorhaben „grundsätzlich unterstützen, sofern die Nutzung eindeutig auf den touristischen Bereich ausgerichtet wird“, heißt es in der Verwaltungsvorlage. Ein solches Angebot könne die touristische Vielfalt der Stadt erweitern und neue Zielgruppen ansprechen.
– aber kein Dauerwohnen
Im Umkehrschluss bedeutet diese ausdrückliche Unterstützung (nur) der touristischen Nutzung eine klare Absage an die Möglichkeit, die Tiny Houses als dauerhafte Wohnungen zu nutzen. Eine Solche „dauerhafte Wohnnutzung“ sehe der Flächennutzungsplan für Ehner-Fahrnau nicht vor und „sollte auch nicht isoliert vom gesamtstädtischen Kontext betrachtet werden“, führt die Stadt aus. Da nämlich gelte „Innenentwicklung vor Außenentwicklung“. Heißt: Wohnraum gern – aber eben nicht auf der grünen Wiese, sondern innerhalb des bestehenden Siedlungsgebietes; hier sieht die Stadt durchaus noch „erhebliche Entwicklungspotenziale, die vorrangig zu aktivieren sind.“
Stadt will weniger Wohneinheiten
Um „eine klare touristische Prägung sicherzustellen und eine spätere Umnutzung zu dauerhaften Wohnzwecken zu verhindern“, soll dem Projektträger auferlegt werden, die Zahl der Wohneinheiten zu reduzieren. Ansonsten bestünde „die Gefahr, dass bei unzureichender touristischer Auslastung ein wirtschaftlicher Druck entsteht, die Häuser dauerhaft zu vermieten, wodurch faktisch ein neues Wohngebiet außerhalb des Siedlungszusammenhangs entstehen würde“.
Warten auf den Flächennutzungsplan
Mit der über die Tiny House-Pläne hinausgehenden mittel- und langfristigen Entwicklung des Golfplatzareals will sich die Stadt aktuell nicht befassen: Hier sollte man die Gesamtfortschreibung des Flächennutzungsplans der Vereinbarten Verwaltungsgemeinschaft Schopfheim-Maulburg-Hausen-Hasel abwarten und kein separates Prüfverfahren zu eröffnen, findet die Verwaltung.
Das Thema wird zunächst vom Bauausschuss behandelt, der Empfehlungen an den Gemeinderat ausspricht. Die eigentlichen Beschlüsse werden vom Gemeinderat gefasst.
Info: Öffentliche Sitzung des Ausschusses für Bau, Umwelt und Technik am Montag, 28. Januar, 18 Uhr, im Rathaussaal.