Kantor Steffen Mark Schwarz hat das Potenzial der Rensch-Orgel, die 20 Jahre alt wird, zum Auftakt der Ebinger Marktmusik-Saison eindrucksvoll demonstriert. Foto: Eyrich

Seit zehn Jahren sucht Steffen Mark Schwarz "immer wieder neue Farben" in der Klangpalette der Rensch-Orgel. Einen besonders gelungenen Versuch durften die Zuhörer zum Start der Marktmusik-Saison erleben.

Albstadt-Ebingen - "Ach ja, es gibt ja wieder Marktmusik!" Manche mussten sich erst daran erinnern am Samstag nach Ostern, dem traditionellen Start-Termin für die – erstmals seit 2019 wieder – volle Saison, die Kantor Steffen Mark Schwarz, musikalischer Hausherr der Martinskirche, mit einem fulminanten Konzert an der Rensch-Orgel eröffnet hat. Die hat nicht weniger als 3480 Pfeifen – und Schwarz lockt ihre schönsten Töne hervor.

Zu Beginn ein glanzvolles Ausrufezeichen

"Praeludium et fuga in C" BWV 547 von Johann Sebastian Bach ist ein glanzvolles Ausrufezeichen zu Beginn, eines der großen und schweren Orgelstücke des Thomaskantors, mit dem Schwarz die sonoren Stimmen der Rensch-Orgel herrlich zum Klingen bringt und dabei seine flinken Finger präzise über die Manuale tanzen lässt.

Im 20. Jahr ihres Bestehens will er die Königin der Instrumente gebührend in Szene setzen, genießt ihre Vorzüge beim Üben noch mehr als sonst und reizt die Möglichkeiten des Instruments aus, so gut es die – offiziell – "20 Minuten Musik zur Marktzeit" erlauben. Etwa durch die Verwendung der singenden "Flûte harmonique" in der Solostimme beim Adagio des "Concerto in d" BWV 974 von Bach, das der promovierte Musikwissenschaftler selbst für große Orgel arrangiert hat.

Als wäre es ganz einfach

Mit österlicher Spielfreude glänzt der Organist einmal mehr bei Bachs Choralbearbeitung "Christ lag in Todesbanden", einem temperamentvollen Werk mit schöner Choralmelodie – als wäre die Beherrschung eines so großen, vielseitigen Instruments das Einfachste auf der Welt.

Was dann folgt, ist laut Bach eine "Clavier-Übung". Im "Duetto IV" BWV 805 erinnert das Labyrinth der polyphonen Stimmführung an das avantgardistische Werk eines progressiven Komponisten. Seine Leichtigkeit unterstreicht Schwarz durch die Registrierung der "Traversflöte 4’", die er leichthändig auf dem dritten Manual spielt, als Kontrapunkt zur "Hohlflöte 4’" im Hauptwerk.

Festlich und facettenreich

Den festlichen Charakter von John Stanleys "Trumpet voluntary in D" aus der "Suite for Organ" arbeitet der Kantor mit der "Trompete 8’" in Kombination mit dem "Cornett V"-Register in der Oberstimme herrlich heraus und lässt die klugen und facettenreichen Verzierungen ihre Wirkung entfalten.

Perlend wie Tautropfen

Die Krone der Virtuosität setzt er dem Konzert freilich mit einem Triptychon auf, einer eigenen Improvisation über das durchdringende Kirchenlied "Die ganze Welt, Herr Jesu Christ, in deiner Urständ’ fröhlich ist". Im ersten Satz präsentiert er in festlichem Mixturplenum die Choralmelodie mit markanter Zungenbatterie im Pedal, lässt im zweiten Obertonmischungen des zweiten und dritten Manuals in Kombination mit den jeweiligen Tremulanten wie Tautropfen perlen, wobei der Cantus firmus im Tenor liegt und mit dem "Clairon 4’"-Register im Pedal zum Klingen gebracht wird. Im dritten Satz, einer virtuosen Toccata, erklingen nahezu alle Stimmen des prächtigen Instruments. Fanfarenartiges Doppel-Pedalspiel festlicher Zungenregister setzt dem Schlusspunkt eine glanzvolle Krone auf.

Rach dankt Schwarz fürs Dranbleiben

"Endlich wieder Marktmusik!" kommentiert der Kirchengemeinderatsvorsitzende Thorsten Rach den imposanten Auftakt, als der Applaus der faszinierten Gäste verklungen ist, und dankt Schwarz nicht nur für sein grandioses Spiel, sondern auch "für’s Dranbleiben" nach zwei Jahren der An- und Absagen von Marktmusikkonzerten. Denn Schwarz hat nicht nur verschiedenste Künstler für die ganze Saison bis zu den Sommerferien gewonnen, sondern auch besondere Perlen für die Besucher in petto: immer samstags ab 11 Uhr in der Martinskirche.