Das Ebinger Kammerorchester wird 60 Jahre alt und startet am Samstag mit einem fulminanten Konzert ins Jubiläumsjahr. Foto: Ebinger Kammerorchester

Mit dem Konzert am Samstag, 12. März, ab 19 Uhr in der Festhalle Ebingen eröffnet das Ebinger Kammerorchester ein Jubiläumsjahr: Vor 60 Jahren hat Dietmar Oberer es gegründet.

Albstadt-Ebingen - Nach 60 Jahren darf man auch mal eine Tradition brechen – zum Beispiel die, sonntags die Sinfoniekonzerte zu geben. Das Frühjahrskonzert des Ebinger Kammerorchesters findet diesmal samstags statt und markiert den Beginn des 60-Jahr-Jubiläums. Unter der Leitung von Martin Künstner und mit Theo Plath, einem der gefragtesten Fagottisten Deutschlands, als Solist, präsentiert das Orchester unter anderem das Fagottkonzert in B-Dur von Wolfgang Amadeus Mozart – ein Werk, welches das Orchester durch 60 erfolgreiche Jahre begleitet hat.

 

Große Erfolge mit großen Partnern

Die Leitung hatte über mehr als 50 Jahre Dietmar Oberer, der in die Konzerte von Anfang an auch Chöre, die er leitete, einband und für große Sinfoniekonzerte außerdem mit den Stuttgarter Philharmonikern, der Südwestdeutschen Philharmonie Konstanz und der Württembergischen Philharmonie Reutlingen zusammenarbeitete. So war der Weg kurz zu Martin Künstner, Solo-Oboist des Reutlinger Orchesters und Gründer des Philharmonia Chors Reutlingen, der das Ebinger Kammerorchester seit 2014 leitet. Künstner setzt dabei Traditionen fort, die Oberer eingeführt hatte, etwa die Zusammenarbeit mit national und international geierten Solisten. Nicht selten sind es junge Stars – manche auch aus der Region, etwa Violinistin Carla Klein und Pianist Jan Luka Diebold, der mit dem Ebinger Kammerorchester schon eigene Kompositionen uraufgeführt hat.

Mozart und Bach – die höchsten Instanzen

Eine weitere Tradition seit den Anfängen des Orchesters: Mozart und Bach sind Konstanten in den Programmheften. Für Dietmar Oberer waren sie die "höchsten Instanzen" unter den Komponisten, und auch Martin Künstner weiß, was die Fans des Ebinger Kammerorchesters mögen.

So erklingt zu Beginn am Samstag die Ouvertüre zu Mozarts Oper "La Clemenza di Tito" von Mozart. Außerdem wird die 4. Sinfonie von Rubert Schumann zu hören sein, die er 1841 seiner Frau Clara zum Geburtstag komponierte – ursprünglich sollte das Werk nur einen Satz haben und wird daher heute noch ohne größere Pausen gespielt. Die Süddeutschen Bläsersolisten, seit langem treue Wegbegleiter des Streichorchesters, stehen mit auf der Bühne.

Das weitere Programm für 2022 ist eines Jubiläumsjahres wahrhaft würdig – ebenso wie die Schauplätze, wo das Ebinger Kammerorchester gastiert: Im Münster St. Maria und Markus auf der Insel Reichenau erklingt am Samstag, 21. Mai, das Brandenburgische Konzert von Johann Sebastian Bach, ein Flötenkonzert mit den Solisten Matthias Maute, Kathrin Scheytt und Frank Oidtmann, das am 22. Mai ab 11 Uhr in der Ebinger Kapellkirche wiederholt wird.

Zwei Jubiläen – ein Konzert-Höhepunkt

Aus Anlass des Jubiläums 175 Jahre Mariaberg gibt das Ebinger Kammerorchester am Samstag, 23. Juli, ein Open Air Konzert in dem Gammertinger Stadtteil, wo der Verein zur Jugend- und Behindertenhilfe zu Hause ist. Martin Künstner dirigiert dann auch den KonCertChor und den Philharmonia Chor Reutlingen, die mit dem Orchester Mikis Theodorakis’ Werk "Axion Esti" (lobgepriesen sei) aufführen. Das Werk, das der Komponist als "eine Bibel des griechischen Volkes" bezeichnete, enthält Elemente griechischer Volksmusik und sucht als Oratorium seinesgleichen. Tags zuvor präsentieren die drei Klangkörper das Programm im Sudhaus Tübingen und am 24. Juli im Park der Christuskirche Reutlingen.

Die Cellistin Janina Ruh steht am Sonntag, 16. Oktober, bei Sinfoniekonzert in der Festhalle Ebingen mit dem Kammerorchester auf der Bühne, und am 4. Dezember, ebenfalls einem Sonntag, greift der Dirigent dann selbst zu seinem Instrument, denn dann erklingen von Johann Sebastian Bach ein Obenkonzert, ein Konzert für Oboe und Violine – dieselbe spielt Eva Unterweger – und ein Violinkonzert.

Die Manager – ein Who is Who

Um das Management des Ebinger Kammerorchesters haben sich in 60 Jahren namhafte Albstädter gekümmert. Aktuell sitzt Axel Pflanz, ein Erster Bürgermeister der Stadt Albstadt, dem Verein vor. Er folgte auf seinen einstigen Chef, den Albstädter Gründungs-Oberbürgermeister Hans Pfarr, dessen Vorgänger als Ebinger Oberbürgermeister, Hans Hoss, sowie Carl Pfister und Walter Faigle, den ersten Vorsitzenden von 1962 bis 1964.

Eine Art Familienbetrieb

Eine Besonderheit des Ebinger Kammerorchesters ist die Tatsache, dass es auch eine Art Familienbetrieb ist: Helga Oberer, die Witwe des 2019 verstorbenen Gründungsdirigenten, spielt seit 60 Jahren Violine im Orchester und ist das einzige noch aktive Gründungsmitglied. Die Tochter der Oberers, Sibylle Kistermann, ist als Konzertmeisterin seit vielen Jahren eine Konstante, künstlerisch ein Aushängeschild und zudem unermüdlicher Aktivposten wenn es um Werbung und jene vielen Aufgaben geht, die im Hintergrund erledigt werden müssen, damit die Musikfreunde die Konzerte genießen können.

Karten für die Konzerte – auch jenes am Samstag, 12. März, ab 19 Uhr in der Festhalle Ebingen gibt es in der Tourist Information im Rathaus Albstadt (am Samstag von 9.30 bis 12.30 Uhr) und unter www.reservix.de, Restkarten an der Abendkasse.