Drei Höhepunkte für nur eine Eintrittskarte: Beim Konzert des Ebinger Kammerorchesters lohnte nicht nur die Uraufführung am Schluss das Kommen – die beiden Solistinnen Emily Diebold und Chiara Holtmann haben schon zuvor Glanzlichter gesetzt.
Mag sein, dass niemand wegen der Ouvertüre aus Wolfgang Amadeus Mozarts „Zauberflöte“ in die restlos ausverkaufte Festhalle gekommen war, wo das Ebinger Kammerorchester die Uraufführung von Jan Luka Diebolds Sinfonie Nr. 3 in Es-Dur zelebrierte – aber ein schöner Anfang war sie: heiter, beschwingt, kraftvoll, zärtlich und so herrlich harmonisch wie das Orchester um seinen Dirigenten Martin Künstner nun mal spielt.
Beethoven – frisch gestrichen
Frisch gestrichen wurde dann bei Ludwig van Beethovens Romanze für Violine und Orchester Nr. 2 in F-Dur, und zwar im Wortsinn. Denn Solistin Emily Diebold, inzwischen 15 Jahre alt und weit über das Stadium Nachwuchstalent hinaus, spielt mit einer Leichtigkeit auf, die in dieser Altersgruppe Ihresgleichen sucht und von ihrer hervorragenden Ausbildung zeugt: Anna Tkatchouk von der Musik- und Kunstschule Albstadt leistet diesbezüglich gute Arbeit, und vor ihr hat es Renate Musat getan – seit Emily Diebold fünf Jahre alt war. Kein Wunder, dass sie schon zahlreiche erste Preise bei „Jugend musiziert“ abgeräumt und sogar schon ihren ersten Fernsehauftritt hatte. Ihr jugendlicher Esprit blitzte auch bei ihrer Zugabe auf, welche die Streicherinnen des Orchesters zupfend begleiteten und in der sich das Thema vom Hut mit den drei Ecken versteckte – das hatte Charme und einen Hauch Ironie.
Auch optisch ein Schmaus – und akustisch erst!
Solistin Chiara Holtmann setzte danach einen optischen Kontrast mit ihrem blutroten Spitzenkleid und den warmen Klängen ihrer Klarinette, die sie frei spielte, wenngleich das Stück ein anspruchsvolles war – ein höchst anspruchsvolles: Wolfgang Amadeus Mozarts Konzert für Klarinette und Orchester KV 622 in A-Dur kommt leichter daher als es sich spielen lässt, und Martin Künstner – selbst Meister der Oboe – weiß souverän einzuschätzen, welche Leistung seine Solistin erbringt.
Weltbekannt aus „Jenseits von Afrika“
Das Allegro gestaltet die gebürtige Tübingerin, seit 2019 Jung- und seit einem Jahr Vollstudentin bei Professor Norbert Kaiser an der Hochschule für Musik in Stuttgart, quirlig und mit Verve, getragen von einem Orchester, das die schnelle Melodie fein akzentuiert und mit hoher Präzision ausgestaltet.
Das Adagio – weltbekannt durch den Film „Jenseits von Afrika“ – schmeckt nach der kurzen Atempause, die Chiara Holtmann sich verdient hatte, wie eine zartschmelzende Schokopraline mit fruchtiger Note – eine schöne Melange dessen, was die gefühlvollen Streicher im Orchester und die Klarinettistin zaubern.
Im Rondo durfte die 19-Jährige ihr Temperament, ihre Fingerfertigkeit und ihr feines Gespür für Nuancen unter Beweis stellen und reizte alle Möglichkeiten, die das schöne Instrument zu bieten hat, aus.
Wie hoch will dieses Orchester eigentlich noch hinaus?
Es spricht für das hohe Niveau der künstlerischen Arbeit des Ebinger Kammerorchesters und seines Dirigenten, dass es an einem Abend, für eine Eintrittskarte, vier Stücke und davon drei Höhepunkte bot, die – jeder für sich auch allein – den Besuch bereits gelohnt hätten. Wie hoch wollen Martin Künstner und seine Musiker künftig eigentlich noch hinaus?