„Ehrenmenschen“: So heißt die Ausstellung im Schwenninger Uhrenindustriemuseum, die Mensch und Ehrenamt in den Fokus rückt. Welche Personen stecken eigentlich dahinter?
Was passiert, wenn die Maschinen nicht mehr so laufen, wie sie sollen? Was ist, wenn die Ehrenamtlichen diese Maschinen nicht mehr bedienen können? Alles in allem: Was macht eigentlich das Uhrenindustriemuseum (UIM) aus?
Diese grundlegenden Fragen seien den Verantwortlichen im vergangenen Jahr, als das Museum in der Bürkstraße wegen Sanierungsarbeiten mehrere Monate schließen musste, aufgekommen, berichtet die wissenschaftliche Mitarbeiterin, Lisa Schmid, beim Rundgang durch die Sonderausstellung „Ehrenmenschen“.
Positives Zwischenfazit
Seit November ist die Ausstellung – als Ergebnis dieser Überlegungen – im UIM zu erleben und werde gut angenommen – „das Interesse ist da“, sagt Schmid, vor allem für die regelmäßig stattfindenden „Work After Work-Workshops“.
Im Fokus steht dabei der Film „Das Erwachen der Zeit“ von Filmemacher Daniel Hofmeier, der nicht nur die Bedeutung des Museums mitsamt seinen Exponaten herausstellt, sondern auch die Arbeit der Ehrenamtlichen in der Museumswerkstatt anschaulich dokumentiert.
Mehr Bewusstsein
„Die Menschen halten das Museum am Laufen“: Das nämlich sei die Erkenntnis gewesen, die – als selbst definiertes Ziel – fortan mehr in die Öffentlichkeit transportiert werden sollte – um „ein Verständnis und Bewusstsein dafür zu schaffen, was hier überhaupt gemacht wird – und von wem“, sagt die wissenschaftliche Mitarbeiterin.
So geht die Ausstellung über den rund 15-minütige Film hinaus – es werden zudem Kurzinterviews mit vier beispielhaft ausgewählten Ehrenamtlichen gezeigt, alle 16 Ehrenamtliche, die auch dem Förderkreis Lebendiges Uhrenindustriemuseum angehören, auf Porträt-Vorhängen gezeigt sowie die 30-jährige Geschichte des UIM dokumentiert.
Die Ehrenamtlichen
Doch was bedeutet das Ehrenamt überhaupt für die 16 fleißigen Macher, die sich jeden Dienstag in der Museumswerkstatt treffen, um in teils mühsamer Handarbeit neue Museumswecker und Skelettuhren herzustellen? Die Gründe sind vielfältig, doch die meisten Mitarbeiter haben eines gemeinsam: „Sich nach dem Berufsleben sinnvoll zu engagieren“, sagt etwa Werner Lemke, der seit acht Jahren mit dabei ist.
Die sozialen Kontakte
Privat besitzt er mehr als 100 Uhren und möchte sein angeeignetes Wissen darüber auch in der UIM-Werkstatt anwenden. „Hier fühle ich mich aufgehoben, denn gerade im Rentenalter sind soziale Kontakte wichtig“, findet Lemke. Was den Verein ausmache, das seien Herzlichkeit und Hilfsbereitschaft. Jeder Geburtstag werde gefeiert und gemeinsame Ausflüge, wie jüngst die Besichtigung der Firma Kübler, stünden immer wieder auf dem Programm.
Das Bewahren
Die Geschichte und Tätigkeiten in Zusammenhang mit der Uhrenindustrie müssten unbedingt erhalten bleiben, sagt derweil Wolfgang Mattes, der seit rund einem Jahr zum Werkstatt-Team zählt und sogar aus Immendingen herkommt. Denn: „Wer beherrscht die alte Technik noch?“
Als er die Werkstatt das erste Mal betreten und die Maschinen gesehen habe, habe er sich direkt wohlgefühlt, erzählt Mattes, der zwar aus der Medizintechnik kommt, aber auch ein Faible für Uhren hat, insbesondere fürs Sammeln und Reparieren – und sogar fürs Entwickeln. In der vorherigen UIM-Ausstellung „Modern Times“ habe er davon etwas ausgestellt.
Das Mithelfen
Ihn habe es gereizt, mit alten Maschinen zu arbeiten – beruflich komme er aus der Metall-Branche –, in eines neues Arbeitsfeld hineinzuwachsen und mitzuhelfen, erzählt Helmut Erchinger, der das UIM seit vielen Jahren bereichert. Er ist nämlich zusätzlich als Maschinenvorführer im Einsatz.
Für ihn sei das Ehrenamt eine „ganz wichtige Sache, um Dinge zu tun, die öffentliche Institutionen nicht hinbekommen“, sieht Rainer Russ, Vorsitzender des UIM-Förderkreises, mitunter den Sinn in seiner Tätigkeit. Das Ehrenamt verbinde die Menschen untereinander und könne möglicherweise auch Bestehendes retten – im Falle des UIM die Erinnerung an die Uhrenindustrie ein Stückweit aufrechterhalten.
Derzeit ist im Übrigen des Engagement des Fördervereins mehrfach gefragt: Denn der Verein habe sich bereit erklärt, aufgrund von derzeitigem Personalengpass die UIM-hauptamtlichen Mitarbeiter bei den Führungen zu unterstützen.
„Eine kleine Firma“
Russ, gelernter Mechaniker und seit 2019 mit dabei, sieht die Werkstatt „wie eine kleine Firma“ an, die im übrigen alle nötigen Bestandteile für Wecker und Skelettuhr selber einkauft und der bewusst ist: „Wir brauchen stets Nachwuchs, um unser Wissen frühzeitig weitergeben zu können.“ Um den Bekanntheitsgrad zu steigern, stellt der Verein immer wieder Veranstaltungen auf die Beine.
Die hohe Präsenz in der „Ehrenmenschen“-Ausstellung findet der Vorsitzende indes schon übertrieben, gibt er bescheiden zu – wenngleich es auch in seinem Sinne ist, die Begeisterung sowohl für die Uhrenindustrie als auch fürs Ehrenamt über alle möglichen Medien wecken zu können.
Endspurt der Sonderausstellung
Die Öffnungszeiten
Die Ausstellung „Ehrenmenschen“ ist noch bis zum 26. April zu den Öffnungszeiten des Uhrenindustriemuseums (Dienstag bis Samstag, 13 bis 17 Uhr, sowie Sonntag von 11 bis 17 Uhr) geöffnet. Am 21. April ist zudem die Werkstatt von 13 bis 17 Uhr geöffnet, von 16 bis 17 Uhr findet ein „Work after Work-Workshop“ statt.