Philipp Lahm schaut auf seine bewegte Zeit beim VfB Stuttgart vor rund 20 Jahren zurück – und verrät, warum er Mario Gomez derzeit regelmäßig in München trifft.
Philipp Lahm hat eine Engelsgeduld nach Stuttgart mitgebracht. Ebenso höflich wie ausdauernd erfüllt der Fußball-Weltmeister von 2014 sämtliche Autogramm- und Fotowünsche der Vereinsvertreter, die der Württembergische Fußballverband (WFV) zu einer Informationsveranstaltung über die EM 2024 in die Stuttgarter Scharrena eingeladen hat. Lahm hat als Turnierdirektor zweifelsohne einiges zu erzählen, in Stuttgart ist er aber bis heute mehr als ein offizieller Repräsentant. Er bleibt immer auch einer der jungen Wilden.
Beim VfB Stuttgart gelang Philipp Lahm der Durchbruch
Zwischen 2003 und 2005 lief Lahm für den VfB Stuttgart auf und machte während dieser beiden Jahre eine Menge Furore. In einer Zeit, in der er vom unbeschriebenen Blatt zum Nationalspieler reifte und bei Fußballfesten wie dem 2:1-Sieg in der Champions League gegen Manchester United auf dem Platz stand. Die Bedeutung dieser Jahre für seine Laufbahn will der heute 38-Jährige im Rückblick auch gar nicht relativieren, als er am Rande des WFV-Abends zurück- und vorausblickt. Auf seine unverändert emotionale Bindung zur Stadt Stuttgart, die zurückliegende Saison des VfB – und seine Erwartungen an die kommende Europameisterschaft in Deutschland. Philipp Lahm über . . .
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Seine Verbundenheit zum VfB: Wenn man mal hier gespielt hat und die Menschen kennengelernt hat, dann fiebert man immer mit dem VfB mit. Das ist ja klar. Ich habe zwei Jahre hier gewohnt und die Leidenschaft der Fans hautnah miterlebt. Es war eine tolle Zeit, eine schöne Zeit. Hier habe ich meinen Durchbruch als Profi geschafft. Und deswegen ist Stuttgart ein Ort, an den ich immer wieder gerne zurückkomme. Es gibt auf jeden Fall eine emotionale Bindung.
Die Sportstadt Stuttgart: Es ist eine tolle Stadt, die alles ermöglicht und alles hat. Die Fans sind sensationell, aber auch die Infrastruktur und Unternehmen sind vorhanden. Das gehört alles mit dazu. Das Spiel um Platz drei bei der WM 2006 in Stuttgart war für mich ein absolutes Highlight. Davor wollte eigentlich niemand um Platz drei spielen. Aber was dann im Stadion und danach vor unserem Hotel los gewesen ist, war schon unglaublich und hat gezeigt, dass Stuttgart eine fußballverrückte Stadt ist. Ich habe das ja 2003 schon erlebt im Champions-League-Spiel mit dem VfB gegen Manchester United. Deshalb freue ich mich wirklich, dass fünf Spiele der EM 2024 in Stuttgart stattfinden.
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Seine Kontakte zu Mario Gomez: Derzeit ist niemand mehr beim VfB tätig, mit dem ich damals noch gespielt habe. Aber mit einigen anderen ehemaligen Stuttgartern habe ich schon noch regelmäßig Kontakt. In München treffe ich zum Beispiel immer wieder Mario Gomez, weil unsere Kinder in den gleichen Kindergarten gehen. Es ist immer schön, Ex-VfBler wiederzusehen.
Die Saison des VfB: Selbstverständlich habe ich das Saisonfinale und die Rettung des VfB verfolgt, die Stimmung im Stadion war überragend. Der VfB gehört in die Bundesliga. Um die Saison und das Festhalten am Trainer wirklich beurteilen zu können, bin ich aber zu weit weg. Klar ist auf jeden Fall, dass Kontinuität auf allen Positionen enorm wichtig ist im Fußball. Das zeigen andere Vereine, da nenne ich als Beispiel den SC Freiburg. Das betrifft nicht nur den Trainer, sondern auch die Führungsriege. Wenn die richtigen Personen da sind, ist es wichtig, dass sie längerfristig arbeiten können.
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Seine Erwartungen an die EM 2024: Ob es eine gute EM wird, hängt definitiv vom Abschneiden der DFB-Elf ab. Eine Heimmannschaft sollte möglichst lange im Turnier bleiben, weil es für die jeweilige Nation sehr wichtig ist. Ansonsten würde ich mir wünschen, dass die deutsche Nationalmannschaft unser Land sehr gut vertritt – auf dem Platz und auch außerhalb, so dass sich jeder identifizieren kann mit den Spielern, mit dem Team drumherum, mit den Betreuern. Wann ich zufrieden bin mit dem Turnier? Wenn wir als Gesellschaft – das betrifft Deutschland, aber vor allem Europa in der heutigen Zeit – dadurch wieder näher zusammenrücken.