Bereits im Mai hatte sich abgezeichnet, dass die vier Jahre alte Planung des Waldkindergartens auf dem Ebinger Kreuzbühl nicht mehr ganz in die Zeit passte. Jetzt wünschen drei Gemeinderatsfraktionen eine Revision des damaligen Baubeschlusses.
Am Grundsatzbeschluss – auf dem Ebinger Kreuzbühl wird ein Waldkindergarten gebaut – rütteln CDU, WSA und die Grünen ausdrücklich nicht in dem Beschlussantrag, den sie am heutigen Donnerstag im Gemeinderat stellen wollen. Der neue Kindergarten soll kommen, und er soll ein Waldkindergarten sein, auf dem Kreuzbühl – Wald ist gut, Naturnähe angesagt.
Es muss aber keine Naturnähe de luxe sein: Die Kassen sind leer; die Pläne für einen stationären Waldkindergarten haben sich nach Auffassung der Antragsteller überlebt; sie plädieren für einen oder zwei mobile Behausungen, Kindergartenwagen, wie es sie Schömberg und Bisingen bereits gibt.
Eine Wasserleitung auf dem Ebinger Kreuzbühl gibt es schon
Sie hoffen, damit zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen. Zum einen sind die Kindergartenwagen, die man sich laut WSA-Sprecher Martin Braun und seinem grüner Amtskollegen Markus Ringle nicht als zugige Bauwagen mit Gummistiefelspuren vorstellen darf, sondern eher als Zirkuswohnwagen mit Komfort und hinreichend Platz für Artistenfamilien, um einiges preiswerter als ein Häuschen.
Dessen Kosten waren im Mai von Baubürgermeister Udo Hollauer mit 850 000 Euro veranschlagt worden, wobei diese Rechnung berücksichtigte, dass es bereits eine Wasser- und eine Abwasserleitung auf dem Kreuzbühl gibt – sie waren in den 1960er Jahren für ein Krankenhaus verlegt worden, das dann doch nicht gebaut wurde.
Die Wasserleitung benötigte nur einen neuen Innenschlauch; die Abwasserleitung war intakt. Dadurch hatte sich eine Kostenersparnis von etwa 100 000 Euro ergeben. Von den verbleibenden 850 000 Euro dürfte 200 000 das Land übernehmen; an der Stadt blieben also 650 000 hängen.
Das muss billiger gehen, meinen CDU, WSA und Grüne. Die günstigen Leitungen haben sie auch in ihre Rechnung eingespeist, desgleichen den Zuschuss; die errechnete Kostenreduzierung ergibt sich dadurch, das zwei Kindergartenwagen für eine Viertelmillion Euro zu haben wären, während der Hausbau mit 563 000 Euro zu Buche schlüge.
Die Kalkulation der Antragsteller berücksichtigt, dass bei der Wagenlösung noch einige Rechnungsposten hinzukommen – in summa mindestens 88 000, im ungünstigsten Falle 113 000 Euro. Auch dann wäre die mobile Lösung noch rund 200 000 Euro billiger als die stationäre – es könnten aber auch bis 250 000 Euro werden.
Wagen lassen sich bewegen – ein Haus dagegen nicht
Peanuts? Nicht in Zeiten des knappen Geldes, finden Braun und Ringle – Sparen fängt beim Pfennig an. Die beiden machen aber auch noch ein inhaltliches Argument geltend.
In der Maisitzung des Gemeinderats war von verschiedenen Seiten darauf hingewiesen worden, dass ein Platz im Waldkindergarten doch eher ein „Zuckerle“ für mobile, zeitlich flexible Eltern sei, die ihre Kinder im SUV in den Wald chauffieren könnten und auf die am Arbeitsplatz keine Stechuhr warte.
Für andere Mütter, zumal für Alleinerziehende, liege der Kreuzbühl eher ab vom Schuss. Ein mobiler Kindergarten, argumentieren Braun und Ringle, ließe sich auch mal an einen anderen Ort verlegen, etwa wenn sich herausstellte, dass er dort für mehr Kinder – oder auch Erzieherinnen – erreichbar wäre als am bisherigen.
Was sagt die Stadt dazu? Oberbürgermeister Roland Tralmer hatte den Gedanken, „noch mal zurück auf Null zu gehen“, von sich gewiesen, unter anderem mit dem Hinweis, dass die Landesförderung für einen stationären Kindergarten zugesagt sei.
Das gibt nun auch Baubürgermeister Udo Hollauer zu bedenken: Förderung für Wagen sei zumindest nicht garantiert, und angesichts der günstigen Voraussetzungen am Standort Kreuzbühl wolle man an der bisherigen Planung festhalten. Der Rechnungsposten stehe im Haushalt 2025 – und da will ihn die Stadt belassen.