Vielleicht war es die letzte große Afrikareise, die der ehemalige evangelische Stadtpfarrer Dieter Brandes in diesem Sommer unternahm. Erst vor wenigen Tagen kam er nach fünf Wochen aus Kenia, Ruanda, Burundi und der Demokratischen Republik Kongo zurück.
Diesmal waren auch touristische Ziele mit dabei, denn Brandes begleiteten in der ersten Reisehälfte auch Verwandte.
Danach allerdings wandte sich der 78-Jährige seinen Projekten zu. Vier Ziele hatte er sich in Afrika vorgenommen.
Sein erstes Ziel galt der weiteren Unterstützung von Netzwerken zwischen Universitäten und Non-Governmental Organisations. Brandes suchte insgesamt acht Universitäten auf. Ein zweites Ziel hatte trotz der weiten Entfernung einen lokalen Bezug zum Schwarzwald-Baar-Kreis: Handwerksausbildungen verliefen in Afrika meist sehr verkopft, so Brandes: „Die Menschen können an Unis nicht lernen, wie man einen Wasserhahn repariert.“
Übergabe von Spenden
Brandes besuchte dabei ein Dutzend Handwerkerschulen in Burundi, Ruanda und der Republik Kongo zur Vorbereitung von möglichen Partnerschaften mit Deutschland. Für diesen Zweck konnte Brandes als ehemaliger Präsident des Schwenninger Lions Clubs auch 5000 Euro für die Unterstützung einer Handwerkerschule in Kalehe im Ost-Kongo übergeben. 3000 Euro des Spendengeldes wurden vom Lions Club Schwenningen bei verschiedenen Veranstaltungen, darunter der Schwenninger Kulturnacht, gesammelt. Mit 2000 Euro beteiligte sich das Diakonische Werk Württemberg.
Sein viertes Reiseziel bezog sich auf die Förderung pädagogischer Maßnahmen zur Unterstützung von Schulprojekten über die Organisation RIO in Bukavu, einer Stadt im Osten von Kongo an der Grenze zu Ruanda. Hier galt sein Ziel der Förderung des interreligiösen Dialogs. „Es lag mir am Herzen, so etwas anzustoßen, wie es bereits in Osteuropa mit ‚Religions for Peace‘ ermöglicht wurde.“ Hierzu fanden unter anderem Meetings in afrikanischen interreligiösen Zentren statt.
Zufrieden mit seiner Reise
„Ich bin mit den Gesamtergebnissen der Reise ganz zufrieden“, erläutert Brandes nach seiner Rückkehr im Gespräch mit unserer Redaktion.
Dieter Brandes bemühe sich seit Langem intensiv um Versöhnung – insbesondere in Ruanda nach dem Völkermord an den Tutsi, in Burundi nach mehr als zwei Jahrzehnten Bürgerkrieg und im Ost-Kongo, wo in den letzten drei Jahrzehnten mehr als sechs Millionen Opfer der anhaltenden Kämpfe um Macht und Bodenschätze sowie anderer Gewalttaten zu beklagen seien. Im vergangenen Jahr legte Brandes dazu eine ausführliche schriftliche Dokumentation der internationalen Versöhnungsarbeit als 600 Seiten starke Dissertation vor. Brandes wurde hierfür der Doktortitel verliehen.
Das Kräfte-Bündeln fällt schwerer
Auch diesmal traf Dieter Brandes den stellvertretenden Parlamentspräsidenten der Demokratischen Republik Kongo, Vital Banywesize Mukuza, mit dem er inzwischen eine Freundschaft verbindet. Einige Förderprojekte wurden von ihm gemeinsam mit Mukuza besucht. Da der stellvertretende Parlamentspräsident jedoch nicht ohne Leibgarde im Land unterwegs sein kann, wurde auch Brandes besonders geschützt: „Es ist ein seltsames Gefühl, von vielen Polizisten vor und hinter dem Wagen eskortiert zu werden“, lacht er rückblickend.
Ob dies tatsächlich die letzte Projektreise durch Afrika war? „Wenn ich in Afrika tätig bin, fühle ich mich oft stärker als Zuhause“, erläutert Brandes, „denn ich muss dort meine Kräfte extrem bündeln.“
Mit zunehmendem Alter falle jedoch auch das Kräfte-Bündeln schwerer. So galten viele Aspekte der Reise diesmal der Verantwortungsübergabe zur Weiterführung an andere Personen. Die Projekte liefen weiter. Ob persönlich vor Ort oder „nur“ per internationaler Zoom-Konferenz: Dieter Brandes wird auf jeden Fall weiter motiviert aktiv sein für die vom ihm angestoßenen und breit unterstützten Projekte.