Der 5. Dezember ist der internationale Tag des Ehrenamts. Bestes Beispiel, was freiwillig Engagierte alles schaffen können, ist das Café Alte Feuerwehr in Stammheim.
Im Café Alte Feuerwehr in Stammheim stehen Ehrenamtliche hinter der Theke, in der Küche oder servieren den Gästen Speisen und Getränke. Eröffnet im Sommer 2023, ist das Stammheimer Café ein Erfolgsbeispiel, das zeigt, was ehrenamtliches Engagement bewirken kann.
Das von Stefanie Hettich währt bereits seit rund zehn Jahren. Sie ist die Initiatorin des Projekts und Mitglied im Vorstand des Trägervereins „Alte Feuerwehr – Begegnung.Kaffee.Kultur“.
Ziel: ein Ort der Begegnung und Inklusion
Hettich lebt mit ihrer Familien in Stammheim und hat eine Tochter mit Down-Syndrom. Schon früh habe sie sich deshalb gedacht: „Ich möchte einen Begegnungsraum schafften“ – einen, in dem sich Menschen mit und ohne Behinderung begegnen können, um Befürchtungen und Berührungsängste abzubauen. Es sei ihr wichtig, dass auch Menschen mit Behinderung im Ort integriert sind. Als Sonderpädagogin wäre ihr aber im Traum nicht eingefallen, dass sie so etwas wie ein Café als Treffpunkt schaffen könnte, erzählt die 44-Jährige. Doch: „Wenn man zusammen ein Ziel hat, kann man es schaffen.“
Sieben Jahre Vorlauf waren nötig, bis das Café im früheren Feuerwehrgerätehaus konnte. Etwa zehn Personen bildeten anfangs den „harten Kern“ und trieben die Idee voran. Zunächst ging es vor allem um die Finanzierung und die Suche nach passenden Räumen. Immer lebte das Projekt vom ehrenamtlichen Engagement.
Dieser „harte Kern“ lud mehrfach zu Infoveranstaltungen ein. „Es war ganz spannende: Wer bleibt dabei?“, fragte sich Hettich damals. Jahre später kann sie sagen: viele. Und nicht nur das. Es stoßen immer wieder neue Freiwillige dazu, „oft von selber.“ Viele von ihnen sind frisch im Ruhestand und bringen sich nun im Café Alte Feuerwehr ein.
Inzwischen hat der Trägerverein etwa 300 Mitglieder. Um die 80 arbeiten regelmäßig im Café mit. „Die brauchen wir auch“, meint Stefanie Hettich. Die Aufgaben sind vielfältig: Morgens wird Frühstück angeboten und muss gerichtet werden, nebenher backen die Ehrenamtlichen den Kuchen fürs Café. Zur Mittagessenszeit gibt es dann Flammenkuchen und verschiedene Suppen im Winter oder Salate im Sommer. Es gibt Engagierte, die kulturelle Veranstaltungen im Café organisieren, die für die Deko zuständig sind, Cocktails mixen, servieren, sich um die Finanzen kümmern oder Fördermittel beantragen.
„Unheimlich viel Wertschätzung“
„Jeder darf einfach mit seinen Fähigkeiten kommen und sich einbringen. So entstehen immer wieder neue Angebote, etwa Spieleabende und ein Fahrradtreff. Als Zeichen der Wertschätzung und zur Pflege der guten Gemeinschaft finden Mitarbeiterfeste für die Engagierten statt.
Darüber hinaus gibt es inzwischen fünf angestellte, also bezahlte Mitarbeiter im Café: eine Cafémanagerin und deren Stellvertreterin, dazu Bettina Mack und Anna Hauser – zwei Frauen mit Down-Syndrom, die im Café arbeiten – und eine Putzkraft. Denn manches Mal, da kommt das Ehrenamt doch an seine Grenzen.
An Sonntagen ist das genauso. „Man hat schnell gemerkt: Sonntags haben wir einen Riesenzulauf“, erzählt Hettich. Trotzdem ist die „Alte Feuerwehr“ nur alle zwei Wochen, 14 bis 17 Uhr, geöffnet. Auch die Ehrenamtlichen haben mal Wochenende.
Für ihren Einsatz erfahren Stefanie Hettich und die anderen Helfer „unheimlich viel Wertschätzung“, erzählt sie. Dafür, dass sie mitten in Stammheim einen Ort der Begegnung und der gelebten Inklusion geschaffen haben. Das lasse sie spüren, dass sie wirklich etwas Sinnvolles für die Gemeinschaft leiste. „Da kommt immer ein direktes Feedback“, erzählt Hettich. „Das ist total schön.“
Weitere Infos zu den Öffnungszeiten, zu Veranstaltungen und mehr finden sich unter www.alte-feuerwehr-stammheim.de.
Freiwilliges Engagement ist „Motor der Demokratie“
Der 5. Dezember
ist der internationale Tag des Ehrenamts: Eingeführt von den Vereinten Nationen, wird er seit 1986 begangen. Das Bundesinnenministerium bezeichnet das Ehrenamt als „Motor der Demokratie“. Tatsächlich wäre vieles ohne freiwilliges Engagement nicht möglich. In Baden-Württemberg beispielsweise der Bevölkerungsschutz: So sagte Landesinnenminister Thomas Strobl (CDU) anlässlich des Ehrenamtstags 2020 beispielsweise, dass von rund 112 000 aktiven Feuerwehrangehörigen im Südwesten 110 000 ehrenamtlich tätig sind.