Sebastian Mutz, Dina Bühler, die gewürdigte Ulrike Haist und Alexander Fix Foto: Waltraud Günther

Mit einem berührenden Festakt wurde am Donnerstag das Lebenswerk von Ulrike Haist gewürdigt. Zahlreiche Besucher waren ins Kurhaus Freudenstadt gekommen, um sich bei ihr für ihr jahrzehntelanges Engagement für Kinder und Jugendliche zu bedanken.

Wie Sebastian Mutz, neuer Leiter und Geschäftsführer der „Villa Sonnenheim“, ausführte, sollte diese Festveranstaltung einerseits 30 Jahre Sonnenheim-Geschichte, 25 Jahre Kinderwerkstatt Eigen-Sinn, 20 Jahre Stiftung Eigen-Sinn und 15 Jahre Akademie Eigen-Sinn aufzeigen, und zugleich das Lebenswerk von Ulrike Haist und ihrem im vergangenen Jahr verstorbenen Ehemann Hans-Martin würdigen.

 

Die scheidende pädagogische Leiterin berichtete über die Entstehungsgeschichte des Kinderheims Villa Sonnenheim und aller daraus entstandenen Eigen-Sinn-Einrichtungen: „Wir haben damals tatsächlich mit nichts begonnen. Wir hatten kein Geld und kein Haus – aber wir hatten Freunde und gute Mitarbeiter. Alleine hätten wir das nicht geschafft.“

Ihr Blick zurück auf die Anfänge im kleinen, veralteten Hallwanger Kinderheim und auf die vielen notwendigen Baumaßnahmen, Renovierungen und Umzüge lässt erahnen, mit welch enormen Anstrengungen diese Aufbauarbeit verbunden war. Inspiriert durch ihre pädagogischen Vorbilder Bruno Bettelheim und Janusz Korczak entstand im Laufe der Jahre eine Jugendhilfeeinrichtung, die heute weit über Freudenstadt hinaus bekannt ist.

Anerkennung spiegelt sich in Beiträgen wider

Die Anerkennung spiegelte sich auch in den Programmbeiträgen wider. Da wurde Ulrike Haists Arbeit musikalisch durch die Big Band des Kepler-Gymnasiums unter der Leitung von Christof Ruetz gewürdigt, unterstützt durch ein ehemaliges Eigen-Sinn-Kind, Marc Zwingelberg, der heute als Solotrompeter bei der Rostocker Philharmonie angestellt ist. Auch das Kuentz-Trio – verstärkt durch Sängerin Marianne Martin – trug zur musikalischen Untermalung bei.

Die Big Band des Kepler-Gymnasiums bei ihrem Auftritt Foto: Waltraud Günther

Mit herzlichen Worten bedankte sich Angelika Klingler, Leiterin des Jugendamts Freudenstadt, bei Ulrike Haist. Gleich in Dreifachfunktion – als Landrat, Freund und Mitglied des Stiftungsvorstands – bescheinigte Klaus Michael Rückert ihr allerhöchste fachliche Kompetenz und zollte ihrer Lebensleistung, die, so Rückert, von Nächstenliebe und Glauben getragen ist, tiefe Bewunderung: „Ich freue mich für die jungen Menschen, die das Glück haben, in den Einrichtungen von Eigen-Sinn sein zu dürfen.“

Eigens für das Jubiläum wurde die Kunstradgruppe neu belebt. Foto: Waltraud Günther

Die strahlenden Gesichter der eigens für das Jubiläum neu belebten Kunstradgruppe bewiesen, dass Rückert mit seiner Lobeshymne recht hatte. Zeigten doch die acht Jugendlichen auf zwei Fahrrädern geradezu akrobatische Leistungen.

Beeindruckt von der Lebensleistung der Geehrten und von deren Gottvertrauen zeigte sich auch Pfarrer Daniel Zimmermann. „Freudenstadt braucht Eigen-Sinn, denn Kinder sind das Allerwichtigste unserer Gesellschaft“, bekannte Oberbürgermeister Adrian Sonder in seinem Grußwort. Er bedankte sich bei Ulrike Haist dafür, dass sie ihr Leben den Kindern gewidmet habe.

Fundamente der Pädagogik der Einrichtungen

Johannes Warth, Wortakrobat, Comedian, Motivationstrainer und Ermutiger, verdeutlichte das erfolgreiche Konzept aller Eigen-Sinn-Einrichtungen mit lebenspraktischen Übungen und tiefgründigen Botschaften.

Sebastian Mutz und Ulrike Haist zeigten in ihren Gesprächen den aufmerksamen Zuhörern die Fundamente der Pädagogik der Eigen-Sinn-Einrichtungen auf. Wie Haist beschrieb, stand von Anfang an das gemeinsame Ziel fest: Eine kleine Einrichtung zu gründen, die Kindern Halt gibt und in der auf deren Bedürfnisse geachtet wird. „Dazu kommen zusätzlich Gemeinschaft, Bewegung, Sport und Abenteuer in der Natur und Musik als etwas, das heilt“, so Haist.

Johannes Warth verdeutlichte das erfolgreiche Konzept aller Eigen-Sinn-Einrichtungen mit lebenspraktischen Übungen und tiefgründigen Botschaften. Foto: Waltraud Günther

Manchmal habe sie das Gefühl, ihre eigenen Kinder kämen zu kurz. Als sich ihre drei Töchter bei ihrer Mutter mit einem Videobeitrag bedankten und ihr bescheinigten, in einem Zuhause voller Liebe und Spiele aufgewachsen zu sein, wurden ihre Bedenken entkräftet.

Dankesgrüße vieler Ehemaliger hatte Haists Nachfolgerin Anna Schaber mitgebracht. Die besten Wünsche und den Dank der Mitarbeiter überbrachten Dina Bühler von der Kinderwerkstatt, Sebastian Mutz von der „Villa Sonnenheim“ und dem „I-Tüpfelchen“ sowie Alexander Fix von der Akademie Eigen-Sinn in Form einer selbst gebauten, massiven Liege.