Kaiser Napoleon ergibt sich: Oberbürgermeister Roland Tralmer ist entmachtet. Foto: Martin Kistner

Bei Kälte und Nässe hat am Morgen des „Schmotzigen“ die heiße Phase der Fasnet 2025 begonnen. Sowohl in den Stadtteilen als auch im Rathaus Albstadt in Ebingen wurde die Obrigkeit entmachtet – sechs Tage lang führen jetzt die Narren das Regiment.

Pünktlichkeit ist die Höflichkeit der Könige: Ziemlich genau um 11.11 Uhr schlug Oberbürgermeister Roland Tralmer die Stunde, auf welche die Hannäbler Gugga der Narrenzunft Schlossbergturm das vor dem Rathaus versammelte närrische Publikum schon seit gut und gern einer Viertelstunde lautstark eingestimmt hatten. Am oberen Ende der Rathaustreppe öffnete sich die schwere Haustür, und es erschienen Zunftmeister Patrick Ferrari, sein Vize Ralf Simmack sowie, als Napoleon verkleidet und von einem Steve Mall im Kettenhemd eskortiert, der Oberbürgermeister.

 

Roland Tralmer wurde auf einem eigens von der Forstabteilung Albstadt für diesen Zweck gezimmerten Thronsessel platziert, den Schlossbergteufel an seiner Seite, der ihm die Hand hielt und genau darauf achtete, dass das Stadtoberhaupt keine Kunstpausen im huldvollen Winken einlegte.

Unterdessen führten Ferrari und Simmack im Wechsel das Wort, äußerten leise Zweifel am Sinn einer Reaktivierung der Talgangbahn, wünschten sich viele neue Schulen und Hallen sowie zum 50. Stadtgeburtstag ein schönes und buntes Jubiläumsfest. Ihre Zunft feiert ihrerseits in diesem Jahr ihr 40-jähriges Bestehen; mit den bisherigen Festivitäten zeigten sich die beiden sehr zufrieden – auch Terrorschutzmaßnahmen und Straßensperrungen hätten der guten Laune keinen Abbruch getan.

Roland Tralmer tat abschließend kund, dass er sich eine napoleonische Verbannung in einen entlegenen Exilort abseits der Weltgeschichte – „zum Beispiel Straßberg oder Burladingen“ – gut hätte vorstellen können, mit seinem Vorschlag aber nicht durchgedrungen sei: Die Narren wollen ihn offenbar im Auge behalten. Den Schlusspunkt setzten die Kindergartenkinder aus der Garten-, Ulrich- und Leipziger Straße – unbeeindruckt vom Schneeregen zeigten sie Tänze, deren Motti Dschungel, „Matze die Katze“ und Piraterie lauteten.