Die Raupen des Eichenprozessionsspinners können mancherorts zum Problem werden – speziell deren Brennhaare (Symbol-Foto). Foto: picture alliance/dpa/Soeren Stache

Die Brennhaare des Eichenprozessionsspinners können bei Spaziergängern für ernste Probleme sorgen. Alexander Beller vom Tiefbauamt Sulz erklärt, was man gegen die Tiere unternimmt.

Wenn die Sonne lacht, der Himmel strahlt und zahlreiche Menschen mit guter Laune und kurzärmeligen T-Shirts das Wetter genießen, ist das eine schöne Sache.

 

Zum Problem kann das allerdings unter der einen oder anderen Eiche werden – denn laut Lea Dieckmann von der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg (FVA) breitet sich der Eichenprozessionsspinner im Südwesten in diesem Jahr voraussichtlich wieder stärker aus als 2025.

Nesselgift Thaumetopoein

Doch was ist daran schlimm? Schwierig wird es mit den Brennhaaren der Raupen – können diese doch zu gesundheitlichen Beeinträchtigungen führen. „Ursache ist das Nesselgift Thaumetopoein auf den Härchen der Larven“, ordnet Alexander Beller vom Tiefbauamt die Sachlage ein.

Die Raupen schlüpfen je nach Witterung im April oder Mai und durchlaufen bis zur Verpuppung zum Falter sechs Entwicklungsstadien. Dabei fressen sie austreibende Blätter und leben in Verbänden. Ungefähr Mitte Juni ziehen sich die Raupen in Gespinstnester zurück und gehen von dort auf Nahrungssuche, die Verpuppung beginnt ab Ende Juni oder Anfang Juli.

Bindehautentzündung oder Fieber

Dabei gehe jedoch nicht nur von den frischen Brennhaaren ein Risiko aus – je nach ihrem Alter können auch die Brennhaare, die die Raupen in den Gespinstnestern zurücklassen, Reaktionen hervorrufen.

Was für Folgen kann das haben? „Die Auswirkungen können eine sogenannte Raupendermatitis, ein Hautausschlag, oder eine Bindehautentzündung sein“, erläutert Beller. Auch Atemwegsreizungen, Schwindelgefühl oder Fieber könnten weitere Symptome eines Kontaktes mit den Brennhaaren sein.

Blaumeise und Kuckuck

Neben Menschen können aber auch Tiere durch den Kontakt mit den Haaren beeinträchtigt werden. So bestehe bei ihnen die Gefahr von Reizungen des Verdauungstraktes oder der Haut und der Augen. Darüber hinaus können die Brennhaare durch das Fell der Tiere verschleppt werden.

„Der Eichenprozessionsspinner hat auch verschiedene natürliche Feinde“, weist er auf die Nahrungskette hin. Dabei handele es sich etwa um Raupenfliegen, aber auch um verschiedene Käfer und Raupen. Zudem nutzen einige Vogelarten, zum Beispiel Kohl- und Blaumeisen, aber auch der Kuckuck, die Larven als Nahrung.

Kontrolle und Bekämpfung

„Leider hat sich in den letzten Jahren herausgestellt, dass der natürliche Feind nicht ausreicht, um den Eichenprozessspinner zu bekämpfen“, schränkt Beller gleichzeitig ein. Daher würden im Frühstadium – also dem ersten und zweiten Larvenstadium – die befallenen Eichenbäume zusätzlich chemisch behandelt.

Dafür werden gut 90 Eichenbäume auf dem gesamten Stadtgebiet kontrolliert und bei einem möglichen Befall behandelt. Die zugelassenen Biozidprodukte werden dann von einer Schädlingsbekämpfungsfirma ausgebracht.

Nest-Sauger im Einsatz

„Stellen wir im Jahresverlauf fest, dass sich trotzdem Gespinstnester im dritten Larvenstadium an den Bäumen gebildet haben, veranlassen wir in Einzelfällen auch eine mechanische Bekämpfung“, nennt er die nächste Stufe der Maßnahmen. Das heißt, die Gespinstnester werden durch fachgerechtes Absaugen entfernt und entsorgt.

„Diese Methode ist sehr arbeits- und kostenaufwendig und erfordert umfassende Arbeitsschutzmaßnahmen, um die Beschäftigten vor den Brennhaaren zu schützen“, spricht Beller die damit einhergehenden Umstände an..