Je nach Wochentag unterscheidet sich die Nachfrage verschiedener Eiergrößen, die rund 40 Rinder fressen mehrere Tonnen Futter über den Winter. Diese und weitere Einblicke bot jüngst die Familie Oesterle auf ihrem Bioland-Betrieb Eichenhof in Grosselfingen.
Seit diesem Jahr bietet die Volkshochschule Hechingen in Kooperation mit dem Landwirtschaftsamt des Zollernalbkreises die Themenreihe „Nachhaltigkeit in der Ernährung“ an. Diese wird gefördert durch das Ministerium für Ernährung, Ländlicher Raum und Verbraucherschutz Baden-Württemberg im Rahmen des Programms Ernährungsbildung für Erwachsene und Familien. Ein Teil davon war jüngst eine Hofbesichtigung auf dem Biolandbetrieb Eichenhof in Grosselfingen.
Wie Inhaber Michael Oesterle den Teilnehmern berichtete, führt seine Familie den Hof in der dritten Generation. Der Eichenhof legt seinen Fokus auf die Legehühnerhaltung und die Mutterkuhhaltung mit Nachzucht. Die gelegten Eier sowie das Fleisch der Kühe werden direkt vor Ort vermarktet – entweder im Selbstbedienungsautomat auf dem Hof oder bei Nahversorgern, Bäckereien sowie Metzgereien in der näheren Umgebung.
Ziel der Veranstaltung war es daher auch, die Vorteile regionaler Produkte für Umwelt und Mensch aufzuzeigen. Oesterle informierte beispielsweise über den Prozess von der Aufzucht über die Tierhaltung bis hin zur Schlachtung. Gerade bei letzterer setze sein Bioland-zertifizierter Hof auf kurze Transportwege, würden lange Transportwegen die Tiere doch besonders unter Stress setzen.
Regionale Schlachtbetriebe
Die Rinder werden daher in Mössingen und das Geflügel bei Riedlingen geschlachtet. Insbesondere bei den Hühner sei es nicht einfach, einen Schlachter zu finden, der die Qualitätskriterien erfülle. Auch bestehe die Möglichkeit, dass ein mobiler Hühnerschlachter – der Schlachtvorgang erfolgt dabei in einem Hänger auf dem Hof – vorbeikommt. „Das ist dann aber eben nicht so, wie man es kennt“, informierte Oesterle weiter.
Die Teilnehmer waren sich schnell einig, dass sie lieber weniger, dafür aber qualitativ hochwertiges, regionales Fleisch bevorzugen. Fleisch müsse nicht jeden Tag auf den Teller kommen, so das Stichwort. Leider sieht die Realität anders aus und Quantität gehe häufig vor Qualität, betonte Jennifer Mages-Torluoglu, die den Nachmittag leitete. Genau um für dieses Thema zu sensibilisieren, fördere das Landratsamt solche Veranstaltungen.
Rinder mögen Hitze nicht
Interessantes gab es auch bezüglich der Rinderhaltung zu erfahren. In der Wintersaison werden diese auf dem Eichenhof im Laufstall gehalten. In dieser Zeit verfüttere man an die circa 40 Tiere rund 60 Tonnen Futter. Aktuell gibt es zudem fünf Kälber auf dem Grosselfinger Hof. Im Laufe des Aprils kommen die Rinder dann raus auf die Weide. Auch ein Tag Schneefall würde den Tieren nichts ausmachen. „Die Rinder mögen eher die heißen Temperaturen nicht“, erklärte Oesterle.
Neben den Rindern gibt es auf dem Hof auch über 900 Hühner in drei Stallungen. Die Teilnehmer durften einen Blick in den mobilen Stall werfen und selbstverständlich das Endprodukt auch kosten. Lob gab es für den neutralen Nachgeschmack der Eichenhof-Eier. „Das hängt hauptsächlich mit den Inhalten des Futters zusammen“, sagt Oesterle, der einen Großteil der Futterinhaltsstoffe selbst anbaut. Auch das sei eine Anforderung, um das Bioland-Zertifikat zu erhalten. Die Vorschriften werden streng kontrolliert, einmal pro Jahr auch unangemeldet.
„Huhn im Glas“
Zur Größe der Eier wusste der Hofbesitzer zu berichten, dass an Wochenenden der Absatz an Eiern im Format XL steige. Der Grund: „Das bevorzugen viele für das Frühstücksei.“ Indes sei bei einem größeren Ei das Eigelb nur geringfügig größer, dafür das Eiweiß deutlich mehr.
Das Huhn wird auf dem Eichenhof zudem vollends verwertet. So bietet die Familie Oesterle auch „Huhn im Glas“ als Hühnersuppe an, die Rezeptur erfolgt durch den Biomarkt „b2“ in Balingen. So könne auch regional gekocht werden, wenn es schnell gehen muss.
Hof im Nebenerwerb
Beeindruckend für die Teilnehmer war auch, dass die Familie Oesterle den Hof im Nebenerwerb führt. Michael Oesterle arbeitet zusätzlich 80 Prozent in seinem Hauptberuf. Unterstützt wird die Familie von Michael Oesterles Eltern, Cousin und Cousine sowie einer weiteren Hilfskraft. 33 Hektar Grünland, 10 Hektar Ackerland, Rinder- und Hühnerhaltung, zwei Ziegen sowie 300 Obstbäume müssen gepflegt werden. Der Antrieb und die Überzeugung, diese Arbeit zu leisten, war Michael Oesterle bei der jüngsten Veranstaltung deutlich anzumerken.