Eine Themenwoche unter Motto „Leben und Tod“ läuft. Der erste Abend geht näher auf das Thema Sterbebegleitung ein.
Mit einem Infoabend zur Ausbildung für ehrenamtlich Engagierte in der Sterbebegleitung startete die „Themenwoche zu Leben und Tod“ in überschaubarer Teilnehmerrunde im St. Mariensaal in Donaueschingen. Sterben gehört zum Leben. Die Hospizbewegung Ambulant Schwarzwald-Baar hat es sich zur Aufgabe gemacht, Schwerkranke, Sterbende und ihre Angehörigen in dieser schweren Lebensphase zu begleiten, zu unterstützen, zu entlasten und zu beraten. Aktuell stehen dafür zwei hauptamtliche Mitarbeiterinnen und 69 Ehrenamtliche zur Verfügung.
80 Prozent der Menschen möchten zu Hause sterben. Die Ehrenamtlichen der Hospizbewegung bieten Sterbebegleitung zu Hause, im Pflegeheim, in Kliniken und auf der Palliativstation an. Das Angebot ist kostenfrei und unabhängig von Nationalität, Religion oder sozialen Bedingungen. Im Mariensaal berichteten vier Frauen und Männer, die seit geraumer Zeit Sterbende ganz praktisch begleiten, von ihren Erfahrungen, wie sie bei der Hospizbewegung für diese Aufgabe ausgebildet wurden und was das auch für ihr persönliches Leben bedeutet.
„Für mich hat der Tod keine Schrecken mehr!“
Die Bäuerin und gelernte Floristin Monika Moosmann hat in der letzten Lebenswoche ihrer Mutter den Hospizdienst zu Hilfe geholt und sich nach dieser Erfahrung für eine Ausbildung zur Hospizbegleiterin entschlossen. In der Kursgruppe habe sie den Tod als Teil des Lebens erfahren: „Für mich hat er keine Schrecken mehr.“
Angelika Rapp arbeitet seit 2016 als Hospizbegleiterin. Als Kindergartenleiterin hat sie Mädchen und Jungen betreut, die den Tod von Großeltern, Vater oder Mutter erlebten. Heute begleitet sie Menschen im Altenheim. Aber auch dort sei der Tod für viele kein Thema. Vielmehr möchte man erzählen, singen, zuhören oder einfach die Hand gehalten haben. Dabei werde auch Wut und Enttäuschung geäußert: Warum besucht mich niemand? Was habe ich versäumt in meinem Leben?
Rituale sind wichtig
Für Angelika Rapp sind in dieser Situation Rituale wichtig: zur Ruhe kommen, das Anzünden einer Kerze, bewusst zuhören, in den Arm nehmen, Gedenken an Angehörige und Freunde oder auch das Schreiben einer Trauerkarte für die Angehörigen. „Schade, dass wir oft erst kurz vor dem Sterben gerufen werden“, sagt sie.
Dieter Preiß bedauert, dass so viel Unkenntnis über das Sterben herrscht und über die Faktoren, die den Sterbeprozess bestimmen. So sei es für Hospizbegleiter wichtig, informiert zu sein über den Zustand und die Medikation des Sterbenden, über sein Verhältnis zu Angehörigen und Freunden, ob es noch „offene Rechnungen“ gibt oder Schuldgefühle sowie seine spirituelle Situation. Nach seiner Erfahrung können aber auch das Umfeld, Klinik, Zuhause oder Pflegeheim, den Verlauf des Sterbeprozesses beeinflussen.
„Trauer ist Trauerarbeit, ein Sturz aus Schmerz und Erinnerung“, sagt Bernhard Weisshaar und erinnert an das Fünf-Phasen-Modell von Elisabeth Kübler-Ross: die Situation nicht wahrhaben wollen; Zorn und hadern mit Gott; verhandeln mit Gott (wenn, dann gelobe ich); die depressive Phase und schließlich die Akzeptanz, vergeben und in Frieden zur Ruhe kommen. Wichtig sei, in dieser Phase auch bei der Regelung der letzten Dinge, wie etwa Testament, Bestattungsform und Ähnliches, beratend und helfend zur Seite zu stehen.
Kurs bereitet Ehrenamtliche vor
Am meisten wünschen sich viele Menschen, so Weisshaar, fünf Dinge: den Mut, das eigene Leben zu leben, nicht so viel gearbeitet zu haben, den Mut, Gefühle auszudrücken, mehr Kontakt zu Freunden und Familie und glücklicher zu sein.
Für Besucher hat der Themenabend auf jeden Fall Mut gemacht, sich mit dem eigenen Sterben auseinanderzusetzen und vielleicht auch eine Ausbildung zur ehrenamtlichen Sterbebegleitung zu machen. Dazu bietet die Hospizbewegung Ambulant einen Ausbildungskurs an, in dem mit neun Abendveranstaltungen, zwei Tages-, einem Wochenendseminar und 40 Praxisstunden das notwendige Wissen und praktische Kompetenz für den Einsatz in der Sterbebegleitung vermittelt wird. Überdies wird regelmäßig zum Erfahrungsaustausch und aktuellen Informationen eingeladen.
Hilfsangebote
Weitere Informationen
über die Hilfeangebote der Hospizarbeit Ambulant Schwarzwald-Baar sowie über die Möglichkeiten, sich ehrenamtlich in der Sterbebegleitung zu engagieren, gibt es von Montag bis Freitag von 10 bis 14 Uhr unter der Telefonnummer 07721/40 87 35 und der E-Mail-Adresse info@hospiz-sbk-ambulant.de.