Stephan Braun ist sehr aktiv in der Kultur-Initiative Dürrenmettstetten. Aber auch darüber hinaus hat der Journalist und ehemalige SPD-Abgeordnete viel zu erzählen.
„Ich habe von Comics nicht viel Ahnung, aber es ist einfach toll, was Horst Berner alles weiß“, kommt Stephan Braun geradezu ins Schwärmen. Berner gilt als einer der größten Asterix-Spezialisten und hat als Redakteur Asterix auf Schwäbisch bearbeitet.
Auf Betreiben von Braun und der Kultur-Initiative Mettstett war der Experte in Dürrenmettstetten bei der „Weinlese“ und sprach über die Abenteuer des kleinen Galliers – und am Samstag ein zweites Mal über den legendären Cowboy Lucky Luke.
Bücher, Wein, Musik
„Als wir herzogen, fragte uns Ortsvorsteher Siegfried Dölker, ob wir nicht was mit Kultur machen wollen“, erinnert sich Braun. Schnell war der Gedanke der „Weinlese“ geboren – eine literarische Lesung mit einem schmackhaften Tropfen Wein. „Mittlerweile kommen die Leute schon aus Böblingen hierher“, sagt er stolz.
„Wir fühlen uns sauwohl hier“, blickt Braun zurück. Da er so offen und herzlich aufgenommen worden sei, wolle er auch etwas in Form von ehrenamtlichem Engagement zurückgeben. 2026 soll das Lese-Format sogar um zwei Konzerte erweitert werden.
Familie droht Abschiebung
Doch bis dahin war es ein weiter Weg für den 66-Jährigen. Denn erstmals hieß es für den in München geborenen Pfarrerssohn, regelmäßig durch den gesamten Freistaat zu ziehen. Es folgten Studium und Zivildienst, bis er in Baden-Württemberg „hängenblieb“.
Dort kam es zur freien Mitarbeit beim Schwäbischen Tagblatt in Tübingen und einem Volontariat. Sein bester Text? „Da ging es um eine libanesische Familie aus Sindelfingen, die von der Abschiebung bedroht war“, sagt er.
Einsatz für Entrechtete
Als Kirchenjournalist arbeitete Braun bei der Pressestelle der Evangelischen Landeskirche in Württemberg und saß für die SPD 15 Jahre lang im Landtag. „Politik hat für mich etwas mit der gerechten, zukunftsfähigen Zusammenarbeit der Menschen zu tun“, erläutert er.
Deshalb sei alles, was man tue, politisch. „Ich kann kein unpolitischer Christ sein“, hält Braun fest. Denn mit seiner Botschaft habe sich Jesus besonders für die Entrechteten eingesetzt. Christen glaubten, dass Gott die Menschen liebt und jedem Einzelnen seinen eigenen Wert und seine eigene Würde zuspricht. Politisch übersetzt bedeute dies: „Die Würde des Menschen ist unantastbar.“
Gefahr der Meinungsblasen
Wie sieht er die aktuelle Lage des Journalismus? „Die Menschen werden mit Inhalten überflutet, bei denen sie nicht mehr prüfen können ‚Ist das wahr?‘“, gibt er gerade auch mit Blick auf die USA und die Verbreitung zahlreicher Fake-Nachrichten zu bedenken.
„Hier kann man die Arbeit des Qualitätsjournalismus gar nicht überschätzen“, findet er. Denn wenn Menschen in Meinungsblasen abtauchten, könne es leicht sein, dass sie sich auch aus der Gesellschaft verabschiedeten.
Kulturprogramm 2026
Lobende Worte findet Braun für journalistische Netzwerke, die sich globaler Missstände, wie etwa dem Panama-Paper-Skandal annehmen. „Eine einzelne Redaktion hätte diese Aufarbeitung gar nicht schaffen können.“ Sorge bereite ihm hingegen die allgemeine Entwicklung in der Medienlandschaft.
Die publizistische Vielfalt will er in Dürrenmettstetten jedoch nach Kräften hochhalten. So wird es am 7. Februar eine „Bierlese“ samt Bierkrimi, am 20. März eine „Weinlese“ mit einem echten Winzer und im Mai eine Aufführung von „Das kalte Herz“ durch die Theatergruppe der Spielvereinigung Dürrenmettstetten geben.