Der schönste Tag des Lebens wäre virtuell vielleicht noch schöner. Foto: © Viktar Vysotski – stock.adobe.com

Altensteig bietet seit neustem die„Ehe online“ an. Die Anträge vorab können übers Internet erledigt werden – die Trauung aber nicht. Dabei hätte gerade das großes Potenzial.

In Altensteig gibt es jetzt die „Ehe online“ – okay, die Stadt hat schon beruhigt: Es geht um den unromantischen Papierkram, der vor einer Trauung notwendig ist. Niemand heiratet per Videokonferenz.

 

Aber warum eigentlich nicht? So eine digitale Hochzeit hätte doch unschlagbare Vorteile. Da wäre zum Beispiel die lästige Kleiderwahl. Einfach eine weiße Bluse, die auch als Kleidoberteil durchgehen könnte. Drunter Jogginghose. Hat schon in der Corona-Pandemie einwandfrei geklappt. Stundenlanges Anproben und Stolpergefahr im bodenlangen Hochzeitskleid sind damit Geschichte.

Endlich eine Hochzeit im aktiven Vulkan

Das würde Frauen auch von der unangenehmen Pflicht befreien, ihr Gewicht zu HALTEN, damit das Kleid auch nach Monaten noch passt. Oder die Kamera wird ganz ausgestellt. Bad Hair Day am Tag der Hochzeit? Kein Problem!

Auch die Frage nach dem richtigen Ambiente ist auf einmal sehr leicht zu beantworten: Jeder feiert einfach da, wo es ihm gefällt. Einfach den richtigen Hintergrund auswählen und sich selbst an der perfekten Hochzeits-Location sehen. Das eröffnet ganz neue Möglichkeiten: Heiraten auf dem Mount Everest, im Korallenriff, im aktiven Vulkan... Das gibt einmalige Hochzeit-Screenshot-Fotos.

Und dann sind da ja noch die Gäste. Hand aufs Herz, wer wollte noch nie auf einer Familienfeier jemanden loswerden? Einfach aus dem Meeting schmeißen und Verbindungsprobleme heucheln – perfekt!

Wer Einwände gegen die Eheschließung hat, spreche jetzt oder schweige für immer? Wer aufmuckt, wird stummgestellt. Und der Standesbeamte für die veraltete Klischeefrage gleich mit. So! Das ist auch die Lösung für potenziell peinliche Reden.

Ring- und Herzemojis statt Ring und Kuss

Schwierig wird es dann nur bei dem Teil mit dem Ringetauschen und „Sie dürfen die Braut jetzt küssen...“ Anstelle von Ringen könnten Ring-Emojis ausgetauscht werden. Ob statt Küssen ein Herzemoji reicht? Vielleicht könnte eine VR-Brille das Problem lösen, gesponsert vom Standesamt.

Leider ist bis jetzt keine im Haushalt eingeplant. Und es gibt auch keine bekannten Pläne, einen Computerraum für Hochzeitsgesellschaften einzurichten. Damit bleibt der romantische Teil erstmal analog. Und das wohl auch noch eine ganze Weile. Hoffentlich.