Ein Stück echte Freudenstädter Stadtgeschichte für die eigenen vier Wände? Die neuesten Schätze des Denkmalvereins Freudenstadt machen es möglich.
Die Rede ist von den alten Arkadenleuchten, von denen sich nun 55 Stück im Besitz des Denkmalvereins befinden. Denn als die Stadtverwaltung pünktlich zum Start der Gartenschau im „Tal X“ die Beleuchtung in den Arkaden am Marktplatz erneuern ließ, befand das Amt für Stadtentwicklung die alten Leuchten für zu schade, um sie einfach zu entsorgen und kontaktierte den Denkmalverein.
Beim Denkmalverein zögerte man nicht lang. Obwohl selbst Vorsitzender Siegfried Schmidt damals kein rechtes Bild der Leuchten vor Auge hatte. „Im ersten Moment wusste ich gar nicht, wie sie aussehen. Das Design ist zurückhaltend, drängt sich dem Betrachter nicht auf“, sagt Schmidt.
Doch die schlicht anmutenden Leuchten hielten eine faustdicke Überraschung bereit. Auf die richtige Spur brachte den Denkmalverein der Ludwig Schweizer-Experte Nils Krieger. Der erkannte in der Formensprache die Handschrift von Schweizer, dem Architekten des als „Wunder von Freudenstadt“ bekannt gewordenen Wiederaufbaus der Stadt nach 1945.
Entdeckung im Stadtarchiv
Ein Besuch im Stadtarchiv brachte Klarheit. Dort fanden sich tatsächlich die Entwurfszeichnungen. Datiert auf den 15. Januar 1951, unterzeichnet von Ludwig Schweizer und dessen damaligem Mitarbeiter, dem Architekten Heinz Möritz. „Damit war klar, die Leuchten sind tatsächlich ein Entwurf von Ludwig Schweizer und Heinz Möritz. Und zwar spezifisch für die Arkaden am Freudenstädter Marktplatz“, erzählt Schmidt. „Da muss Schweizer großen Spaß daran gehabt haben.“
Wann die Leuchten wo hergestellt wurden und ab wann genau sie die Arkaden an Deutschlands größtem Marktplatz schließlich beleuchteten, konnten die Denkmalschützer um Schmidt noch nicht herausfinden.
Fest steht jedoch: Von den Leuchten gibt es drei Typen. Alle drei sind in schwarzem Metall und Plexiglas gehalten und haben Platz für drei Leuchtmittel. Der am reichsten mit Ornamenten verzierte Typ hing im offenen Vorraum des Rathauses. Diese Leuchten, erzählt Schmidt, sind nun im Stadtarchiv eingelagert. Die anderen beiden Typen – welche sich im wesentlichen durch ihre Länge unterscheiden – gingen an den Denkmalverein.
Doch was macht der Verein nun mit den 55 Leuchten? Die Antwort darauf haben die Denkmalschützer bereits gefunden. Die Lampen sollen für den guten Zweck – sprich, Denkmalschutzprojekte im Raum Freudenstadt – verkauft werden. Zum Preis von 100 Euro pro Stück, im Rahmen einer Verkaufsaktion. Das Datum steht noch nicht fest.
„Verscherbeln wollten wir sie nicht“, sagt Schmidt. Schließlich seien die Leuchten ein Stück Wiederaufbau, ein Stück Stadtgeschichte.
Einziger Wermutstropfen für die potenziellen Käufer: Nachdem die Leuchten nun einmal abmontiert wurden, dürfen sie wohl nicht wieder angeschlossen werden. „Sie dürfen nur Dekozwecken dienen, das ist derzeit unser Wissensstand“, erklärt Schmidt. Man wolle jedoch noch prüfen, ob es möglich sei, die Leuchten so umzurüsten, dass sie doch wieder in Betrieb genommen werden können.
Bis diese Frage geklärt und ein Termin für den Verkauf gefunden ist, haben die geschichtsträchtigen Leuchten vielleicht auch noch ein anderes Geheimnis preisgegeben: War der Lampenschirm von Anfang an aus Plexiglas? Sicher ist sich Schmidt da nicht. Denn in den Entwurfszeichnungen ist als Material für die Leuchtenschirme noch Glas angegeben.