Holger Ehnes vom Partnerschaftskomitee (von links), Kulturamtsleiter Philipp Baudouin, OB Jürgen Großmann und Festredner Christian Petry freuen sich über die Verleihung der Ehrenfahne an die Stadt Nagold. Foto: Priestersbach

In Nagold wurde groß und bunt gefeiert: Die Verleihung der Ehrenfahne des Europarates war Grund genug.

Der Nagolder Europamarkt mit dem Festival der Kulturen bildete dabei den perfekten Rahmen für die offizielle Übergabe der Ehrenfahne.

 

Außergewöhnlich viel Prominenz versammelte sich bei Nagoldwetter auf dem Europaplatz – darunter eine Botschafterin aus Slowenien, ein Generalkonsul aus Frankreich sowie Christian Petry als Festredner und die SPD-Bundesvorsitzende Saskia Esken.

Gewürdigt wurden mit der Auszeichnung vor allem die bemerkenswerten Nagolder Bemühungen in Sachen Städtepartnerschaften mit dem französischen Longwy und dem slowenischen Jesenice – sowie die Förderung des europäischen Gedankens im Allgemeinen.

Vielfältiges Miteinander

„Heute feiert Europa das bunte und vielfältige Miteinander in der Stadt“, machte Oberbürgermeister Jürgen Großmann mit Blick auf das Festival der Kulturen in Nagold deutlich. Klar ist für ihn aber ebenso, dass Europa der beste Garant dafür sei, „die Freiheit nach Innen und Außen zu wahren“. Und weil Europa die Zukunft sei und die Europäer zusammengehören, müsse man die „europäische Idee mit Leben füllen“.

Dazu zählt in seinen Augen auch die „faszinierende Arbeit mit den Partnerstädten“ – mit Longwy bereits seit 1967, während im Juni die 30-jährige Städtepartnerschaft mit Jesenice gefeiert wird.

Engagement für ein vereintes Europa

Wie Christian Petry als Vorsitzender des Unterausschusses für den Europarat im Bundestag – und somit als mitentscheidender Mann bei der Verleihung der Ehrenfahne in seinem Festvortrag in Erinnerung rief, wurde der Europarat 1949 gegründet. Ziel des Europarats mit Sitz in Straßburg ist es, die demokratische und rechtsstaatliche Entwicklung seiner 46 Mitgliedsstaaten durch Zusammenarbeit auf politischer, sozialer, kultureller und wissenschaftlicher Ebene zu unterstützen.

1955 wurde daher zur Förderung von kommunalen Partnerschaften der Europapreis ins Leben gerufen, mit dem besonderes Engagement von Städten und Gemeinden für die Stärkung eines vereinten Europas gewürdigt wird.

Europa am Scheideweg?

Nachdem die Nagolder Bemühungen für ihre Städtepartnerschaften bereits mit dem Europadiplom und jetzt mit der begehrten Ehrenfahne honoriert wurden, müsse dies für die Stadt Ansporn sein, an diesem Thema weiterzumachen. Als nächste Stufe, so der SPD-Bundestagsabgeordnete, winke dabei die Europa-Plakette – und am Ende eventuell sogar der Europapreis als höchste Stufe der vier Auszeichnungen. Bei der Verleihung der Ehrenfahne betonte Petry: „Den europäischen Gedanken spürt man, wenn man in Nagold durch die Stadt geht“. Und fügte hinzu, dass gerade die Kommunen „als Grundpfeiler der Demokratie eine unverzichtbare Rolle spielen“. Nicht unerwähnt ließ er allerdings den Umstand, dass Europa derzeit an einem Scheideweg stehe, „weil es Kräfte gibt, die einen nationalen Kurs steuern wollen“.

Jesenice als Teil Teil dieser Erfolgsgeschichte

Die slowenische Botschafterin Ana Polak Petric betonte den Nagolder Einsatz zur Stärkung des europäischen Gedankens – und fand es erfreulich, dass die slowenische Partnerstadt Jesenice seit 30 Jahren „Teil dieser Erfolgsgeschichte ist“. Wie die Botschafterin unterstrich anschließend auch der französische Generalkonsul Gael de Maisonneuve, wie wichtig vor allem der Schüleraustausch und das Engagement der Jugend für Europa sei.

„Wir sind Teil einer großen europäischen Gemeinschaft“, erklärte Vincent Hamen als neuer Bürgermeister in Longwy, das ebenfalls mit der Ehrenfahne ausgezeichnet wird. Wie er deutlich machte, wolle man die „Partnerschaft weiter nach vorne bringen“. Von einem „Feiertag des gegenseitigen Respekts“ und von den „gemeinsamen Anstrengungen für den Frieden in Europa“ sprach Bürgermeister Peter Bohinec aus Jesenice. In seinem Augen ist es besonders wichtig, die Freundschaft weiter zu stärken und „diese Werte an die Jugend weiterzugeben“.

Als Vorsitzender der deutschen CDU/CSU-Gruppe im europäischen Parlament freute sich Daniel Caspary über die „wundervolle Auszeichnung“ für Nagold. Während Russland täglich versuche, „unsere freiheitlich-demokratische Ordnung zu unterwandern“ stünden die Partnerstädte „für das Miteinander und das gemeinsame Gestalten der Zukunft“.

Drei Nationalhymnen und eine Europahymne

Nachdem die Nagolder Stadtkapelle die drei Nationalhymnen sowie die Europahymne gespielt hatte, stand der feierlichen Übergabe der Ehrenfahne nichts mehr im Wege. Doch es gab noch eine weitere Fahne für Nagold: So überreichte Bürgermeister Josef Kufner aus dem befreundeten Hofkirchen als „Zeichen der Verbundenheit und Freundschaft“ die Fahne der bayrischen Marktgemeinde an OB Jürgen Großmann.

Bei der Enthüllung der Skulptur zur Städtepartnerschaft auf dem Europaplatz Foto: Thomas Fritsch

Den krönenden Schlusspunkt der Festveranstaltung bildete schließlich noch die gemeinsame Enthüllung der Skulptur zur Städtepartnerschaft auf dem Europaplatz. Die von Metallbaumeister Hans-Jochen Rau hergestellte Skulptur aus wetterfestem Cortenstahl zeigt eine Weltkugel mit drei Ländern und den drei in Partnerschaft verbundenen Städten Jesenice, Longwy und Nagold.

Doch auch ansonsten war auf dem Europaplatz beim Festival der Kulturen zwei Tage lang ein großes Programm geboten. So hatten die zahlreichen Besucher nicht nur die Qual der Wahl beim großen internationalen Angebot an kulinarischen Köstlichkeiten. Zudem beteiligten sich viele Vereine und Institutionen am bunten Bühnenprogramm mit Musik, Folklore, Tänzen und Gesang.