Bild aus erfolgreichen Zeiten: 2007 feierten Erwin Staudt (links) und Thomas Hitzlsperger (rechts) gemeinsam den Meistertitel. Foto: imago/Sportfoto Rudel/imago sportfotodienst

Der angekündigte Abschied von Thomas Hitzlsperger vom VfB Stuttgart hat den Ehrenpräsidenten Erwin Staudt „ziemlich überrascht“. Der 73-Jährige kann den Schritt des Vorstandsvorsitzenden nur schwer nachvollziehen – wüsste aber bereits einen geeigneten Nachfolger.

Stuttgart - Zwischen 2003 und 2011 war Erwin Staudt (73) Präsident des VfB Stuttgart, zwischen 2005 und 2010 trug Thomas Hitzlsperger (39) das Trikot mit dem Brustring. Beide kennen sich also gut – dennoch wundert sich der Ehrenpräsident nun über den Vorstandsvorsitzenden.

 

Herr Staudt, wie überrascht sind Sie von der Entscheidung Thomas Hitzlspergers, seinen Vertrag beim VfB nicht zu verlängern?

Ich bin doch ziemlich überrascht, da ich gedacht hab, dass dieses Projekt, das unter seiner Führung vor zwei Jahren in Angriff genommen worden war, deutlich länger geht als nur bis 2022.

Sie waren acht Jahre VfB-Präsident, Thomas Hitzlsperger wird am Ende nur drei Jahre an der Spitze gestanden haben. Können Sie nachvollziehen, dass er schon jetzt den Zeitpunkt gekommen sieht, künftig etwas anderes machen zu wollen?

Wenn ein Mensch in seinem Leben neue Schwerpunkt setzen und sich verändern will, dann muss man das respektieren. Das ist sein gutes Recht.

Aber?

Als VfB-Fan sehe ich, dass ein Projekt mit sehr vielen jungen Leuten begonnen wurde. Das benötigt eine gewisse Reifezeit. Daher hätte ich es gerne gesehen, wenn diese Entwicklung unverändert fortgeführt worden wäre.

Glauben Sie, dass bei dieser Entscheidung der Konflikt mit Präsident Claus Vogt zu Beginn des Jahres eine Rolle gespielt hat?

Von außen betrachtet bewundere ich die Haltung von Claus Vogt, der Thomas Hitzlsperger verziehen, einen Neuanfang ausgerufen und sogar frühzeitig um eine Vertragsverlängerung geworben hat. Daher sehe ich darin keinerlei Anlass für diesen Rückzug.

Können Sie sich vorstellen, dass Thomas Hitzlsperger bis Oktober 2022 im Amt bleibt?

In der Wirtschaft haben wir mit solchen Situationen schlechte Erfahrungen gemacht, da der Amtsinhaber fortan die so genannte Lame-Duck-Position einnimmt. Das könnte jetzt auch beim VfB passieren.

Haben Sie die Sorge, die positive Entwicklung des Clubs könnte Schaden nehmen?

Nein. Das Wichtigste ist, dass der VfB sportlich gut aufgestellt ist. So gesehen bin ich überzeugt davon, dass wir auch weiterhin hoffnungsvoll in die Zukunft blicken können. Jetzt geht es eben darum, einen adäquaten Nachfolger für den Vorstandsvorsitz zu finden, was in dieser Branche zugegebenermaßen nicht einfach ist.

Sollte es wieder ein Fußballer sein? Oder eher jemand, der seine Expertise in der Wirtschaft hat?

Mir wäre es am liebsten, wenn man einen Menschen fände, der sowohl in der Ökonomie zuhause ist, als auch eine hohe Affinität zum Fußball besitzt.

Wüssten Sie einen?

Ich könnte mir zumindest einen Kandidaten vorstellen, der diese Voraussetzungen erfüllen würde.

Sie meinen den früheren VfB-Vorstandsassistenten Alexander Wehrle, der seit fast neun Jahren Geschäftsführer des 1. FC Köln ist?

Er ist extrem fleißig, enthusiastisch und kommunikativ. Er hat ein Herz für den VfB – und sich in Köln das Wissen und die Erfahrung angeeignet, einen Bundesligaclub zu führen. Insofern wäre er tatsächlich ein Kandidat, hinter dem ich zu 100 Prozent stehen würde.