Rund 50 Wohnungen sollen in den zwei Baukörpern unterkommen. Rechts (im Norden) verläuft die Yalovastraße, links (nach Westen) wird sich in ein paar Jahren das nächste Neubaugebiet „Ob den Ziegelhüttegärten“ anschließen. Die schemenhaften Umgebungsgebäude stehen alle schon, sehen aber anders aus als hier dargestellt. Foto: Nyoo Real Estate

Eine Tochterfirma des Investors Instone Real Estate will ein weiteres Baufenster an der Rottenburger Yalovastraße bebauen.

Es ist das letzte freie Baufenster im Westen des Neubaugebiets Dätzweg, nicht weit vom Fußgängerüberweg über die Bahngleise. Die Firma Nyoo Real Estate, eine hundertprozentige Tochter des Investors Instone Real Estate, hat den Bauplatz „MU9“ vor Kurzem gekauft und will dort ungefähr 50 „bezahlbare“ Wohnungen errichten. Der Baubeginn ist für Anfang 2027 vorgesehen.

 

Bei der Planung will Nyoo (ausgesprochen wie das englische Wort „new“) auf neuartige Weise vorgehen. „Wir haben uns als Konzern weiterentwickelt“, sagte Geschäftsführer Stefan Dahlmanns am Dienstagabend im Rottenburger Gemeinderat. Um Kosten zu sparen, setzt die Instone-Tochter auf vereinfachte, standardisierte Planungsprozesse. Bei der Bau-Ausführung und bei den verwendeten Materialien werde man aber keine Abstriche machen (immer im Vergleich zu den Gebäuden, die Instone auf den anderen Baufenstern des ehemaligen DHL-Areals errichtet hat).

Ein Mix aus Miete und Eigentum

Ansonsten gilt das Instone-Prinzip: Der Investor baut schlüsselfertig und verkauft am Ende die Wohnungen, entweder einzeln oder als Ganzes Gebäude en bloc. Für das Baufenster „MU9“ sei das Verfahren noch nicht „final festgelegt“, sagte Nyoo-Mann Luis Ledergerber auf Nachfrage am Telefon. Am Ende werde es wohl eine Mischung aus Mietwohnungen und selbst genutzten Eigentumswohnungen geben. Die Grundrisse seien kompakt genug für Sozialwohnungen.Vor ein paar Monaten war noch von „48“ Wohnungen die Rede. Ledergerber spricht nun von „etwa 50“. Das hängt von den letztendlichen Grundrissen ab. Die Spanne reicht von der Ein-Zimmer-Wohnung bis zur Fünf-Zimmer-Wohnung. Alle sollen barrierefrei sein, zwei auch rollstuhl-tauglich. Darunter kommt eine Tiefgarage.

An der Nordkante, zur Yalovastraße hin, ist ein „Gemeinschaftsraum“ (mit Teeküche) geplant. Er soll allen Bewohnern zur Verfügung stehen, beispielsweise für Kindernachmittage oder für Geburtstagsfeiern. Das müssten dann die künftigen Bewohner untereinander und mit der Hausverwaltung regeln, sagten die Nyoo-Vertreter im Gemeinderat.

Gemeinschaftsraum mit Teeküche

Für das Baufenster „MU9“ hatte die Stadt Rottenburg im vergangenen Sommer einen Wettbewerb ausgelobt. Allerdings gingen dazu nur zwei Angebote ein; Nyoo bekam den Zuschlag. Gepunktet hatte die Instone-Tochter unter anderem mit ihrer „Öffnung zur Nachbarschaft“ (der öffentliche Durchgang durch den Innenhof) und mit mehreren sozialen Extras. Ledergerber zählte auf: eine Fahrradreparatur-Station, ein „kleiner Bücherschrank“, ein Sonnensegel und ein „kleines Urban-Gardening-Angebot“ (also ein gemeinschaftliches Gemüsebeet). Nyoo wolle „aus einer anonymen Wohnanlage ein Gemeinschaftsprojekt machen“.

Bei der Detailplanung entdeckten die Nyoo-Leute einen Fehler in den Wettbewerbsunterlagen: „Das Höhenprofil weicht von der Realität ab“, sagte Ledergerber diplomatisch. Tatsächlich sei das Grundstück zur Yalovastraße hin zwei Meter höher als angegeben. Daraufhin musste Nyoo den viergeschossigen Bau „etwas anheben“ und den Gemeinschaftsraum an eine andere Ecke verlegen (sonst wäre eher ein Kellerraum daraus geworden).

Der Vorteil: Jetzt liegt dieser Raum an der Nordwest-Ecke des Grundstücks – also dort, wo die Yalovastraße ins künftige Neubaugebiet „Ob den Ziegelhüttegärten“ mündet. Eine gemeinschaftliche Nutzung an dieser Stelle ermögliche somit „einen kleinen Brückenschlag“ zwischen den beiden Baugebieten.

Gewerbe hat wenig Interesse

Ursprünglich wollte Nyoo in den Erdgeschossen auch gewerbliche Nutzungen unterbringen, beispielsweise eine Arztpraxis. Aber die Muttergesellschaft Instone habe nebenan schon die Erfahrung gemacht, dass daran wenig Interesse besteht. Das ehemalige DHL-Areal sei nun mal vor allem „ein Wohnstandort“, hat Ledergerber festgestellt. Für Läden, Freiberufler und Dienstleister sei es weniger interessant.

Bundesweit habe Nyoo bereits fast 2000 Wohnungen mit standardisierten Planungen erstellt, hieß es im Gemeinderat. Durchschnittlich mehr als 100 pro Projekt. Die etwa 50 Wohnungen in Rottenburg „sind für uns die Mindestgröße“, sagte der Nyoo-Mann auf Nachfrage. Aber Rottenburg sei für Instone ein „schöner Standort“, und die Kooperation mit der Stadtverwaltung sei hervorragend. Daher werde man hier auch gerne ein kleineres Projekt umsetzen.

Nyoo will dabei auch auf Baufirmen und Handwerker zurückgreifen, die an den Instone-Projekten nebenan „einen guten Job“ gemacht hätten. Die Bauleitung will Nyoo selbst übernehmen. FaiR-Stadtrat Volkmar Raidt fragte nach den Baukosten, gerade angesichts der aktuellen Treibstoffpreise. Nyoo-Geschäftsführer Dahlmanns antwortete zuversichtlich. In den vergangenen Jahren habe Instone schon mehrere „Verwerfungen“ überstanden – vermutlich ein Hinweis auf Corona, Ukraine-Krieg, Inflation und Zinsschwankungen.

WBR sucht(!) nach Mietern für ihre Sozialwohnungen

Günstige Miete
Das gab’s schon lange nicht mehr: Die städtische Wohnbau Rottenburg sucht nach Mietern mit Wohnberechtigungsschein. Die WBR übernimmt demnächst am anderen (östlichen) Ende des DHL-Baugebiets einen großen Komplex mit 105 Wohnungen von Instone. Die meisten davon sind vom Land Baden-Württemberg gefördert und müssen daher deutlich günstiger als „ortsüblich“ vermietet werden.