Die vor etwa 100 Jahren fotografierten Musiker des Veigelesclub Neuweiler könnten, nach alten Berichten beurteilt, eine Musikkapelle des Kriegervereins gewesen sein. Foto: Digitalarchiv Schabert

Vereine prägen das Leben in einer Gemeinde. Manche überdauern die Zeiten, andere verschwinden mit der Zeit wieder von der Bildfläche. So auch in Neuweiler.

Neuweiler - In Neuweiler gibt es eine Fülle an – wenn sie nicht von Corona ausgebremst werden – aktiven ehrenamtlichen Vereinigungen und Vereinen, die das Gemeindeleben entscheidend mitgestalten. Es bleibt zu hoffen, dass sie die Pandemie unbeschadet überstehen und – sei es auf sportlichem, kulturellen oder sozialem Feld – bald wieder ihren gesteckten Zielen nachgehen dürfen. Aber es gibt auch alte und jüngere Zusammenschlüsse, die Vergangenheit sind.

Erstes Bolzplatzfest

So wurde 1983 der Tauchsportclub Neuweiler gegründet, der 1985 das erste Hof­stetter Bolzplatzfest organisierte und andere gesellige Veranstaltungen durchführte. Ein großer Teil der Mitglieder kam aus Hofstett. Es gibt dort zwar keinen See, aber die Mobilität erlaubte den Vereinszweck, das Tauchen als Volks- und Freizeitsport zu fördern. Bis 1996 bestand das Angebot einer Ausbildung in Praxis und Theorie zum Flossenschwimmen, Schnorcheln und Gerätetauchen. Dann beschloss der Club seine Auflösung und ging im übertragenen Sinn dauerhaft auf Tauchstation.

Vor allem nach dem Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 und den folgenden Jahrzehnten entstanden viele Kriegervereine. Triebfedern für deren Gründung waren Patriotismus und Veteranengeist auf der einen Seite. Aber sie sorgten auch als soziale Institutionen für Alterszuwendung gegenüber ihren Mitgliedern und Unterstützung Hinterbliebener. Die Mitwirkung bei weltlichen wie kirchlichen Festlichkeiten gehörte ebenfalls zum Vereinsleben. Um 1900 gab es in Deutschland 22 000 Kriegervereine, die bis zum und im Ersten Weltkrieg weiter anwuchsen und teils auch politisch wirkten. In der NS-Zeit wurden sie zwangsweise gleichgeschaltet. Dies führte dazu, dass sie 1945 mit dem Kontrollratsgesetz Nr. 2 Auflösung und Liquidierung der Naziorganisationen ihr Ende fanden.

Zwei Fotos existieren noch

Dies oder auch das Fehlen gefallener Musiker, könnte zum Untergang der Musikkapelle Veigelesclub Neuweiler geführt haben. Denn alte Berichte geben Hinweise, dass diese eine Abteilung des Krieger- & Militärvereins Neuweiler und Hofstett gewesen sein könnte, der 1928 sein 25. Bestehen feierte. Von der Kapelle existieren zwei Fotos, die vor etwa 90 und 100 Jahren entstanden sind. Bekannt ist nur noch einigen Älteren, dass die Musiker "irgendwie auf soziale Zwecke ausgerichtet" waren, was ja passen würde.

Dass alle Tenöre und weitere Sänger im Zweiten Weltkrieg fielen, führte in Zwerenberg zur Auflösung des 1896 gegründeten Männergesangvereins (MGV). Die verbliebenen Sangesfreunde taten sich mit dem gemischten Chor zusammen, der in den Kirchenchor mündete.

Seit 1989 ruht der 1880 gegründete und 1974 letztmals aufgetretene MGV Liederkranz Breitenberg. Er war Patenverein des im Jahr 1953 ins Leben gerufenen MGV Frohsinn Neuweiler. Dass dieser einen Vorgänger hatte, über den nur noch wenig bekannt ist, belegt ein Foto aus dem Jahr 1903. Dieses hängt im Heimatmuseum, und die Vor- und bis heute im Ort geläufigen Nachnamen der Abgebildeten sind auf der Rückseite an den Bilderrahmen geheftet. In der Ausstellung ist auch eine Fahne des Radfahrvereins Einigkeit Neuweiler zu finden. Zahlreiche Festbänder lassen erkennen, dass er Mitte der 1920er-Jahre – wie die vielen damals existierenden Vereine seiner Art – seinen Höhepunkt hatte.

Einst Hunderte Besucher

Die Förderung von Kunst und Kultur sowie das Angebot von besonderen Musikveranstaltungen hatte sich die der sozio-kulturellen Szene zuzurechnende Neuweiler Vereinigung "Musik im Wald" aufs Panier geschrieben. Zeitweise lockten die Konzerte mit überregional namhaften Künstlern sowie Theaterangebote Hunderte Besucher aus weiter Umgebung. Viele bedauerten es 2004, als der Verein – der im März 2021 35 Jahre alt geworden wäre – mangels ausreichender Helfer in seinen Reihen die Tätigkeit mit einem Konzert des Karlsruher A-capella-Chors "Kabinett" und "Grachmusikoff" einstellte. Die Waldschulhalle war wohl nie voller, als im Februar 1989, wo sich beim von dem Verein organisierten Auftritt von Wolle Kriwanek (1949 bis 2003) über 600 Zuhörer drängten.

Eher genossenschaftliche Züge hat der Viehverein Oberkollwangen als ältester nachgewiesener Verein im Gemeindegebiet Neuweiler: Nach einem Protokoll von 1827 diente er damals schon "vor mehreren Jahren" den Mitgliedern und bezahlte bis zur Auflösung 1987 dem Bauern, dem ein Tier durch Krankheit verendete, eine Entschädigung. Von 1952 bis 1995 bestand ein Bullenhaltungsverein Gaugenwald und Umgebung, der für seine Mitglieder einen hochwertigen Bullen für die Rinderzucht hielt.

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