Der Förderkreis „Museum in der Alten Schule“ hat wechselvolle Zeiten erlebt. In den 90er Jahren oder um 2011/12 lockten die Sonderausstellungen teils um die 3000 Besucher pro Jahr ins Dachgeschoss der Alten Schule in Efringen-Kirchen. Es gab aber auch Zeiten, in denen es mit dem abnehmenden Rückhalt der Gemeindeverwaltung ruhiger wurde bis hin zum endgültigen Aus des Museums mit Beschluss des Gemeinderats im Januar 2026.
Nun steht der Verein vor dem Aus, weil es nun kein Museum mehr gibt und weil er überaltert sei, wie Ehrenvorsitzende Helga Meier im Gespräch mit unserer Zeitung erklärte. Die Mehrheit der Mitglieder sei über 70 Jahre alt. Zudem fände sich niemand mehr für die Vorstandsämter. So auch für den Vorsitz, den Helga Meier nach 17 Jahren im März 2025 abgegeben hatte.
Gegründet wurde der Förderkreis im Oktober 1990, nachdem das Museum Alte Schule einen Monat zuvor eingeweiht worden war. Der Verein wollte die Einrichtung bei Anschaffungen unterstützen. Das Museum eröffnete dann im Mai 1993.
Nach dem Museum in der Alten Schule könnte bei der Mitgliederversammlung am 8. April auch die Geschichte des Fördervereins enden, in der „tausende und abertausende ehrenamtliche Arbeitsstunden und so viel Leidenschaft stecken“, wie Michael Schweitzer, das jüngste Mitglied des Förderkreises, im Gespräch mit unserer Zeitung erklärt. Doch auch er könne zwischen Arbeit, Familie und seinem musikalischen Hobby kein Vorstandsamt übernehmen.
Nicht viel Überredungskunst nötig
Zweiter Vorsitzender Joachim Gröbke habe vor etwa zehn Jahren nicht viel Überredungskunst gebraucht, um den heute 42-jährigen Schweitzer als Mitglied zu gewinnen. Reiner Zufall war die Begegnung für Schweitzer nicht, denn Museen und historische Orte sind Anziehungspunkte für ihn. Schweitzer stammt aus Weil am Rhein und lebt seit rund neun Jahren mit Frau und Kindern in Efringen-Kirchen.
Und wenn er an einem Ort wohnt, will er etwas darüber erfahren – über Identität und Entstehungsgeschichte. Deshalb ist es für ihn unbegreiflich, dass es in Efringen-Kirchen ein Museum als Gedächtnis der Gemeinde nicht mehr gibt. Dass sich der Förderkreis Museum auflösen könnte, schmerzt den Liebhaber der Orts- und Regionalgeschichte.
Neben seiner Arbeit für das Museum hat der Förderkreis ebenso dafür gesorgt, dass das steinzeitliche Jaspisbergwerk von Kleinkems zu einer Besucherattraktion wurde. Am Tag des Geotops im September werden jährlich Führungen angeboten, die zuletzt Michael Schweitzer übernahm und die Besucher aus der gesamten Region und darüber hinaus anlockt. Seit 2019 hat der Verein die Patenschaft für das Bergwerk, um dessen Pflege und Erhalt zu sichern. „Das Jaspisbergwerk ist bei Michael Schweitzer in guten Händen“, hatte Meier bei ihrem Abschied als Vorsitzende gesagt.
„Das ist ein Kulturdenkmal, es ist wichtig, das zu erhalten“, sagt Schweitzer über das, was ihm am Herzen liegt. Doch es sei unabdingbar, dass sich jemand darum kümmere. Schweitzer hofft, dass Gröbke und er „Mittel und Wege finden, um es weiter zu pflegen, sollte sich der Museumskreis auflösen.“
Das Bergwerk in Kleinkems sei der erste Nachweis von fachmännischem Bergbau in Deutschland. Holzkohle-Brösel zeigten, dass zwischen 4250 und 4050 vor Christi an der Kleinkemser Felswand Leute gearbeitet haben.
Schon als Kind war Michael Schweitzer von Geschichte fasziniert. Sein Großvater habe ihn auf verschiedene Schlösser und Burgen mitgenommen und ihm „Die gesammelten Werke von Felix Dahn“ geschenkt.
Das bekannteste Werk sei „Ein Kampf um Rom“, das für Schweitzer den Beginn seiner Leidenschaft markiert: „Das habe ich gelesen und wollte historisch mehr darüber wissen.“ Das sei bis heute seine Triebfeder. Geschichtlich interessiert ihn „alles, was er in die Finger kriegt“. Sein Hauptinteresse gilt der mitteleuropäischen Geschichte von der Antike bis heute.
„Wer als Weiler aufwächst, kennt das Schloss Ötlikon“
Den Geschichtsunterricht in der Schule habe er aber langweilig gefunden. „Die regionalen Bezüge haben mir gefehlt.“ Und davon gebe es in der Region reichlich: „Wer als Weiler aufwächst, kennt das Schloss Ötlikon oder das Läublinschloss“, erklärt Schweitzer.
Schon als Kind habe das Denkmal des Badischen Landwehrregiments auf dem Tüllinger, das an die Gefallenen der 8. Badischen Landwehrdivision im Ersten Weltkrieg erinnert, seine Fantasie beflügelt und sein Interesse geweckt.
Historisches mit Thrash Metal vereint
„Als ich jung war, gab es noch kein Internet“, sagt er. Deshalb kaufte er sich Bücher oder bekam welche geschenkt und hatte schon als Teenager eine kleine historische Bibliothek beisammen. Zudem war es ihm als Jugendlicher in den 1990er Jahren wichtig, zum Thema Zweiter Weltkrieg und Drittes Reich mit Zeitzeugen zu reden.
Seine Liebe zur Historie hat sogar seine Leidenschaft zum Thrash Metal beeinflusst. Im Jahr 2006 hatte er die Band „Pessimist“ gegründet, die sich im Mai 2025 mit einem Konzert in Freiburg verabschiedet hatte. Im Jahr 2022 rief Schweitzer die Gruppe „Muggeseggel“ ins Leben, die eine Mischung aus Metal und Grindcore spielt und mit der er die Mundart pflegen will.
Förderkreis „Museum in der Alten Schule“
Die außerordentliche Mitgliederversammlung
findet am Mittwoch, 8. April, 19 Uhr, im Vereinsraum in der Alten Schule in Efringen-Kirchen statt.