Adelinde Lipp wurde für ihre langjährige ehrenamtliche Tätigkeit die Bürgermedaille der Stadt Rottweil verliehen. Wir haben mit ihr gesprochen.
„Ehrenamt ist mein Leben. Es erfüllt mich und gibt mir ein gutes Gefühl“, schwärmt Adelinde Lipp. Auf die Frage, welche Bedeutung die Bürgermedaille für sie habe, fällt die Antwort kurz und knapp aus: „Ich habe noch gar nicht darüber nachgedacht. Ich hatte noch gar keine Zeit darüber nachzudenken, da ich schon wieder so viel zu tun hatte in den vergangenen Tagen“, gibt sie zu.
Aber, dass sie von so vielen Seiten Glückwünsche und gute Worte zur Verleihung bekomme, das begleite sie mit Freude und rühre sie, sagt sie. Die ehrliche Mitfreude vieler zeige nicht nur, dass sie alles richtig gemacht habe, sondern gebe auch neue Kraft, um weiterzumachen. Denn die Ehrung sei noch lange kein Grund, die Hände in den Schoß zu legen, sagt Adelinde Lipp. Ganz im Gegenteil. Die Arbeit geht ihr so schnell nicht aus.
Sie kümmert sich um Hilfsbedürftige
Wenn sie so erzählt, welche Aufgaben sie tagein, tagaus übernimmt und meistert, dann gerät man schnell ins Staunen. „Wenn jemand Hilfe braucht, dann bin ich da“, sagt sie. Da würden der Haushalt, oder die Bügelwäsche dann auch schon mal liegen bleiben. Und die „Einsätze“ von Adelinde Lipp sind vielfältig.
Sie reichen von Mesnerdiensten in der Bühlinger Kirche, bis hin zur Begleitung älterer und kranker Menschen. Sie betreut sie, kümmert sich um Kranke und Hilfsbedürftige, begleitet sie zu Arzt- und Therapieterminen, erlediget Einkäufe, organisiert Unterstützung von Physiotherapeuten bis hin zu ganz praktischen Alltagshilfen. Was eben grad so ansteht.
Den Menschen zuhören
„Es ist ganz wichtig den Menschen zuzuhören, zu hören, was sie beschäftigt oder bedrückt. Viele sind froh, wenn sie mal jemandem in Ruhe erzählen dürfen“, weiß sie aus Erfahrung. Und man fragt sich, wo die 75-Jährige all ihre Energie für das Ehrenamt hernimmt. „Man braucht eine positive Lebenseinstellung und man muss es sich immer wieder auch gut gehen lassen. Das stärkt und gibt Energie“, verrät sie. Energie und Freude bekommt sie auch von ihren drei Enkelbuben, die mit ihrer Familie bei ihr mit im Haus wohnen. „Das tut mir gut und ist ein großes Glück“, so Lipp. Auch die innere Freiheit sei ein wichtiger Wert. „Sich in Freiheit entscheiden zu können, ist ein hohes Gut“, weiß sie.
Das Helfen wollen scheint Adelinde Lipp in die Wiege gelegt worden zu sein. Bereits im Alter von 16 Jahren nahm sie im Haushalt einer Freundin ihrer Mutter eine Stelle an, betreute ein kleines Kind, half im Café der Freundin und in der Bäckerei mit. Später entschloss sie sich, eine Ausbildung zur Krankenschwester im Rottweiler Krankenhaus zu absolvieren, was sie ebenfalls mit viel Freude erfüllte. „Ich wusste früh, dass ein Bürojob nichts für mich ist“, sagt sie und lacht.
Schönstatt-Gruppe und Trauercafé
Und die Ehrenämter schienen ihr im Laufe der Zeit geradezu zuzufliegen. Zunächst habe sie nebenher eine Schönstatt-Jugendgruppe übernommen, später eine Firmgruppe, und auch das Trauercafé in Neufra hat sie mit Begeisterung mit aufgebaut. Menschen zu begleiten und für sie da zu sein, das sei ihr ein großes Anliegen. „Tiefgründige Gespräche sind für mich Leben“, betont sie. Ganz nebenbei und seit mehr als 50 Jahren pflegt sie zudem ein Bildstöckchen auf der Saline.
Und auch der Mesnerdienst in der Bühlinger Kirche, den sie mit ihrem Mann Ernst bestreitet, bereitet ihr große Freude. Dabei begleitet sie Ministranten und hält die Tradition lebendig, die Glocke von Hand zu läuten, wenn ein Mensch aus der Gemeinde verstorben ist.
Dank an Mann und Tochter
„Sie sorgen dafür, dass kirchliches Leben vor Ort erlebbar bleibt. Und sie verbinden Menschen in unterschiedlichen Lebenssituationen und übernehmen Verantwortung dort, wo sie besonders gebraucht wird“, hatte Oberbürgermeister Christian Ruf ihr Engagement gewürdigt. Ein dickes Dankeschön sprach Adelinde Lipp in der Stadthalle aber auch ihrem Mann Ernst und Tochter Theresa aus, die ihr das Ehrenamt immer ermöglicht hätten. Auch das sei sehr wertvoll und keinesfalls selbstverständlich, sagt sie dankbar.