Noch halten am Ebinger Bürgerturm die Busseim Minutentakt – aber wie lange noch? Foto: Julia Meene

Im Zuge der Aufwertung der Ebinger Innenstadt wird auch das Thema Mobilität neu überdacht – der Gemeinderat hat am Donnerstag das Ludwigsburger Büro BS Ingenieure damit beauftragt. Zentrale Vorgabe: Die Bushaltestelle am Bürgerturm wird verlegt.

Die unterhalb des Kurt-Georg-Kiesinger-Platz gelegene Haltestelle in der oberen Bahnhofstraße ist nicht irgendeine, sondern die meistfrequentierte in Albstadt – ein gordischer ÖPNV-Knoten, den die Stadt nun durchtrennen möchte, um Platz für die Menschen schaffen. „Mehr Aufenthaltsqualität“ in der Ebinger Innenstadt, das ist das Ziel, das sich die Stadt und die Stuttgarter „CIMA Beratung + Management GmbH“ auf die Fahnen geschrieben haben. Für Busse, die im Minutentakt den zentralen Platz der Fußgängerzone queren, ist in ihrer Vision, ihrem „Zielbild“, kein Platz. Der ÖPNV soll aus dem Umfeld des Bürgerturms weichen und dort, wo jetzt noch der Kraftfahrzeugverkehr den Flaneuren die Herrschaft über den öffentlichen Raum streitig macht, künftig Cafés Besucher anlocken, fantasievoll dekorierte Schaufenster zum Einkauf einladen, fröhliche Kinder gefahrlos spielen und grüne Baumkronen Schatten spenden.

 

Die Pläne für diese Metamorphose sind älter als das mit über drei Millionen Euro geförderte Projekt „Zukunftsfähige Innenstädte und Zentren“ und die Zusammenarbeit von Stadt und CIMA. Schon viel früher war klar geworden, dass der Stadt ein Zielkonflikt ins Haus steht. Sie ist gesetzlich verpflichtet, in den nächsten Jahren und Jahrzehnten Barrierefreiheit im öffentlichem Personennahverkehr herzustellen, unter anderem mit sogenannten „Kasseler Borden“, die an großen, zentralen Haltestellen zum Einsatz kommen sollen. „Kasseler Borde“ sind 21 Zentimer hoch; das müssen sie sein, denn ein Bus lässt sich nun einmal nicht unbegrenzt tieflegen.

Café oder Canyon? Für die Ebinger ist die Antwort klar.

Damit ist der Zielkonflikt vorprogrammiert: Genau die Klientel, der die „Kasseler Borde“ den barrierefreien Einstieg in den Bus ermöglichen, bekommt die größten Probleme mit ihnen, sobald sie zu Fuß unterwegs ist. „Kasseler Borde“ am Bürgerturm würden die obere Bahnhofstraße in ein schwer oder gar nicht zu überwindendes Hindernis für Rollatoren, Kinderwagen und Rollstühle verwandeln, einen veritable Schlucht. Café oder Canyon? – beides geht nicht! Eine Umfrage, die im Rahmen der Bürgerbeteiligung des Projekts „Zukunft Innenstadt“ 2600 Albstädter beantworteten, hat ergeben, dass der Bus gegen den Biergarten chancenlos ist und weg muss.

Die Talgangbahn will auch berücksichtigt sein

Aber wohin? Die Zahl der Alternativen zur Schmiecha- und oberen Bahnhofstraße ist begrenzt; es kommen Osttangente, Garten- und untere Bahnhofstraße in Betracht. Indes beschränkt sich die Aufgabe der Ludwigsburger Ingenieure nicht darauf, nur Haltestellenschilder zu versetzen. Sie werden die Verkehrsflüsse in und aus der Ebinger Innenstadt beschreiben und messen, die Auslastung des ÖPNV überprüfen, Prognosen zur Verkehrsentwicklung stellen, eine Parkraumanalyse vornehmen – und darüber die vielen anderen Parameter und Optionen, die es gibt, nicht vergessen: E-Bike-Sharing zum Beispiel, E-Scooter, autonome Kleinbusse, die Talgangbahn, die 2030 in Betrieb gehen soll, und nicht zuletzt die verschiedenen Möglichkeiten, diese bis 2034 südlich der Poststraße an die Zollernbahn anzubinden. Ebenfalls zum Auftrag gehört die Organisation der erforderlichen Bürgerbeteiligungsrunden.

Resultate gibt es im Sommer 2024

Kosten wird dieser Mobilitätsplan für die Ebinger Innenstadt 157 937 Euro; davon bezahlt die Stadt ein Viertel, die restlichen 75 Prozent kommen aus dem Förderprogramm „Zukunftsfähige Innenstädte und Zentren“ des Bundes, kurz „ZIZ“. Die Gemeinderäte ließen in ihren Voten erkennen, dass sie größten Wert auf finanzierbare Entwürfe legen; Ulrich Deufel von der FDP wollte außerdem wissen, wann BS Ingenieure liefern werde. Vor der Sommerpause 2024, erfuhr er von Stadtplanungsamtschef Axel Mayer.