Auch gegen den mittlerweile vierten möglichen Standort einer Heizzentrale – an der Spielberger Straße – regt sich Widerstand: Der Egenhauser Gemeinderat wünscht, dass zunächst noch Details geklärt werden. Foto: Manfred Köncke

Der Gemeinderat Egenhausen hat sich gegen den Bau einer Heizzentrale in der Spielberger Straße ausgesprochen. Zuerst müssten einige Punkte geklärt werden – wie die Größe des Lagergebäudes, die schmale Zufahrt auf der Spielberger Straße und eine Wirtschaftlichkeitsberechnung.

In der letzten Sitzung des Gremiums vor der Sommerpause waren sämtliche Zuhörerplätze belegt. Das Hauptinteresse galt – wie zahlreichen Wortmeldungen in der Bürgerfragestunde zu entnehmen war – der Frage, ob der Gemeinderat das Einvernehmen zum Neubau einer Heizzentrale mit Lagergebäude im Außenbereich erteilen würde. Die im Januar 2023 gegründete „Egenhausen Wärme GmbH“ will möglichst viele Haushalte in Egenhausen mit regenerativer Energie versorgen, darunter alle elf öffentlichen Gebäude der Kommune.

 

Bei einer Informations- und Bürgerversammlung der Betreiber, vertreten durch Stefan Mast, Michael Schuler und Stefan Tittl, im Oktober 2023 hatten 150 Hauseigentümer ihr Interesse an einem Anschluss an das regionale Wärmenetz signalisiert. Inzwischen liegen der Bauantrag, ein positiver Förderbescheid und Gutachten vor. Die Stadt Altensteig als Genehmigungsbehörde hat keine baurechtlichen Einwendungen gegen dieses Vorhaben.

Das Problem ist der Standort der Heizzentrale. Flächen neben der Silberdistelhalle, Grundstücke auf dem Bauernhof Schuler, Areale in der Industriebrache Wolf – alle drei in Frage kommenden Stellen wurden aus unterschiedlichen Gründen verworfen. Inzwischen hat die „Wärme GmbH“ einen neuen Platz in der Spielberger Straße gefunden. Aber auch dort formiert sich Widerstand, der von Zuhörern der jüngsten Sitzung deutlich zum Ausdruck gebracht wurde.

Bedenken der Gegner sind vielfältig

Ein „Klotz“ auf der grünen Wiese mit 420 Quadratmetern Lagerfläche und 960 Quadratmetern versiegeltem Boden passe nicht ins Landschaftsbild, reklamierte einer von ihnen. Die Zufahrt zur Heizzentrale aus der Spielberger Straße sei zu schmal, meinte ein zweiter. Bei der Beheizung mit Hackschnitzeln werde die Umwelt verpestet, behauptete ein dritter und verwies auf negative Erfahrungen in einer Nachbarkommune.

Die Gemeinde Egenhausen verhalte sich so, als ob sie Miteigentümer der Heizzentrale sei, kritisierte ein weiterer Zuhörer. Die Annahme sei falsch, wies Bürgermeister Sven Holder die Verdächtigung zurück. Für eine öffentliche Veranstaltung habe man lediglich die Silberdistelhalle angeboten und ein grundsätzliches Interesse an dieser Art der Beheizung gezeigt. Die Kommune sei nicht Herr des Verfahrens. Was den Standort angeht, habe er sich ein von der Gemeinde zur Verfügung gestelltes, 2000 Quadratmeter großes Gebiet auf dem Wolf-Areal vorstellen können.

Gemeinderat fühlt sich „unwohl“

„Ich fühle mich bei dem neuen Standort unwohl“, befand Neugemeinderat Florian David. „Einige Dinge haben mich irritiert“, beanstandete Ingo Wassilowski – von der Zufahrt bis zur Löschwasserversorgung. Eberhard Hammer kann dem Antrag nach eigener Aussage nicht zustimmen, weil weder die Anlieger benachrichtigt noch eine nachhaltige Wirtschaftlichkeitsberechnung vorgelegt worden seien.

Den Bauantrag „einfach durchwinken“ ist auch für Julian Heusel nicht vorstellbar. Das Lagergebäude fällt nach Ansicht von Sebastian Bühler zu wuchtig aus, man könnte es bestimmt anders konzipieren. Das sei einfacher gesagt als getan, antwortete Architekt und Gemeinderat Frieder Großmann. Bei einem Projekt dieser Art müssten bestimmte Vorgaben beachtet und eingehalten werden.

Hans Kern: „Blöde Situation“

Dass die Betreiber bis jetzt keinen passenden Standort gefunden haben, ist für Hans Kern „eine blöde Situation“. Für die Nutzung regenerativer Energien seien alle, aber wenn es zum Schwur komme, gebe es jede Menge Widerstand. Engül Köhler kann den Frust der Betreiber nachvollziehen – die hätten bereits Geld und viel Energie in das Projekt gesteckt.

Vor der Abstimmung appellierte Großmann an die Kommunalpolitiker am Ratstisch, die Tür für das Vorhaben nicht zuzuschlagen, sondern kritische Punkte anzusprechen, zu diskutieren und eine einvernehmliche Lösung anzustreben. So lautete auch der Beschluss.