Ray Wilson begeisterte bei seinem Konzert in der Winterlinger Festhalle die rund 400 Zuhörer. Foto: Nölke

Ein Abend, wie es ihn seit Beginn der Corona-Pandemie nicht mehr gegeben hat: Ray Wilson, ehemaliger Frontmann der Band Genesis, spielte am Samstag vor rund 400 Zuhörer in der Winterlingen Festhalle.

Winterlingen - "Wir mussten erstmal unsere Stühle abstauben", erklärte Bürgermeister Michael Maier vor Start des Konzertes. Seit Beginn der Corona-Pandemie habe es in der Winterlinger Festhalle keine Veranstaltungen mehr gegeben. Umso mehr freute er sich deshalb, dass der Konzertabend mit Ray Wilson und seiner Band restlos ausverkauft war.

Ray Wilson war von 1996 bis zur Auflösung der Band 2001 als Sänger und Gitarrist Frontmann der Band Genesis. Mit seinem aktuellen Programm "Genesis Classic" – eine Mischung aus den bekannten Hits der Band und eigenen Songs – tourt er derzeit durch Deutschland.

Wilson und seine Band – darunter sein Bruder Stephen Wilson – starteten direkt mit dem Klassiker "No son of mine". Das Publikum war begeistert. Und diese Begeisterung hielt den gesamten Abend an. Wilson schaffte es, mit einer Mischung aus einfühlsamen Rock-Balladen und Stimmungsmachern eine magische Atmosphäre zu schaffen. Dazu trugen auch seine Bandkollegen einen großen Teil bei. Marcin Kajper, der sich schnell als Multitalent erwies, beherrscht nicht nur die Gitarre, sondern glänzte auch mit mehreren Saxofon- und Querflöten-Soloeinlagen. Alicja Chrzaszcz unterstütze die Band an der Violine und machte – so das Fazit einiger begeisterter Gäste – berühmten Geigern wie David Garret "schon ganz schön Konkurrenz".

Eigene Versionen von Klassikern

"Manche hören auf ihren Kopf, andere entscheiden sich, auf ihr Herz zu hören", kündigte Wilson einen seiner eigenen Songs an. In "Yellow Lemon Sun" bittet Wilson um Verzeihung, dass er Menschen verletzt hat, weil er auf seinen Kopf anstatt auf sein Herz gehört hat. Im Saal herrschte während dieses Songs Totenstille, bevor alles in stehenden Ovationen endete.

Auch andere Klassiker hatte er dabei. "Es ist ein Song aus dem Jahr 1973 – aber dafür sind die meisten hier wahrscheinlich zu jung", erklärte er. Im Publikum – der Altersdurchschnitt dürfte nicht sehr niedrig gelegen haben – bricht kurzzeitig Gelächter aus. Dennoch sind bei "The Carpet Crawlers" wieder alle voll dabei. Wer das Original kennt, merkte jedoch schnell, dass es nicht komplett die Version aus 1973 ist. Wilson performte eine ganz eigene Version des Songs, wie er es mit vielen der Klassiker machte, ohne dabei den Charakter der Originalversion zu verlieren.

Nach mehr als zwei Stunden endete der Abend in einem Gefühlsfeuerwerk. Die Gäste waren begeistert – und beschränkten ihre Kritik auf die Corona-Maßnahmen. Einige fanden es schade, dass während der Veranstaltung auch am Platz Maskenpflicht herrsche. Da einige das nicht einsehen wollten, mussten die Angestellten des Sicherheitsdienstes "beSave" aus Albstadt mehrfach daran erinnern. Maier betonte jedoch, dass aufgrund der aktuellen Corona-Verordnung bei Veranstaltungen mit 3G-Regel diese Maßnahmen vorgeschrieben seien. Über Sinn und Unsinn diskutierten die Gäste auch nach dem Ende noch. Bei gefühlten 40 Grad in der Halle, die während des gesamten Konzerts auch nicht gelüftet wurde, sei die Maskenpflicht "nur ein Tropfen auf den heißen Stein".