Mit dem Beschluss des Kirchengemeinderats zum Verkauf mehrerer Gebäude geht die evangelische Kirchengemeinde Ebingen den nächsten Schritt auf einem Weg, der auch schmerzhaft ist. Dennoch spürt Pfarrer Thomas Soffner einen Mut zum Neuanfang.
Es ist entschieden: Der Kirchengemeinderat der evangelischen Kirchengemeinde Ebingen hat beschlossen, Friedens- und Thomaskirche zum Verkauf anzubieten, Räume in der Emmauskirche als Gemeindezentrum und für die kirchliche Sozialstation zu nutzen, das Jugendhaus innen und energetisch zu sanieren und das Gemeindehaus Spitalhof zu verkaufen – Kirchenpflege, Verwaltung, Kantorat und Hospizgruppe ziehen dann ins Jugendhaus.
Der Plan zum Verkauf dieses großen, zentralen Baus beschäftige die Gemeindeglieder offenbar am meisten, hat Thomas Soffner, der geschäftsführende Pfarrer, beim jüngsten Informationsabend zum Gebäudekonzept ausgemacht. „Von der Thomaskirche verabschieden sich die Gemeindeglieder gedanklich eher still“, sagt er, doch inzwischen sei auch die Bereitschaft zu einem Neuanfang stärker greifbar, betont Soffner.
Die Chance auf kirchliche Nachnutzung ist auch eine Chance für den Kindergarten
Zumal sich auch gute Nachrichten abzeichneten: „Für die Thomaskirche besteht die Chance auf eine kirchliche Nachnutzung“ – wer der genaue Kaufinteressent ist, will Soffner zwar noch nicht verraten, solange nichts in trockenen Tüchern ist, doch sollte es so kommen, „können wir vielleicht sogar den Kindergarten weiterbetreiben“; er steht direkt neben der Kirche. Den Kindergarten in der Friedenskirche muss die Gemeinde bis 2025 weiterbetreiben – die Stadt Albstadt bestehe auf der Einhaltung des einschlägigen Vertrages, selbst wenn, wie geplant, schon ab 2024 die Kirche selbst nicht mehr genutzt wird. Auch für sie gebe es mehrere Interessenten, erklärt Soffner.
Der Oberkirchenrat muss noch zustimmen
Nun müssten vereidigte Sachverständige Wertgutachten erstellen und der Oberkirchenrat dem Verkauf zustimmen – erst dann könne die Kirchengemeinde mit den Interessenten über Preise reden. Vom Verkaufserlös erhalte sie mindestens 50 Prozent, je nach Gebäude auch deutlich mehr – das hängt laut Thomas Soffner davon ab, in welcher Höhe die Landeskirche einst deren Bau aus ihrem Ausgleichsstock gefördert habe.
Aus letzterem freilich erhalte die Kirchengemeinde ihrerseits Fördermittel für die geplanten Sanierungen. Auf der Liste ganz oben steht die Martinskirche als zentrales Gotteshaus der Ebinger Protestanten – 2030 soll es so weit sein.
Für die Kapellkirche werden Kooperationspartner gesucht
Bis dahin sammelt der Förderverein Martinskirche auch weiter Geld für die Sanierung – allem voran muss das Dach erneuert werden – und errechnet dann die Kosten noch einmal konkret: Bekanntlich haben Baukosten-Kalkulationen dieser Tage keine lange Halbwertszeit.
Eine genaue Kostenkonzeption bis 2035 gib es dennoch für alle Gebäude der Kirchengemeinde – darunter auch die Kapellkirche, die ab 2024 wieder genutzt werden soll: nicht nur von der Kirchengemeinde selbst, sondern auch von anderen Veranstaltern. Ein tragfähiges Konzept für eine „ausgewogene Nutzung durch kirchliche und außer-kirchliche Kooperationen, die Betriebskosten und Aufwand für den Erhalt der Kirche auskömmlich finanzieren“, wird laut Soffner erarbeitet.
„Der Kirchengemeinderat ist bereit, diesen Weg tatsächlich zu Ende zu gehen“, erklärt Pfarrer Thomas Soffner, der wusste, was ihm im Hinblick auf das Immobilienkonzept bevorsteht, bevor er kam. „Inzwischen habe ich das Gefühl, dass es tatsächlich gelingt, die Gemeinde mitzunehmen.“ Wichtig ist ihm, dass die Kirchen, die verkauft werden, „in gute Hände kommen“ und das Gemeindeleben vor veränderter Kulisse lebendig weitergeht – auch nun, da er und seine Kolleginnen Marlies Haist und Ilze Druvina auf eine Kollegin verzichten müssen: Nicole Gneiting verlässt das bisherige Quartett zum Jahreswechsel. Verabschiedet wird sie am Sonntag, 10. Dezember, im Gottesdienst ab 10 Uhr in der Martinskirche.