Drei Zwergschweine sind nun in Landelins Garten eingezogen. Wer will, kann für sie eine Patenschaft übernehmen. Foto: Masson

Der Gemeinderat hat für die Umbauarbeiten auf dem ehemaligen Klostergelände in Ettenheimmünster grünes Licht gegeben. Zunächst stehen bei Familie Treiber aber erst einmal Frühjahrsarbeiten an. Zudem gilt es, neue tierische Bewohner zu versorgen.

Unlängst hatte der Ettenheimer Gemeinderat dem Bauantrag für das ehemalige Klosterareal zugestimmt. Zwar ist das Gelände schon seit vorigem Jahr an die Familie Treiber verpachtet, nun darf sie jedoch auch diverse Umbauarbeiten vornehmen. Zunächst stehen aber einmal die Frühjahrsarbeiten an. Mit diesen haben Linda Treiber und ihre Töchter Gretje und Dortje schon längst begonnen: „Da macht jede ihre Arbeit“, erklärt Linda Treiber. Dazu gehört derzeit insbesondere Rasenmähen. Denn auf dem weiträumigem Gelände zwischen den noch übrig gebliebenen grundstücksbegrenzenden Klostermauern wächst ständig alles zu. Wenn eben nicht wöchentlich bis in den November hinein gemäht würde.

 

Gestartet wurde mit dem einen kilometerlangen Rundweg um das Gelände. Dort haben die Treibers auch neue Sitzeckchen mit Laubencharakter neu gestaltet. Auch die neu angelegte große Spielwiese am Ostrand zur ehemaligen Klostermühle hin muss schon jetzt ständig nachgemäht werden. Die große Hauptwiese über dem vor 200 Jahren aufgelösten und nach und nach mit Steineklau geschleiftem Kloster wird hingegen erst anschließend gemäht: Wenn die dort zahlreich wachsenden Wiesen-Orchideen abgeblüht sind. Nicht nur dort kommt den Frauen der mittlerweile angeschaffte Ein-Sitz-Motormäher sehr zupass. Denn ausschließlich nur mit Handsensen oder kleinen Rasenmäherli gegen zu hohes Gras anzugehen, wäre für die drei Großgartenfrauen dann doch zu zeitraubend – wenn sie es in einigen in schwierigeren Ecken auch durchaus tun.

Linda Treiber auf dem Ein-Sitz-Motormäher: Rasenmähen ist eine der Hauptaufgaben auf dem früheren Klostergelände. Foto: Masson

Mittlerweile haben sie auch den auf den Resten der großen Kloster-Nordmauer wuchernden Efeu zurückgeschnitten. Komplett entfernen werden sie die märchenhaft schöne Pflanze dort aber nicht: Denn dann dürften die alten, fragilen Hang-Steinmauern mangels der fehlenden Stütze in Bälde einstürzen.

Radikal entfernt werden in Landelins Garten hingegen neu ausgesamten Ahorn-, Haselbuchen- und Erlensprösslinge. Denn diese sind Tiefwurzler und und würden später zerstörerisch auf die denkmalgeschützten Grundmauern einwirken. Wild wuchernde Brombeeren müssen ebenso ständig beseitigt werden, denn sonst würden sie bald das komplette Gelände erobern.

Nicht nur die Schweine fühlen sich sauwohl

Frei gemäht ist überdies ein Terrassen-Stückchen für sieben Bienenvölker in ihren jeweiligen Kästen. Doch nicht nur diese stürzen sich auf die erste Blütenpracht auf dem Klostergelände, zahlreiche Insekten sind ebenfalls beim Bestäuben im Einsatz. Sogar für Amphibien ist mit einem aufgeschichteten Steinhaufen nun ein eigenes kleines El Dorado geschaffen worden, zum verstecksicheren Wohnen und Sonnenbaden etwa für Eidechsen. Insekten siedeln sich speziell in einem mit Hilfe von Heimschülern aufgeschichteten Totholzhaufen an. das funktioniere besser als die „Hotels“ aus dem Supermarkt. Abgesteckt ist nun auch ein 50 mal 50 Meter großes westliches Rand-Areal: Nämlich für einen künftigen Kräutergarten mit vielen Kleinbeeten – just dort, wo früher die Benediktinermönche bis 1803 ihre Heil- und Gewürzkräuter gezogen hatten. Diese sollen zusammen mit allerlei Beeren hier so bald als möglich wieder auf denkmalgerechten Hochbeeten wachsen, durchquert von einem kleinen Kreuzweg.

Am Geländerand tummeln sich mittlerweile drei Zwergschweine in ihrem eingezäunten großzügigen Freigelände, bei Schlechtwetter flüchten sie gerne in ihren beräderten, kuscheligen Stall-Wagen. Denn auch dort erlaubt das Denkmalamt keine festen neuen Bauten – aus Sorge um verbliebene unterirdische Klosterreste. Amalia, Gerhard und Hartmut fühlen sich dort jedenfalls sauwohl. Und wer will, kann für sie eine jährliche Patenschaft übernehmen. Dies gilt ebenso für die Ziegen-Kleinfamilie mit Vater, Mutter und Zicklein sowie elf erwachsenen Kleinschafen mit vier erst wenige Wochen alten, aber schon putzmunteren Lämmern. Die klettern auch oben am steilen Mauer-Hang herum, als ob sie alpine Gämsen wären. Ob Spechte, Meisen, Wasseramseln oder Elstern: Auch die Vogelwelt nimmt das Gelände gerne an.

Ruheoase und gelegentlich auch Veranstaltungsort

Erklärtes Ziel bleibt, im weiträumigen Klostergarten einen Ort zum Verweilen und Wohlfühlen zu schaffen, mit Raum für alle Menschen samt Kultur, Natur und Geschichte. Aktuell hat sich das Eurodistrikt-Theater Baal Novo zum 21. Juni mit seinem witzig-geistreichen Freilicht-Stück „Marie Antoinette oder Kuchen für alle“ angemeldet. Vor allem aber soll Landelins Garten ein Ort der Besinnlichkeit und Entspannung bleiben. Kinder finden schon jetzt auf dem Gelände manch altbewährte Spielsachen, ob Laufstelzen, Hula-Hoop-Reifen oder Federballspiele. Auch das hat die Treiber-Familie bislang wie auch manche Maschinen zumeist auf eigene Kosten angeschafft (über die Linda Treiber partout kein Wort verlieren will), jedoch nicht ohne Unterstützung vieler Freunde. So sind weitere hölzerne Sitzbänke für den Spazier-Rundweg gezimmert und gestiftet worden, ebenso ein recht grosser Sandkasten mit sogar fünf Tonnen feinem Inhalt. Linda Treiber ist deshalb samt Töchtern des Lobes und Dankes voll. Man erfreue sich großen Zuspruchs im Dorf und auch darüber hinaus, samt vielen konkreten Unterstützungen, ob etwa mit weiteren Gartenstühlen, sonstigen Spenden oder gar bei speziellen Arbeitsterminen samt Traktoreinsätzen. Das mache viel Mut für die Zukunft.

So geht es weiter

Seit der Gemeinderats-Entscheidung pro Umbau ist die beauftragte Architektin dabei, den dazu vorbereiteten Plan detailliert einzureichen. Der umfasst einen Innen-Umbau des früheren kleinen Gärtnerei-Gebäudes. Dort soll das Café vergrössert werde, samt dazugehöriger kleiner Küche, neuem Gruppenraum und sanierter Kloanlage. Der Garten ist derzeit freitags bei gutem Wetter von 15 bis 18 Uhr geöffnet. Am Samstag und Sonntag gibt es von 11 bis 18 Uhr Kaffee und Kuchen. Mehr unter www.landelinsgarten.de