Optimismus hoch zwei: Fabio und Wolfgang Schmitz gehen ihr Vorhaben in Unterkirnach mit Vorfreude und Tatendrang an. Dabei spielt Feuer eine gewisse Rolle, eine gewachsene und erfolgreiche Geschäftsidee – und der große Wunsch nach Vernetzung. Foto: Daniela Schneider

Wer und was verbirgt sich hinter dem Namen? Das Unternehmen hat das Wahl-Areal übernommen und entpuppt sich als Zwei-Mann-Betrieb mit „heißen“ Ambitionen.

Das Wahl-Areal in Unterkirnach ist also verkauft. Die neuen Eigentümer sind Wolfgang und Fabio Schmitz aus Trossingen, Vater und Sohn, Markengründer und Unternehmer und neuerdings also auch Investoren.

 

Die beiden Männer haben dem Unternehmen Wahl, das Unterkirnach 2022 verlassen hat, seine bisherigen Liegenschaften Roggenbachweg 9 und Villinger Straße 12 bis 14 abgekauft. Der Gebäudekomplex, der über Jahrzehnte gewachsen und immer wieder ergänzt worden ist, umfasst Werkhallen, aber auch Büros, Sozialräume und mehr.

Aber wer sind die beiden denn nun eigentlich und was haben sie hier vor? Die Antwort geben sie selbst bereitwillig – und dabei wird schnell klar: Diese Männer wollen kommunizieren und sind interessiert daran, dass man in Unterkirnach und darüber hinaus weiß, was sie mit ihrem „Sogambo-Gewerbepark“ auf die Beine stellen wollen.

Beim Grillen fing alles an

Sogambo? Wer oder was das ist? Erst mal ein Markenname. Und den hat Wolfgang Schmitz selbst ersonnen. Der heute 69-Jährige, früher Mitarbeiter der Trossinger Firma Hohner, kam – natürlich beim Grillen – auf die Idee, hochwertige Keramikgrills aus China zu vertreiben. Ein Kollege hatte nämlich einen solchen im Garten stehen, das darauf gegrillte Fleisch war butterzart – und damit war die Idee geboren, dass das auch anderen potenziellen Kunden schmecken könnte.

Ein Fantasiename

Zehn Jahre ist das jetzt her, dazwischen liegen die Gründung der Marke Sogambo („Der Fantasiename hat uns einfach gefallen“, sagt Wolfgang Schmitz, er wecke Assoziationen – brutzelndes Grillgut, glühende Holzkohle –, sei gut auszusprechen und ein Alleinstellungsmerkmal) und der Beginn des Vertriebs der Grills, ausschließlich über den eigenen Online-Shop. „Man muss auch mal was riskieren“, sagt der Gründer in der Rückschau – und es ist keine Frage, dass er das nun durchaus auch auf das aktuelle Vorhaben in Unterkirnach bezieht.

Mit Keramikgrills wie diesem handelt das Unternehmen Sogambo – und nun gewissermaßen auch mit Mietflächen in dem Gebäudekomplex. Foto: Daniela Schneider

Hersteller der Grills ist das Unternehmen TOPQ aus der Hafenstadt Fuzhou an Chinas Südostküste. Seit 2021 wurde die Kooperation richtig eng, wie Wolfgang Schmitz erzählt. Etliche Male waren er und sein Sohn Fabio schon dort, und vor wenigen Tagen war der Firmengründer aus Asien auch hier zu Gast, um sich die neuen Räume anzuschauen. „Es hat sich gut entwickelt“, sagt Wolfgang Schmitz lächelnd, und sein Sohn Fabio tut es ihm gleich.

Letzterer ist gelernter Industriemechaniker, hat zuletzt länger in Schottland gelebt und sich dann entschlossen, in den Betrieb seines Vaters einzusteigen.

Er ist Geschäftsführer der Firma. Sein Vater, so sagt er es selbst, hält sich eher im Hintergrund, arbeitet aber aktiv mit.

Bislang werden die Sogambo-Grills, die TOPQ exklusiv für diese Firma produziert, in angemieteten Räumen in Aldingen gelagert – immer wichtiger, in Zeiten, in denen Transportwege und -kosten unsicher sind. Sogambo fährt die Strategie einer möglichst umfassenden Lagerhaltung, zu der auch Ersatzteile gehören, um den vollen und schnellen Kundenservice bieten zu können. Und es kristallisierte sich heraus: Man brauchte Platz, am besten eigenen, und vor allem: genügend.

„Vor gut einem Jahr“, erzählen die Unternehmer, seien sie dann über ein Inserat in einem Immobilienportal auf das Gebäude im Roggenbachweg aus den 1960er-Jahren aufmerksam geworden. Nach einer ersten Besichtigung in den erstaunlich gut erhaltenen Räumlichkeiten wussten sie: Das kann passen.

Plötzlich neue Dimensionen

Dann allerdings änderten sich die Umstände: Plötzlich war klar, dass das Anwesen nur als Einheit zu haben war, also inklusive der Gebäude an der Villinger Straße. Vater und Sohn machen keinen Hehl daraus, dass sie angesichts dieser Dimensionen erst einmal schwer schluckten („Das war natürlich ein sehr großer Schritt für uns“).

Zeugnis der Vergangenheit: Selbst Überbleibsel der früheren Firma Moser finden sich noch in dem Gebäude. Die Firma Kuno Moser GmbH wurde 1946 in Unterkirnach gegründet. 1996 wurde das zwischenzeitlich in Moser Elektrogeräte GmbH umfirmierte Unternehmen von der amerikanischen Wahl Clipper Corporation übernommen. 2002 firmierte die Gesellschaft schließlich in Wahl GmbH um. Foto: Daniela Schneider

Nachdem die Finanzierung dank eines fundierten Businessplans, der auch einen Gewerbepark mit zu vermietenden Flächen einschloss, dann aber geklärt war, wurde Mitte April der Kaufvertrag unterschrieben und Ende April der Komplex übergeben. Über 16.000 Quadratmeter Grundfläche sind es, davon rund 9000 Quadratmeter Nutzfläche, von denen Sogambo selbst derzeit etwa 1400 für die Eigennutzung – Lager, zwei Büros und ein Showroom – vorgesehen hat. Der Rest kann von anderen angemietet werden. Und wie war die erste Resonanz im Ort auf die Neuigkeiten? „Durchweg positiv“, freuen sich die beiden. Unternehmen, Selbstständige und auch Privatpersonen haben schon Interesse an Mietflächen gezeigt, andere einfach nur nachgefragt, was denn genau geplant ist – sehr zur Freude von Vater und Sohn Schmitz natürlich.

Sie können sich hier sehr viel vorstellen – auch ein Feuerwehrgerätehaus auf dem Firmenareal zum Beispiel. Entsprechende Anfragen gab es bereits und in der Halle, aus der gerade ein Hochregal ausgebaut wird, wäre das durchaus denkbar.

Einige Spuren der früheren Rasier- und Haarschneideapparate-Herstellung gibt es noch in dem Gebäude. Foto: Daniela Schneider
Noch steht da ganz einsam und allein einer der Keramikgrills in einer der leeren Werkhallen – ein Geschenk an die Firma Wahl anlässlich der Übergabe der Räume. Schon bald dürfte es sich hier aber merklich füllen. Die Firma Sogambo wird in diesem Bereich ihr Warenlager einrichten. Foto: Daniela Schneider
Geschäftsführer Fabio Schmitz hat die Schlüsselgewalt - übernommen von der Firma Wahl, die hier einst produzierte. Foto: Daniela Schneider

Auch erste Gespräche mit Vertretern der Gemeinde gab es bereits. Und in der Gemeinderatssitzung am Dienstag, 19. Mai, werden Fabio und Wolfgang Schmitz sich, ihr Unternehmen und ihr Vorhaben auf dem ehemaligen Wahl-Areal in Unterkirnach vorstellen – und aufzeigen, dass sie bei ihrem Vorhaben hier möglichst viele Menschen mitnehmen möchten. „Wir sind offen“ – versichern sie.

Was sind Keramikgrills?

Tradition des Tonofens
Ein Keramikgrill speichert Hitze und Feuchtigkeit besonders gut. Er funktioniert nach dem Prinzip eines traditionellen Tonofens mit Holzkohle und einer präzisen Luftzufuhr, wobei die dicke Keramik die Hitze lange speichert und gleichmäßig im Grill zirkulieren lässt. Dadurch eignet er sich zum Grillen, Smoken und sogar zum Backen bei konstanten Temperaturen.

Wachsende Fangemeinde
Das Nischenprodukt hat eine wachsende Fangemeinde, die das „andere Grillerlebnis“ (so Wolfgang Schmitz) zu schätzen weiß.