Über die Frage, ob sich das Ehrenamt heute noch lohnt, unterhielten sich im Uhrenindustriemuseum in Schwenningen (von links) Armin Schott, Cosima Tischler, Martina Baleva, Annemarie Conradt-Mach, Michael Kopp und Rainer Russ. Foto: Jochen Schwillo

Um das Ehrenamt drehte sich eine Diskussion zum Thema „Zeitgespräch – Arbeit ohne Lohn. Lohnt sich das heute noch?“ im Uhrenindustriemuseum in Schwenningen.

Um den Stellenwert des Ehrenamtes in der Gesellschaft ging es am Mittwoch bei einer Podiumsdiskussion im Schwenninger Uhrenindustriemuseum.

 

Mit dem Thema befassten sich Museumsleiterin Martina Baleva, Annemarie Conradt-Mach vom Schwenninger Heimatverein, Cosima Tischler, die bei der Stadt die Fachstelle Ehrenamt leitet, der Gemeinderat Armin Schott, auch beim Trägerverein Umweltzentrum aktiv, Michael Kopp, der einstige Vorsitzende des Förderkreises „Lebendiges Uhrenindustriemuseum“, und Rainer Russ, der aktuell den Förderverein leitet.

Anlass war die aktuelle Ausstellung „Ehrenmenschen“, die derzeit in den Museumsräumen an der Bürkstraße 39 gezeigt wird und auf eine gute Resonanz stößt.

Im Schwenninger Uhrenindustriemuseum hat das Ehrenamt schon immer einen hohen Stellenwert, wusste Martina Baleva. Schließlich wurde die Einrichtung in der ehemaligen Bürk-Uhrenfabrik seit ihrem Beginn im Jahr 1994 aus dem Geist des Ehrenamtes gegründet, stellte sie bei der Diskussion mit dem Titel „Zeitgespräch – Arbeit ohne Lohn. Lohnt sich das heute noch?“ fest. Während des Abends wurde klar, dass das Ehrenamt unverzichtbar bleibt, es aber auch tiefgreifenden, strukturellen und kulturellen Veränderungen unterliegt. Es wurde von den Teilnehmern festgestellt, dass das Ehrenamt eine tragende Säule der Gesellschaft ist.

Cosima Tischler, die vor wenigen Tagen erst den Tag des Ehrenamtes organisiert hatte, fand es großartig, den Ehrenamtlichen eine Plattform zu geben, die viel Herzblut und Zeit in den Museumsbetrieb stecken. Für sie ist das Uhrenindustriemuseum ein Ort, an dem schön gezeigt wird, wie Ehrenamt und Hauptamt miteinander gut und förderlich zusammenarbeiten. Da greift ein Zahnrad ins andere.

Flexible Möglichkeiten

Ihrer Meinung nach unterliege das Ehrenamt heute einem spannenden Wandel. Einerseits sei es nach wie vor eine wichtige und tragende Säule für die Gesellschaft. Andererseits unterliegt es auch neuen Herausforderungen. So merken viele Vereine, dass das klassische, ursprüngliche und traditionelle Ehrenamt eher zurückgeht. Dafür sind projektbezogene, flexible Engagementmöglichkeiten und digitale Formen oft auf dem Vormarsch.

Dass das Ehrenamt zu großen Teilen mit den Vereinen zu tun hat, bekräftigte Annemarie Conradt-Mach. „Wenn wir keine Vereine in Villingen-Schwenningen und auch in anderen Städten hätten, da wären wir wirklich arm dran“, brach die Vorsitzende des Heimatvereins eine Lanze für das Vereinswesen. Während es Vereine gibt, die neue Ideen bringen können, steht der Heimatverein mehr für Tradition, ist eher konservativ gestrickt und will Altes bewahren. „Viele Mitstreiter im Verein wollen nicht, dass Schwenningen irgendwann einmal aussieht wie Shanghai“, sagte sie zum Beweggrund der Mitglieder, sich ehrenamtlich zu engagieren.

Mit Spaß dabei

Ihrer Ansicht nach sucht der Einzelne Selbstverwirklichung, wenn er in einen Verein etwas macht, was mit seinen Interessen konform geht und ihm auch noch viel Freude macht. „Da gibt es Leute, die organisieren gern, oder es gibt super männliche Tänzer in der Trachtengruppe des Heimatvereins“, führte sie als Beispiel an.

Die Leute, die ehrenamtlich arbeiten, machen das wahrscheinlich nicht irgendwie strategisch geplant, sondern weil es ihnen einfach gefällt, stellte Michael Kopp fest. Ihm selbst habe es Spaß gemacht, sich seit Beginn im Uhrenindustriemuseum zu engagieren, obwohl anfangs die nötige Anerkennung von der Stadt und dem Gemeinderat fehlte, so der einstige Vorsitzende des Förderkreises.

Dienst an Mitmenschen und sozialer Zusammenhalt

Der aktuelle Vorsitzende Rainer Russ betonte, dass es schwierig sei, Leute zu finden, die im Vorstandsteam Verantwortung übernehmen. Mit Blick auf die vielen Vorschriften, wie ein Verein und die Kassen zu führen sind, finde man keine Leute mehr, die sich engagieren. Ein Beweggrund für ihn, im Ehrenamt zu arbeiten, ist der Dienst an den Mitmenschen und der soziale Zusammenhalt. Bestes Beispiels sind für ihn die Helfer in der Museumswerkstatt.

Armin Schott stellte fest, dass das Ehrenamt wichtig ist, auch bis zu einer bestimmten Ebene als Gemeinderat. „Wenn es das nicht gäbe in Baden-Württemberg, könnte man den Laden hier zumachen“, so der Grünen-Gemeinderat. Ehrenamt brauche man in den Züchtervereinen, den Fußballvereinen und in der Fastnacht auch. Früher habe er das immer belächelt. Mittlerweile sieht er darin aber auch einen Impuls. „Gerade jüngere Leute wollen eine andere Form der Beteiligung, aber da kann man dran arbeiten und ich finde das sehr hoffnungsvoll“, sagte er.

Zu den Zuhörern gehörte auch Rudolf Reim. Er erinnerte an seine Aktion „Ein Herz für VS“. Da komme er mit vielen Menschen zusammen, die unsichtbar ehrenamtlich tätig sind, so der Stadtführer. Für ihn ist Villingen-Schwenningen ein Hotspot des Ehrenamtes.