Als Barkeeper an der Theke im Jugendhaus: so kennen viele Mariaberger Henry Timme. Foto: Mariaberg e.V.

Henry Timme engagiert sich in Mariaberg im Werkstattrat und Jugendhaus. Dort setzt er sich für die Belange von Menschen mit Behinderungen ein.

„Was war denn das für ein Stunt?!“ Das ehrenamtliche Orga-Team des Jugendhauses Mariaberg hat Feierabend und hat es sich auf der Couchlandschaft im Jugendhaus gemütlich gemacht. Henry Timme zockt mit seiner Partnerin Jessica Ritter, Rony Huber und Patrick Strigel zusammen über einen Beamer „Mario Kart“.

 

Zum Spielen hat das Team beim Offenen Treff jeden Dienstag- und Freitagnachmittag sonst wenig Zeit: Henry Timme steht an der Bar, bedient die jungen Gäste mit Snacks und Getränken und hat ein offenes Ohr für so manchen Kummer, schreibt der Verein Mariaberg e.V..

Zum Orga-Team im inklusiven Jugendhaus Mariaberg gehören (von links) Patrick Strigel, Jessica Ritter, Henry Timme und Rony Huber sowie Vanessa Föll (nicht auf dem Foto). Foto: Mariaberg e.V.

Wie der 54-Jährige zu dem Ehrenamt kam? „Na, ganz einfach: mal so ins Jugendhaus gekommen, dann geblieben. Das ist inzwischen mein zweites Wohnzimmer.“ Für den Jugendbeauftragten Raimund Jäger ist er sowas wie dessen rechte Hand geworden: zuverlässig, pragmatisch und engagiert.

Für viele der jüngeren Besucher ist er eine feste Größe im Jugendhaus: „Die meisten fragen mich auch in Krisensituationen nach Rat, weil ich als Borderliner ganz gut verstehen kann, wie es ihnen geht und ein bisschen mehr Lebenserfahrung habe als sie.“

Zudem ist er Mitglied im Werkstattrat, „weil ich Mitspracherecht haben und mich für meine Mitklienten einsetzen will.“ Er und die anderen sechs Mitglieder des Werkstattrats vertreten die rund 200 Beschäftigten der Mariaberger Werkstätten und beraten sie bei ihren Anliegen: ob es um Arbeitszeiten, Urlaub oder Uneinigkeiten geht.

Das Ehrenamt von Henry Timme umfasst die Mitarbeit im Jugendhaus und im Mariaberger Werkstattrat. Dieser richtet unter anderem das Werkstattfest für die Beschäftigten aus, inklusive Dosenwerfstand mit Preisen, die Timme ausgibt. Foto: Mariaberg e.V.

Zuletzt hatte sich der Werkstattrat etwa für die Anschaffung eines Tischkickers im Pausenraum starkgemacht und auch das Werkstattfest gestalten die Räte mit. Hinzu kommen zwei Frauenbeauftragte und die Vertrauenspersonen des Gremiums, die bei Gesprächen mit dem Sozialdienst und der Geschäftsführung unterstützen.

Besonders das Thema Leistungs- und Steigerungslohn für Werkstattbeschäftigte ist Henry Timme ein wichtiges Anliegen. „Gleichberechtigung ist wichtig. Leute, die Leistung bringen, müssen auch fair dafür bezahlt werden.“

Patrick Strigel, der Mariaberger Jugendbeauftragte Raimund Jäger und Henry Timme (von links) beim diesjährigen Cityfest in Gammertingen. Foto: Vanessa Föll

Auch um Wertschätzung geht es ihm im Kern: für sich und die anderen Klienten. Aus seinem Ehrenamt im Jugendhaus schöpft er diese. „Nicht nur für mich ist das Jugendhaus der Ausgleich zur Arbeit“, sagt Timme.

„Hier können sich die Jugendlichen ohne viel Vorschriften ausleben. Hier haben alle Mitspracherecht, hier ist jeder willkommen.“ Nach allen Anstrengungen seines bisherigen Wegs kann er sagen: „Ich bin mit dem, was ich gerade tue, zufrieden.“