Bürgermeister Philipp Hahn (links) hat Adolf Vees den Ehrenschild mit Medaille der Stadt Hechingen bei einer Feierstunde im Konstantinsaal verliehen. Foto: Alexander Kauffmann

Dr. Adolf Vees hat bei einer Feierstunde im Konstantinsaal den Ehrenschild der Stadt Hechingen erhalten – eine Auszeichnung, die nur wenige Bürger vor ihm bekommen haben.

Die Lebensleistung von Adolf Vees ist eine, die Spuren hinterlässt. „Er hat sich um das Wohl und das Ansehen der Stadt besonders verdient gemacht“ – das sagte Hechingens Bürgermeister Philipp Hahn am Montagabend im Konstantinsaal aus Anlass der Verleihung des Ehrenschilds der Zollernstadt an Adolf Vees.

 

Beschlossen hatte der Gemeinderat das schon im November 2025 in nicht öffentlicher Sitzung. Die Abstimmung fiel einstimmig aus, wie Hahn berichtete. Als er Vees darüber informierte, soll der Geehrte gesagt haben: „‚So, und Sie meinen also, da kommt jemand?‘“

Tatsächlich haben sich so viele Besucher angekündigt, dass die Stadt kurzfristig auf den Konstantinsaal in der Stadthalle auswich – ursprünglich sollte die Verleihung in der kleineren Villa Eugenia stattfinden. Vees hatte seinen Gratulanten im Laufe der vergangenen Jahrzehnte ja auch viele Gründe gegeben, dieser seltenen Ehrung beizuwohnen.

„Tieferer Beweggrund“

Engagiert hatte sich Vees für das Hallen-Freibad, für die Aufarbeitung und die Auseinandersetzung mit der jüdischen Geschichte Hechingens, für den Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge und die Städtepartnerschaft mit dem französischen Joué-lès-Tours (siehe Info). Der Geehrte zeigte sich derweil sichtlich gerührt: „Ich bin sehr bewegt und dankbar“, hob er seine Rede an.

Es gebe viel, wofür er zu danken habe. Er zeigte sich dankbar für viele Begegnungen, Erfahrungen und natürlich die Freundschaft, die er mit jüdischen Mitbürgern gefunden habe. Anekdotenreich berichtete Vees von seinem ehemaligen Französischlehrer, von ehemaligen jüdischen Mitbürgern in New Jersey (USA), von seinen Anfängen als junger Zahnarzt in Hechingen.

Erinnern und Aussöhnung

Das Erinnern und Aussöhnung sind bestimmende Themen seines Lebenswegs. Seinem Vater hatte der Spross einer Bildhauerfamilie geholfen, die Kriegerdenkmäler mit den Namen der Gefallenen zu versehen. Vees berichtete, dass diese jungen Soldaten damals in ähnlichem Alter waren wie er selbst. Das sei der „tiefere Beweggrund“, sich mit seinen Enkeln für die Kriegsgräberfürsorge einzusetzen. Sein Engagement wirkt rückblickend gesehen geradezu folgerichtig.

Anhaltender Applaus

Seine Erfahrungen zeigen: „Was wir brauchen, ist bürgerschaftliche Beteiligung.“ Er blickte zurück auf eine Mülldeponie, die zwischen Weilheim und Wessingen hätte eingerichtet werden sollen. Vees: „Das habe ich verhindern können.“ Diese Anekdote steht beispielhaft für das, was die Gesellschaft auf kommunaler Ebene ausmacht.

Vees sagt es so: Übernehmen die Bürger die Beschlüsse des Gemeinderats nicht, „dann bleiben Dinge, die mit Mehrheit beschlossen wurden, eine Aktennotiz und ergreifen nicht die Herzen der Menschen, die hier leben“.

Vees wendet sich abschließend ans Publikum: „Ich danke Ihnen allen!“ Anhaltender Applaus tönt im Konstantinsaal, teilweise stehend. Vees hat Hechingen geprägt. Mit seinem Engagement, er ist ein Vorbild, das zur Nachahmung einlädt – an das auch kommende Generationen anknüpfen werden.