Die Edeka-Tochter Marktkauf soll nach Gewerkschaftsinformationen ins Gebäude des Real-Marktes an der Bregstraße einziehen. Foto: Wursthorn

Die Jobperspektiven von 70 Mitarbeitern bei Real in Donaueschingen haben mit der jüngsten Entscheidung des Bundeskartellamts möglicherweise einen Dämpfer erhalten.

Donaueschingen - Laut einer Mitteilung der Wettbewerbshüter möchte Edeka das Vollsortiment-Geschäft mit 7000 Quadratmetern Verkaufsfläche an der Bregstraße nicht mehr übernehmen.

Das Papier der Wettbewerbshüter listet 45 Real-Standorte auf, die Edeka ohne wettbewerbsrechtliche Bedenken übernehmen darf, sechs Häuser, in denen Edeka Mitbewerbern Verkaufsfläche einräumen muss, und 21 Filialen, auf deren Übernahme Edeka aufgrund wettbewerbsrechtlicher Bedenken verzichtet. Auch Donaueschingen.

"Im Moment bleibt es, wie es ist"

Marica Schaulies, Betriebsratsvorsitzende bei Real, sieht die Nachricht ohne schalen Beigeschmack. "Im Moment bleibt es, wie es ist", konstatiert sie. Bis Ende 2022 sei es nun möglich, dass nicht-verkaufte Real-Märkte unter der bisherigen Marke weiter betrieben werden.

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Bisher sind rund 160 der ursprünglich rund 290 Real-Märkte verkauft. Das lasse hoffen, zumal der durch den Zwischenbesitzer SCP Group betriebene Ausverkauf der bis 2020 zum Metro-Konzern gehörenden Häuser noch nicht beendet sei. Schaulies glaubt weiter an eine Zukunft des breit sortierten, verkehrstechnisch günstig gelegenen und mit reichlich Stellplätzen ausgestatteten Warenhaus an der Gemarkungsgrenze zu Hüfingen.

Edeka äußerte sich am Montag allgemein positiv über die gelungenen Übernahmen. Eine Anfrage, warum sich die Einkaufsgenossenschaft der Lebensmittelhändler gegen eine Übernahme des Donaueschinger Reals entschlossen hat, blieb unbeantwortet.

Keine Sorge um Real-Mitarbeiter

Wer das Veto der Wettbewerbshüter verstehen möchte, muss sich in die Erläuterungen der Entscheidung einlassen. Im Kern wurden im Fusionskontrollverfahren mögliche Auswirkungen einer Edeka-Übernahme in drei Bereichen untersucht: Welche Marktmacht gegenüber Verbrauchern, Lebensmittelerzeuger und Mitbewerbern entsteht. Wird ein kritischer Anteil überschritten, folgt eine eingehende Prüfung des Kartellamtes bis hin zu abschlägigen Bescheiden.

Dass die räumliche Nähe zu bestehenden Edeka-Märkten vermutlich keine Rolle an Übernahmeplänen spielt, meint Markus Klemt zu wissen. Der Fachbereichssekretär Handel der Gewerkschaft Verdi könnte sich vorstellen, dass die Kartellamtsentscheidung mit zum Schutz der Obst- und Gemüseerzeuger am Bodensee gefallen sein könnte.

Um die Mitarbeiter des Realmarktes mache er sich Sorgen, sagt Klemt. Das Warenhaus sei nicht mehr zeitgemäß und biete kein "Shoppingerlebnis". Wie die Mitarbeiter vor Ort hofft auch Klemt auf einen Käufer. Andernfalls drohe nach dem Aufschub bis Ende 2022 nicht nur Real, sondern dem Standort an sich das Ende.

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