Ein Touristenpaar aus der Schweiz hat im Oktober ein Hotel in Baiersbronn menschenleer vorgefunden – trotz Online-Buchung. Nun gibt es eine mögliche Erklärung für den Vorfall.
Es war eine Szene wie aus einem Horrorfilm: Ein Paar aus der Schweiz kam spät am Abend bei einem Hotel im Baiersbronner Teilort Mitteltal an. Ihr Zimmer hatten sie vorab online gebucht.
Das Unheimliche dabei: Das Hotel war zwar offen, das Licht eingeschaltet – doch es war keine Menschenseele zu sehen. Und auch das Hotelgebäude selbst machte laut Angaben der beiden Touristen einen heruntergekommenen Eindruck.
Doch was steckte hinter diesem eigenartigen Erlebnis? Darüber konnte zunächst nur spekuliert werden. Denn das Hotel ist mittlerweile geschlossen. Vor Ort gab es also niemanden, den man hätte fragen können. Und bei der im Internet angegebenen Telefonnummer ging niemand ran. Selbst Polizei und Ordnungsamt wussten nichts Genaueres über das rätselhafte Hotel.
Kontakt über Umwege
Nun ist es unserer Redaktion aber über Umwege gelungen, eine Firma ausfindig zu machen, der laut eigenen Angaben das Hotel gehört. Denn auf den Namen des Geschäftsführers sind noch weitere Hotels in ganz Deutschland eingetragen – darunter auch eines in der Region.
Bei einem Besuch vor Ort konnte dann ein Kontakt zu der Firma hergestellt werden. Offenbar besitzt das Unternehmen mehrere Hotels und verpachtet diese an lokale Betreiber – so auch das Hotel Tannengrund in Mitteltal.
Kein Zugriff auf die Systeme
„Das Hotel Tannengrund wurde von uns an einen Pächter vermietet, der den Betrieb eigenverantwortlich geführt hat,“ schreibt eine Sprecherin des Unternehmens per E-Mail. Der Pächter habe sich auch um den Auftritt auf den Online-Buchungsplattformen gekümmert. „Wir hatten weder Zugriff auf diese Systeme noch Einfluss auf deren Pflege oder Abschaltung.“
Zu dem konkreten Vorfall mit den Touristen aus der Schweiz habe die Firma keinerlei Informationen vorliegen. „Wir haben davon erst durch ihre Berichterstattung erfahren“, schreibt die Sprecherin weiter.
Pächter angeblich untergetaucht
Allerdings liefert sie eine mögliche Erklärung für den Vorfall: „Der Pächter hat den Betrieb schließlich ohne Ankündigung eingestellt, ist untergetaucht und hat Insolvenz angemeldet.“ Was genau mit dem Begriff „untergetaucht“ gemeint ist, schreibt die Sprecherin – auch nach Rückfrage – nicht.
Zudem nennt das Unternehmen kein Datum für das Verschwinden des Pächters. Somit lässt sich vorerst nicht mit Sicherheit sagen, ob der Pächter schon verschwunden war, als die Schweizer Touristen durch die leeren Gänge des Hotels irrten.
Auch weitere Rückfragen zu dem Sachverhalt will das Unternehmen vorerst nicht beantworten. Die Begründung: „Mehrere Aspekte werden aktuell rechtlich und organisatorisch aufgearbeitet. Vor diesem Hintergrund wäre es aus unserer Sicht zum jetzigen Zeitpunkt nicht seriös und auch nicht angebracht, weitergehende Detailauskünfte (...) abzugeben.“
Laut eigenen Angaben betrachtet sich das Unternehmen in der Angelegenheit selbst als Geschädigter. „Das Hotel wurde in einem stark verwüsteten Zustand hinterlassen“, schreibt die Sprecherin. „Es sind erhebliche Sachschäden entstanden und wir kämpfen bis heute mit den finanziellen und organisatorischen Folgen der Situation.“
Was der ehemalige Pächter zu den Vorwürfen zu sagen hat, konnte leider zunächst nicht in Erfahrung gebracht werden. Denn trotz entsprechender Anfrage hat das Unternehmen keinen Kontakt zu dem Pächter vermitteln können. Auch ist unserer Redaktion derzeit nicht der Name des Pächters oder dessen Firma bekannt. Somit lässt sich die geschilderte Insolvenz nicht unabhängig überprüfen.