Die Enkeltochter Julia Berger steckte den Ehrenring an. Foto: Badura

Die Stadt verlieh Johann Pfister, dem Ehrenvorsitzenden der Gesamtwehr Burladingen, für seine außerordentlichen Verdienste um das Gemeinwohl den Ehrenring der Kommune.

Der Abend wird in die Geschichte der Gesamt-Feuerwehr Burladingen eingehen. Im Goldenen Buch der Stadt ist er bereits verewigt: Johann Pfister erhielt im Rahmen der Hauptversammlung aller zehn Feuerwehrabteilungen von Bürgermeister Davide Licht den Ehrenring der Stadt Burladingen verliehen.

 

Lang anhaltender, begeisterter Applaus sämtlicher Anwesenden begleitete die Verleihung in der Stadthalle. Die einhellige Meinung, die darin zum Ausdruck kam, war: Wenn jemand eine solche Würdigung verdient hat, dann der vormalige Gesamtkommandant und heutige Ehrenvorsitzende der Wehr. In dem Anblick der Versammlung, die sich zum Schlussbeifall geschlossen von den Plätzen erhob, spiegelte sich zudem die persönliche Wertschätzung für Pfister wider. Bei aller Energie und Durchsetzungskraft, die er in seiner Amtszeit bewiesen hatte, war er stets ein echter Kamerad, einer mit „einem offenen Ohr“ für alle Belange. Witz und Schlagfertigkeit des 89-Jährigen zeigten sich einmal mehr in seiner Rede, die er nach der Verleihung, obwohl tief bewegt und gerührt, hielt. Das Publikum lachte mehrfach.

Feierlicher Abschluss des Festaktes. Johann Pfister, Träger des Ehrenringes der Stadt, trug sich ins Goldene Buch der Kommune ein. Dabei flankierten ihn Bürgermeister Davide Licht, Feuerwehrkameraden, darunter der amtierende Gesamtkommandant Manuel Kehrer (rechts) und seine Familie. Mit am Tisch Ehefrau Hannelore. Foto: Matthias Badura

Die Regularien der Hauptversammlung hatte Stadtbrandmeister Manuel Kehrer zuvor in aller Knappheit „durchgezogen“. Ebenso kurz hielten sich in ihren Ansprachen Bürgermeister Davide Licht, Ortsvorsteher Berthold Krieg (in seiner Eigenschaft als Chef der gastgebenden Abteilung Starzeln) und Stefan Jetter, Kreisverbandsvorsitzender der Feuerwehr. Im Mittelpunkt sollte die nachfolgende Ehrung stehen. Selbst die Wahl eines neuen stellvertretenden Stadtbrandmeisters verlief zügig. Nach dem Ende der fünfjährigen Amtszeit von Martin Hofmayer ging der einzige Bewerber Tobias Bahnmüller aus Melchingen mit dem klaren Ergebnis von 110 der 132 abgegebenen Stimmen hervor.

In seiner Laudatio würdigte Bürgermeister Licht den zu Ehrenden als einen Mann, der sich in außergewöhnlicher und selbstloser Weise für das Wohl der Stadt eingesetzt habe – und sich in seiner Eigenschaft als Präsident der Altersabteilung weiterhin einsetzt. In die Amtszeit des damals noch sehr jungen, eben gewählten Burladinger Kommandanten Johann Pfister, so berichtete Licht, fielen die Folgen der Kreis- und Gemeindereform. Und damit auch die Zentralisierung der bis dato selbstständigen Ortsteil-Feuerwehren. Kein ganz einfacher Prozess. Doch Pfister habe ihn zuwege gebracht, sagte der Laudator. Und inzwischen sind die Truppen zu einer Einheit zusammengewachsen.

Weiter erinnerte Licht an den Bau des Burladinger Feuerwehrhauses, den Pfister vor über 30 Jahren energisch vorantrieb. Es war, so wussten viele Anwesende im Saal, seinerzeit ein spektakuläres Vorhaben, bei dem einige Widerstände zu beseitigen waren. Heute mag das angesichts der damaligen Zustände, als die Wehr im alten, maroden, von Käfern verseuchten Hagenstall in der Josengasse ihren Standort hatte, lachhaft erscheinen. Seinerzeit fragte sich der eine oder andere Bürger und Gemeinderat hingegen: „Ist so ein teurer Neubau nötig?“

Stehender Applaus für Johann Pfister. Die Anwesenden in der Stadthalle hatten sich geschlossen erhoben. Darin drückten sich Anerkennung und persönliche Wertschätzung aus. Foto: Badura

Er war nötig – bestätigte Alt-Bürgermeister Höhnle voller Überzeugung in einem auf Videoleinwand eingespielten Grußwort. Nötig aus zahlreichen Vernunftsgründen, aber etwa auch deshalb, weil die Alarmierung in jenen Tagen, wie Höhnle erzählte, über sein Privathaus lief. Was dann dazu führte, dass er einmal beim Zubettgehen versehentlich gegen den Roten Knopf stieß und frühmorgens um 2 Uhr die Wehr auf den Plan rief. (Große Heiterkeit im Saal!) Verbunden mit Dank, Anerkennung und sehr persönlichen Worten übergab der amtierende Bürgermeister den Ehrenring. Anstecken durfte ihn Julia Berger, Enkelin des Ehrenkommandanten und (natürlich) Feuerwehrfrau.

Zur Eintragung ins Goldene Buch der Stadt versammelten sich neben Davide Licht die Burladinger Kommandantur, Pfisters Familie und der vormalige Kreisbrandmeister Clemens Riesener, einer von Pfisters engsten Weggefährten, auf der Bühne. Wie der Geehrte nochmals betonte, habe er das, was ihm zugerechnet wird, nicht allein vollbracht. Es sei nur mit Hilfe der Kommandanten und zahlreicher Wegbegleiter möglich gewesen. Die Reihe der Gratulanten wollte nach dem offiziellen Festakt lange nicht abreißen: Kameraden, Gemeinderäte, Ortsvorsteher, der Stellvertretende Kreisbrandmeister Frieder Dieringer, DRK-Ortsvereinsvorsitzender Peter, Spallinger, Polizeirevierleiter Marco Renner, Polizeipostenchef Jürgen Kleinmann, Grünen-Landtagsabgeordnete Cindy Holmberg, Freunde und viele Bekannte ließen es sich nicht nehmen, dem Geehrten persönlich die Hand zu drücken, ihn herzlich zu umarmen. Irgendwann war auch das vollbracht. Anschließend wurde ausgiebig gefeiert. Bei den letzten, die bei Tagesanbruch die Stadthalle verließen, mit dabei: Johann Pfister!

Werdegang

Johann Pfister
trat 1955 in die Feuerwehr Burladingen ein, war dort von 1975 bis 1995 Abteilungskommandant und amtierte von 1976 bis 1996 als Gesamtkommandant der Stadt. Von 1980 bis 1995 hatte er das Amt des Stellvertretenden Kreisfeuerwehrverbandsvorsitzenden inne, von 1988 bis 1998 das des Stellvertreters. Seit 2019 ist er Sprecher der Altersabteilung Burladingen. Seine Laufbahn bei der Wehr begann er als Maschinist und Gerätewart, zuletzt stand er im Rang eines Hauptbrandmeisters. Er setzte sich maßgeblich für den Bau des heutigen Feuerwehrhauses ein, das 1993 eingeweiht wurde. Zu den Großeinsätzen seiner Zeit zählten der spektakuläre Brand der Spedition Barth in Burladingen oder die Soforthilfe nach dem Zollernalbkreis Erdbeben. Hinzu kommen unzählige weitere, die einen Gutteil der Burladinger Feuerwehrakten füllen dürften.