Der erste „Ebinger Weihnachtszauber“ wartet mit tollen neuen Ideen und bereichernden neuen Angeboten auf. Zwischen 90 Prozent Schlemmer-Ständen wird jedoch auch deutlich, wie Weihnachten zweckentfremdet wird – und was wirklich wichtig ist.
Ramis Odeh hat eine Mission: Er ist einer der Wenigen, der einen Kunsthandwerk-Stand auf dem Ebinger Weihnachtsmarkt betreibt, der erstmals „Ebinger Weihnachtszauber“ heißt und erstmals vom Citymanagement Albstadt veranstaltet wird.
In schicken neuen Holzhäuschen. Ohne Pyramide, aber dafür mit einer zweiten Bühne auf dem Bürgerturmplatz, die nicht nur toll adventlich-rot beleuchtet ist, sondern auch Schauplatz stimmungsvoller Kurzkonzerte, bei denen sich einige der besten Klangkörper der Region präsentieren und Weihnachtszauber versprühen, darunter der Posaunenchor Truchtelfingen, die Zollerlandchöre, die Jugendkapelle der Stadtkapelle Tailfingen und die Musikkapelle Frohsinn Lautlingen, deren Dirigent Michael Bach auch Vorteile darin sieht, dass Albstadts Alleinstellungsmerkmal dem Sparzwang zum Opfer gefallen ist.
Weil etliche Musiker ganz oben standen, sei Kommunikation kaum möglich, seien genaue vorherige Absprachen umso wichtiger gewesen, erklärt Bach, der ganz froh ist, dass er auf festem Boden bleiben konnte und nicht in luftiger Höhe gegen die Angst, hinunter zu stürzen, anspielen musste. Halleluhja!
Björn Kech, Karin Butzengeiger und Joachim Nitz von der DRK-Rettungshundestaffel Zollernalb haben auch eine Mission.
Spenden zu sammeln für die lebenswichtigen Schnüffelnasen, mit denen sie vermisste Personen, abgängige Demenzkranke und Erdbebenopfer suchen, lässt sie standhaft den Duft aus allen Richtungen des Weihnachtsmarktes aushalten, der diesmal besonders vielseitig bestückt zu sein scheint, kulinarisch gesehen.
Crêpes, Donuts, Langos und andere Süßigkeiten duften nach Zucker und Zimt, Schupfnudeln und Spanferkel, Burger und Bratwurst in allen Varianten, Gebackenes und Frittiertes stillen den Hunger und werden begossen von Heißgetränken in einer größeren Auswahl denn je: Glühwein gibt’s in Rot, Weiß, Rosé und Heidelbeer, mit Orange und Bratapfelgeschmack.
Punsch alkoholfrei, Tee, Kaffee und kalte Getränke gegen den echten Durst schmecken auch zum gedrehten Hörnchen mit Eis, zu gebrannten Mandeln und den Kartoffelspiralen, für die Genießer – einmal mehr – am längsten anstehen müssen, so begehrt sind sie.
Besonders schöne neue Angebote sind das Marionettentheater im KulTurm – Pettersson und Findus trösten die jüngsten Marktbesucher darüber hinweg, dass Frau Holle vergessen hat, die Betten auszuschütteln – und die Malkurse.
Dabei entstehen Bilder für Mama und Papa, Opa und Oma, und unweit auf der großen Bühne zaubern der Musikverein Onstmettingen, die Musikkapelle Pfeffingen und zwei der besten Sängerinnen der Region, Sandra Testa mit ihrer Band und Lea Katharina Scherl mit Michael Hess, Weihnachtsatmosphäre.
„Die Feuerzangenbowle“ mit Heinz Rühmann auf dem Bürgerturmplatz hat sich am Freitag als Höhepunkt erwiesen, zumal die Margrethausener Schützen das gleichnamige Heißgetränk wirklich lecker hingekriegt haben.
Ramis Odeh indes hat eine andere Mission als noch „einen wöntzigen Schlock“ heißen Alkohols zu trinken: Er verkauft mit Unterstützung des engagierten Meßstetter Ruhestandspfarrers Oskar Beuttler Krippen, Engel und andere, aus Olivenholz geschnitzte Figuren. Christliches Schmuckwerk aus Bethlehem, das die Familien dort nicht mehr verkaufen können.
Die Touristen in Zeiten des Krieges würden dort nicht einmal mehr die Ebinger Innenstadt so bevölkern, wie sie es beim ersten Ebinger Weihnachtszauber ist. Grund ist der Krieg – und die Ursache dafür, dass die Holzschnitzer-Familien nicht überlegen, was zwischen Heißem und Deftigem an Süßem noch Platz hat im Magen. Ihnen stellt sich die Frage, was sie sich überhaupt noch zu essen leisten können. Und dabei geht es ihnen wie im bekannten Weihnachtsschlager: „Ein einziger Wunsch stellt sich ein: Mög’s auf Erden Frieden immer sein!“