Bernd Brandl (links) und Martin Schleeh (Dritter von rechts) bekamen von Ministerin Nicole Razavi (Dritte von links) für ihr ehrenamtliches Engagement die Landesehrennadel überreicht. Foto: Felix Biermayer

Beim Neujahrsempfang der Gemeinde Schömberg im Kurhaus hat es zwei Auszeichnungen für besonderes gesellschaftliches Engagement gegeben. Bernd Brandl und Martin Schleeh haben sich für die Gemeinde und darüber hinaus eingesetzt.

Bürgermeister Matthias Leyn betont stets, wie wichtig ehrenamtliches Engagement für die Gesellschaft ist. Auf dem Neujahrsempfang wurden nun zwei Schömberger für ihren Einsatz mit der Landesehrennadel ausgezeichnet. Für beide war es eine Überraschung. Sie wussten nichts von der Ehrung, bis Leyn sie auf die Bühne bat.

 

Das Herz der Kirchengemeinde

Zum einen war das Bernd Brandl. Er kam vor knapp 20 Jahren nach Schömberg und engagiert sich seither in der evangelischen Kirchengemeinde. 2005 übernahm er die Verantwortung für die gesamte Kirchengemeinde in einer schwierigen Lage. Denn fast der gesamte Kirchengemeinderat war damals zurückgetreten. Diese Verantwortung trug er zwei Jahre, bis er schließlich selbst dem neugewählten Gremium angehörte und vorstand.

Ab 2009 bewältigte er in dieser Funktion wieder eine Herausforderung. Denn die Pfarrstelle konnte nicht besetzt werden. Mit Pfarrer Johannes Luithle leistete er ab 2010 dann Versöhnungsarbeit unter den zurückgetretenen Kirchengemeinderäten. Als Luithle Ende 2018 ging, musste Brandl abermals kurzzeitig die Leitung der Gemeinde übernehmen. Auch Predigten und Ansprachen übernahm er. Brandl engagiert sich bis heute in den Gottesdiensten.

Er ist zudem Professor der Kirchengeschichte. Er leistete die gesamte Forschungsarbeit, die anlässlich des 175. Jubiläums der Schömberger Kirche in eine Festschrift mündete. Er forschte auch zu den Vorgängergebäuden, dem Altarfresko oder dem aus dem 16. Jahrhundert stammenden Kruzifix. Aktuell beschäftigt er sich mit einem aus dem 17. Jahrhundert in der Kirche gelagerten Pestsarg.

Brandl hat sich auch mit dem Nationalsozialismus in Schömberg auseinandergesetzt. Dadurch gelang es ihm sogar einen Nachfahren einer vertriebenen jüdischen Familie in Frankreich ausfindig zu machen und nach Schömberg einzuladen. Es fand ein Gesprächsabend statt. „Alleine das Engagement, das diesen Abend ermöglichte, gebührt schon einer Auszeichnung“, meinte Pfarrer Jonathan Schneider. Überreicht wurde Brandl die Landesehrennadel von Ministerin Nicole Razavi.

Selbstloser Einsatz

Auch Martin Schleeh wurde geehrt. Nach der Flutkatastrophe im Ahrtal machte er sich spontan auf den Weg, um vor Ort zu helfen. Er ist dort bis heute als Helfer aktiv und opfert dafür so manches Wochenende oder den Jahresurlaub. „Und das in aller Bescheidenheit, ohne öffentlichkeitswirksame Darstellung“, lobte Leyn.

Schleeh ist aber auch in Schömberg kein Unbekannter. Seit 1988, während seiner Ausbildung als Bäcker, engagiert er sich für das Langenbrander Backhaus. 2009 ist daraus ein Verein entstanden. Jüngst hat er im Backhaus sogar einen neuen Holzofen eingebaut. Bei den regelmäßigen Backtagen bäckt er Hunderte Brote. Einige davon nahm er auch immer wieder mit ins Ahrtal, um sie dort zu verteilen, wie Leyn erzählte.

Auch ein Buch mit Rezepten und Historischem zu Backhäusern hat er veröffentlicht. „Ein wertvoller Beitrag zur Heimatgeschichte“, so Leyn. Den Backhausverein kennen die Menschen von vielen Veranstaltungen, Zwiebelkuchen und Hefezöpfe inklusive. Die eigenen Backtage geraten oft zu einer kleinen Hocketse.

Dazu ist Schleeh noch im Volkssportverein tätig. Dort kümmerte er sich um den Erhalt der Wanderwege, wie den Heidelbeerweg. 2017 wurde er mit zwei Mitstreitern Vorsitzender des Vereins und bewahrte diesen so vor der Auflösung. In dieser Funktion organisiert er Wandertage für mehrere Hundert Teilnehmer. Schleeh pflege die Wandertradition, das soziale Miteinander und den Respekt vor der Natur, so Leyn.

Auch Schleeh bekam die Landesehrennadel von Ministerin Razavi überreicht. Dazu gab es für beide stehenden Applaus vom Publikum. Razavi lobte des herausragende Engagement von Schleeh und Brandl. Und sie drückte die Hoffnung aus, das beide so weiter machen wie bisher.

Die Ehrennadel ist eine der höchsten Auszeichnungen des Landes für Engagement im Ehrenamt. Die Geehrten müssen dafür vorgeschlagen werden. Etwa 400 mal wird diese Auszeichnung pro Jahr vergeben.