Die Härchen der Raupe lösen bei Menschen allergische Reaktionen bis hin zu Atemwegsbeschwerden aus. Foto: Gentsch/dpa

Eichenprozessionsspinner sind in vielen Gegenden Deutschlands auf dem Vormarsch. In Calw bleibt die große Plage dieses Jahr aus. Doch gebannt ist das Problem deshalb nicht.

Calw - Mit Eichenprozessionsspinnerraupen ist nicht gut Kirschen essen – ohnehin bevorzugen sie, wie der Name schon sagt, Eichenbäume. Von denen gibt es in Calw sowie im Rest Baden-Württembergs zwar reichlich, doch die großen Schwierigkeiten mit den Tieren blieben dieses Jahr bislang aus. "Die erste Generation war kaum und die zweite sehr gering aufgetreten, was sicher der diesjährigen Wetterlage zugeschlagen werden kann", erklärt Markus Mosdzien, Umweltbeauftragter der Stadt Calw. Die Tierchen mögen es gerne warm und trocken. Eine Wetter-Kombination, die diesen Sommer bekanntlich noch nicht allzu oft eingetreten ist.

 

Gänzlich von der Agenda streichen kann man die Raupen der Nachtfalter aber nicht. Jüngst waren sie beispielsweise an einer Säuleneiche in Stammheim aufgetreten, wie eine Anwohnerin berichtet. Inzwischen sei das Problem aber ausgeräumt – eine Fachfirma habe die sogenannten Gespinste der Tiere entfernt. Ein riesiger Aufwand sei das gewesen, sagt die Stammheimerin.

In der Tat müssen in so einem Fall Profis ran, unterstreicht Mosdzien. "Auf keinen Fall sollte man das Gespinst abschlagen und versuchen dies von Hand ohne Schutzkleidung zu entsorgen", rät er. Die Experten saugen das Gespinste ab und entfernen so auch die gefährlichen feinen Härchen, weiß Mosdzien.

Haare verursachen unter anderem Ausschlag

Denn die sind es, weshalb die Tiere überhaupt so große und zweifelhafte Berühmtheit erlangt haben. Die Raupen tragen giftige Brennhaare – etwa 600. 000 pro Tier, wie auf der Homepage des Norddeutschen Rundfunks zu lesen ist. Werden diese vom Wind fortgetragen, kann es passieren, dass Menschen damit in Berührung kommen. Die Folge: Ausschlag, Augenreizungen und unter Umständen sogar Atemwegsbeschwerden.

Zudem schaden sie den Bäumen, auf denen sie nachts auf der Suche nach Futter in bis zu zehn Meter langen Prozessionen umherwandern. Die Eichenprozessionsspinner fressen laut des Naturschutzbunds (Nabu) frisch ausgetriebene Blätter bis auf das Mittelgerippe ab. "Dies kann in Eichenwäldern zu starkem Blattfraß und Folgeschäden bis hin zu Kahlfraß führen", so Mosdzien. In Calw sei das aber seines Wissens noch nicht vorgekommen. Hier stehe mehr die gesundheitliche Gefährdung für Menschen im Fokus.

Tauchen die Tiere beziehungsweise deren Gespinste, in die sie sich tagsüber zurückziehen, im Stadtgebiet auf, werden laut des Umweltbeauftragten entsprechende Maßnahmen ergriffen. Zumindest, wenn es öffentliche Bereiche betrifft oder sich unter den betroffenen Bäumen Sitzbänke, Parkplätze oder Spielplätze befinden. In diesen Fällen werden die Gespinste abgesaugt. "Im Wald werden hier selten Maßnahmen ergriffen", so Mosdzien.

Verwechslungsgefahr mit Gespinsten der Gespinstmotten

Aber Obacht: "Man darf die Gespinste des Eichenprozessionsspinners nicht verwechseln mit den Gespinsten der Gespinstmotten – die für den Menschen völlig harmlos sind und die sich in der Regel an Sträuchern und Hecken befinden und nicht auf oder an Eichen", gibt Mosdzien einen Rat.

Der Eichenprozessionsspinner ist ein Nachtfalter aus der Familie der Zahnspinner. Der ausgewachsene Falter ist grau und hat eine Flügelspannweite bis rund 30 Millimeter. Er selbst lebt nur wenige Tage. Die Raupen des Falters bilden ab einem bestimmten Stadium Brennhaare aus, um sich gegen Feinde zu schützen. Der Eichenprozessionsspinner kommt fast ausschließlich auf Eichen vor, oft an Waldrändern. Besonders günstige

Bedingungen findet das Tier in warm-trockenen Regionen, heißt es auf der Internetseite des Naturschutzbunds (Nabu).