Das Tohuwabohu bricht aus. Foto: Gudrun Gehr

Erneut fanden sich am Mittag des Ostermontages rekordverdächtig viele Zuschauer zum traditionellen Eierspringen beim Eichener See ein.

Kurt Meyer als Mitveranstalter und Vorstand der Sportgemeinschaft Eichen schmunzelte und sagte: „Wir haben den Vorteil, uns kein Datum merken zu müssen. Wir wissen immer, dass unser Fest am Ostermontag stattfindet“.

 
Organisator Kurt Meyer (links) und Moderator Dirk Schrank hatten ihren Spaß. Foto: Gudrun Gehr

Gäste von nah und fern reisen zum Spektakel

Die Gäste kamen von nah und fern zu dem unterhaltsamen und ungewöhnlichen Spektakel, das grundsätzlich Formen eines Volksfestes annimmt. Auch die Parkplatzsuche vor der Senke des Eichener Sees gestaltet sich durch die Gäste teilweise sehr kreativ. Jedoch ließ sich keiner die Gaudi verderben, die Sonne schien um die Wette mit der guten Laune der Besucher.

700 Eier wurden zuvor im Dorf gesammelt

Die umfangreichen Vorbereitungen liefen bereits seit Tagen. So zogen bereits am Ostersonntag traditionell die „Butzimummel“, also die konfirmierten, aber noch nicht verheirateten jungen Männer gemeinsam mit ihren Kollegen, „Ankebäbi“ und „Bäberich“, durchs Dorf. Die beiden jungen Männer, in Markgräfler Tracht gekleidet, sammelten rund 60 Packungen „Anke“ (Butter) und 700 Eier. Bereits längst zuvor wurden „Saubloodere“ (Schweine-Blasen) beschafft, was sich nach Mitteilung von Moderator Dirk Schrank - chic im schwarzen Frack samt Zylinder gekleidet - nicht einfach gestaltet hatte. Es gelang jedoch, insgesamt 150 Stück der raren Objekte über die Metzgerei Krone in Schönau zu erhalten.

Die Eier als Objekt der Begierde

Ziel des Wettbewerbs mit seinen vielen historisch bedingten Regeln ist die Verteidigung der eingesammelten Eier durch die Mannschaft der „Butzimummel“. Es waren 30 junge Männer, die weiß gekleidet mit roten Bändern, mit vorangetragener Badener Nationalfahne unter den Klängen des Badner Liedes samt Eierkorb auf das Spielfeld einmarschierten. Genau diese Eier waren das „Objekt der Begierde“, welche von den Besuchern erobert werden möchten. Das Spielfeld war als Symbol für die Grenzen des Dorfes abgesteckt. In der Mitte unter Tannenreisig stand der Eierkorb. In einer Linie wurden von dort quer zum Feld 28 Nester in Sägemehl angelegt - ein Hinweis auf den 28-tägigen Mondzyklus. Zum Auftakt umrunden zwei Läufer und ein „Sammler“ dreimal die aufgereihten Nester. Zwei Läufer der Butzimummel, Elias Grether und Tim Schwald, erhielten den Auftrag, zwei Flaschen Wein vom sieben Kilometer entfernten Kürnberg herbeizuschaffen. Während dessen hat der Sammler in einer scheinbar endlosen Sisyphus-Arbeit jeweils Ei für Ei in die Nester zu legen und anschließend wieder einsammeln. Ist die Reihe gefüllt, fällt die Erlaubnis zur Eroberung der Eier durch die Gäste. Diese hatten sich mehrfach organisiert und täuschten in mehreren Wellen großräumige Angriffe vor, die von den Butzimummeln mit den „Saubloderen“ abgewehrt wurde.

Im Durcheinander waren die Eierdiebe erfolgreich

Oft erlangte im schnell entstandenen Tohuwabohu ein einzelner unscheinbarer Eierdieb seine Beute aus dem Eiernest, während die große Gruppe raffiniert einen Überfall vortäuschte. Wer es schaffte, ein Ei zu erobern, durfte dieses behalten. Die anderen dreisten Zudringlinge wurden mit Schlägen der Blasen abgewehrt. Waren die Nester nach den Tumulten leer, mussten sie wieder durch den Sammler aufgefüllt werden. Nachdem die Eierdiebe immer dreister wurden, erfolgte die nächste einsatzmäßige Steigerung der Defensive: Mit schwarzer Schuhcreme wurden die Übeltäter eingerieben, die am Abend sicherlich alle Mühe hatten, die klebrige Paste aus Kleidung und Haaren zu entfernen. Derweil amüsierten sich die Gäste, spornten je nach Einsatz entweder die Diebe oder die Verteidiger an, die sich mit Balgen, Keilen, Rempeln, Sprinten und Überwältigen hervortaten.

Eierdieb mit Beute Foto: Gudrun Gehr

Als die beiden Läufer – beide sind durchtrainierte und topfite Sportler – nach etwa 35 Minuten aus dem rund sieben Kilometer entfernten Kürnberg mit den beiden Flaschen Wein zurückkehrten befand sich noch ein Ei im Nest: Nach den Regeln waren daher die Läufer Sieger des Wettbewerbes. Moderator Dirk Schrank brachte es auf den Punkt: „Was gibt es Schöneres, als bei diesem prächtigen Wetter und soviel Spaß bei unserem Eierspringe dabei zu sein?“ Gewonnen hatten alle, ob Butzimummel, freche Diebe oder Zuschauer. Das Spektakel machte allen einen Riesenspaß. Die Aftershow-Party „Ankeball“ fand dieses mal in der Hülschematthalle beim gemeinsamen Spiegelei- oder Rühreibraten statt.

Die nicht benutzten Eier gehen an den Tafelladen Schopfheim. Zugelassen sind hier nur Butzimummel mit Freundin – Teilnehmer ohne weibliche Begleitung müssen Wein spendieren.