Kantor Steffen Mark Schwarz weiß die Möglichkeiten der Rensch-Orgel in der Martinskirche fulminant zu nutzen. Foto: Karina Eyrich

Der Auftakt zur Saison der Ebinger Marktmusik 2023 war furios und einzigartig, denn Kantor Steffen Mark Schwarz hat an der Rensch-Orgel sein ganzes Improvisationstalent ausgelebt.

Musizieren und dabei komponieren? Steffen Mark Schwarz, der Kantor der evangelischen Kirchengemeinde Ebingen, hat es einmal mehr geschafft, und zwar auf eine Weise, dass die Zuhörer beim ersten Konzert der Marktmusik-Saison in der Ebinger Martinskirche staunten und schwelgten ob solch opulenter Musik.

 

Dass der promovierte Musikpädagoge und Kirchenmusiker selbst die Standards seiner Zunft so spielt, dass jedes Stück zu einer musikalischen Kostbarkeit wird: selbstredend. Johann Sebastian Bachs Praeludium et fuga in C BWV 545 schien das Vogelgezwitscher draußen zu imitieren und lieferte den festlichen Auftakt zur schönsten Jahreszeit, der Marktmusikzeit.

Mit Georg Böhms Choralbearbeitung „Vater unser im Himmelreich“ setzte Schwarz einen Kontrastpunkt in dunklen Tönen, ließ die Kar-Woche mit ihrer nüchternen Klarheit noch ein wenig nachwirken.

Ein Feuerwerk in drei Sätzen – und zwar ganz ohne Vorlage

Doch dann zündete er ein Feuerwerk, die „Triptyque symphonique“ in drei Sätzen. Wer Gelegenheit hatte, von der Nord- auf die Orgelempore hinüberzusehen und den Kantor beim Spiel mit dem ganzen Körper – von den Fingern bis zu den Fußspitzen – zu beobachten, suchte vergeblich nach dem Notenblatt auf dem Spieltisch: Steffen Mark Schwarz improvisierte drei wundervolle Sätze lang nach allen Regeln der Kunst und bediente sich dabei aller Möglichkeiten, welche die Klangwelt hergibt: helle und klare, dumpfe und brummende Töne, schnelle Kaskaden, die perlend plätschern und sich dann in einem ruhig fließenden Klangteppich vereinen, während am Ufer ein Vogel zu singen scheint.

Ein besonders schönes Klangelement ist seit der Aufwertung der Rensch-Orgel im Winter das Röhrenglockenspiel, eingehüllt in die Umarmung zarter, weicher Töne, und zum Höhepunkt kreiste der Cimbelstern an der Spitze des Orgelprospekts – da feiern Auge und Ohr ein Fest.

Mit Pathos und Dramatik

Das festliche Finale der großartigen Improvisation in Dur und Moll war mit allem Pathos, aller Kraft und aller Dramatik, die es zu bieten hatte, eines Finales würdig und entsprechend groß der Applaus der Musikfreunde, denen Christian Baumgärtner im Namen der Kirchengemeinde ebenso dankte wie dem Organisten.

Dieser hatte sich einmal mehr als Meister seines Fachs erwiesen und – als Komponist, der sein Werk im Werden erweckte und der Saison der Ebinger Marktmusik gleich zu Beginn das erste Sahnehäubchen aufgesetzt hat.

„Glücksmomente“ bescheren die Sängerin und Gitarristin Lea-Katharina Scherl sowie Eric und Anton Faude an den Percussions den Besuchern der nächsten Marktmusik am Samstag, 22. April, ab 11 Uhr in der Martinskirche Ebingen.