Bunt statt Blau heißt es bei einer spektakulären Mitmach-Aktion: Auf dem oberen Marktplatz wird mit Farbbeuteln geworfen.
„Wir werden sichtbar!“ – unter diesem Satz steht die Coa-Aktionswoche 2026. Die Kinderwerkstatt Eigen-Sinn nimmt diese zum Anlass, die Situation, die Ängste und Leiden von Kindern aus suchtkranken Familien sichtbar zu machen. Das auch mit einer spektakulären Aktion am Freitag, 27. Februar, auf dem Marktplatz (siehe Info).
„Die Aktionswoche wird zwar weltweit begangen, doch wir sind ganzjährig für diese sogenannten vergessenen Kinder da“, sagt Dina Bühler, Geschäftsführerin von „Eigen-Sinn“. Sie weiß, dass jedes fünfte bis sechste Kind aus Familien kommt, in denen mindestens ein Elternteil suchtkrank ist. „Wir haben eine eigene Gruppe für diese Kinder, aber auch in allen anderen Gruppen sind sie zu finden. Wie in jedem Klassenzimmer“, macht Bühler das Thema deutlich.
Während der Aktionswoche vom 22. bis 28. Februar wird sich die ganze Kinderwerkstatt intensiv damit beschäftigen.
„Vergessene Kinder“
Man nennt sie nicht umsonst die „vergessenen Kinder“, Mädchen und Buben, die mit süchtigen Eltern oder Elternteile aufwachsen. Es müssen nicht immer Alkohol oder Drogen sein, es gibt viele Abhängigkeiten wie Spielsucht, Handy- oder Computersucht und andere mehr. „Es ist eben nicht normal, wenn ein Mensch acht Stunden am Tag im Internet surft“, sagt Christian Fai, Leiter der Kinder-Werkstatt.
„Die Kinder erleben diese Belastungen mit, sorgen sich um ihre Eltern, haben Angst, werden unsicher, geraten in Isolation, sehnen sich nach „trockenen Tagen“, weiß Projektleiterin Madleen Welle. „Sie erleben ihre Eltern oft extrem liebevoll, dann wieder das extreme Gegenteil“, ergänzt Bühler. Dazu sei das Thema Sucht stark „Scham-besetzt“. Die Kinder können in der Schule nicht darüber sprechen, benehmen sich besonders angepasst und unauffällig, stehen ständig unter Druck und Zwängen. Zumal sie oft zu Hause noch Verantwortung für Familie und Geschwister übernehmen, Verantwortung, die bei den Eltern liegen sollte.
Kinderwerkstatt als sicherer Ort
Coa-Kinder finden in der Kinderwerkstatt einen sicheren Ort, wo sie befreit von täglichen Ängsten essen, spielen, sich unterhalten, einfach Kind oder Jugendlicher sein können. Und eine Bezugsperson, einen Ansprechpartner für ihren Kummer finden. Es dauert manchmal Monate, zuweilen Jahre, bis sich die Kinder öffnen können. Um so bedrückender ist es für Sozialpädagogen, wenn sie immer wieder von Jugendlichen oder Erwachsenen hören, dass sie als betroffenes Kind verzweifelt nach einem Ausweg, einem Zuhörer, einer Vertrauensperson gesucht hätten. „Das hätte mir damals sehr geholfen“ ist in diesem Zusammenhang ein viel geseufzter Satz.
Die Aktionswoche will diese Probleme sichtbar machen, verbunden mit dem Aufruf an Erwachsene, sich um solche Vorfälle zu kümmern, hinzuschauen, die Kinder oder deren Eltern anzusprechen, vielleicht auch Lehrer und Erzieher zu informieren. „Wir sehen Kinder als Teil unserer Zukunft, sie dürfen nicht stigmatisiert werden“, so Dina Bühler.
Coa-Aktionswoche
Bunt statt Blau
Zum Ausklang der Aktionswoche hat das Eigen-Sinn-Team eine Mitmachaktion auf dem oberen Marktplatz vorbereitet: Am Freitag, 27. Februar, von 9 bis 12 Uhr unter dem Motto „Bunt statt Blau“. Neben einem Rauschparcours und großflächigen Plakaten wird eine große blaue Leinwand aufgespannt, die Besucher und Passanten mit bunten Farbbeuteln als Zeichen der Freude, Vielfalt und Hoffnung bewerfen können. Dazu hat auch Oberbürgermeister Adrian Sonder seine Unterstützung zugesagt.
Weltweite Woche
Die Aktionswoche „Wir werden sichtbar“ wird weltweit von Coa begangen. Coa steht für „Child of Addicts“ (Kind suchtkranker Eltern). Hierzulande nimmt sich der Verein Nacoa Deutschland der Kinder und Familien an. Die Freudenstädter Kinderwerkstatt Eigen-Sinn beteiligt sich seit Jahren engagiert an den Aktionswochen, immer wieder mit eigenen Ideen und Projekten.