Die Strömung im Altrhein wird oft unterschätzt, wissen die DLRG-Retter, die eine entsprechende Übung abhielten. Foto: Gudrun Gehr

Richtiges Training im Wildwasser ist am Rhein nur bei den Isteiner Schwellen möglich. Strömungsretter aus dem Bezirk Breisgau der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft haben einen Tag lang bei Istein trainiert und die Rettung im Wildwasser geprobt.

Der Vorsitzende der DLRG-Ortsgruppe Müllheim-Neuenburg, Alexander Schropp, instruierte am Samstagmorgen bei idealem Übungswetter an den Isteiner Schwellen sein Team. Der 40-jährige Schropp ist auch Referent und Ausbildungsleiter als „Strömungsretter“ im Breisgau. Seit eineinhalb Jahren leitet er den Ortsverband und war davon zehn Jahre lang stellvertretender Leiter.

 

Angetreten war die DLRG-Übungsgruppe mit neun Personen, darunter mit Teilnehmern aus Freiburg, Breisach, Nimburg und Titisee-Neustadt. Schropp: „Strömungsrettung ist immer personalintensiv, da sie immer großflächig durchgeführt werden muss.“

Hochwasser im Juni

Bereits im Juni wollte die Gruppe der Strömungsretter ihre Übung an den Isteiner Schwellen organisieren – aufgrund Hochwassers musste der Termin jedoch verschoben werden. Nun zeigten sich die Sand- und Kiesbänke ideal für Übungszwecke: Diese konnten jetzt mit einem Einsatzboot des DLRG, der „Seeschwalbe“, bestens erreicht werden. Nach dem gegenseitigen „Body-Check“, dem Überprüfen des Einsatzanzugs, wurde zunächst das Übungsboot mit vereinten Kräften abseits der Böschung zu Wasser gelassen. Dann mussten sich die Teilnehmer zunächst abkühlen und an die Wassertemperaturen gewöhnen. Die Strömung eines Stücks des Flussbetts konnte sodann einzeln schwimmend und mittels kontaktnaher „Personenpyramide“ durchquert werden. Die Teilnehmer stellten übereinstimmend fest, dass die Strömung des Altrheins in Wirklichkeit deutlich stärker war, als sie zunächst eingeschätzt wurde.

Das Rettungsboot wird einsatzbereit gemacht. Foto: Gudrun Gehr

Die Einsatzübung an den Isteiner Schwellen sei auch aufgrund eines manchmal schnell steigenden Wasserpegels durch Öffnung der Schleusen am Altrhein wichtig. Viele Sand- und Steinbänke wurden vom Ufer abgeschnitten und verursachten Rettungsaktionen. Schropp: „Die Stärke der Strömung hier wird ohnehin grundsätzlich unterschätzt.“ Immer wieder komme es hier zu Rettungseinsätzen, da Badegäste die Lage nicht richtig einschätzen und vom Wasserstand und der Strömung überrascht werden.

Spezialisierte Gruppierung

Die Strömungsretter sind eine spezialisierte Gruppierung der Wasserretter für fließende Gewässer. „Unser letzter Einsatz erwies sich als relativ spektakulär, eine Stand-Up-Paddlerin kenterte im Rhein bei Zienken und verkeilte sich in Bäumen“, erzählte Schropp. „Durch die Kooperation von Hubschrauber, Bergwacht und Rettungswindenspezialist konnte die Frau aus ihrer Notlage befreit werden.“

Stets rufbereit

Die Gruppe ist rund um die Uhr rufbereit und hat auch im Winterhalbjahr „Saison“. Die Übungen finden drei bis viermal jährlich statt, darunter auch an der Dreisam oder an der Panzerplatte in Grießheim. Schropp weiß aus Erfahrung: „Strömungsretter werden ist nicht für jeden etwas, aber mit Training geht es schon.“ Grundbedingung ist eine gute Kondition und eine Neigung für die Rettung von Menschen beispielsweise aus überfluteten Gebieten oder Assistenz bei Bootseinsätzen oder technischen Hilfeleistungen.

„Wir bewegen uns hier von Kehrwasser zu Kehrwasser“, erklärte der 40-Jährige vor Ort. Geübt wurde das Schwimmen in Strömungen entgegen der eigentlichen Fließrichtung. Die Sicherung der Übungsteilnehmer erfolgte durch „Panikgurte“ mit gegenseitiger Sicherung. In der mehrstündigen Übung wurde auch mit der „Wurfleine“ eine mutmaßlich treibende Person gerettet.