Mitgestaltung: Gut 90 Ebhausener wollen ihre digitale Zukunft mitbestimmen / Veranstalter sind zufrieden

Das Projekt "Digital Black Forest" will infrastrukturelle Nachteile des ländlichen Raumes mit den Möglichkeiten der Digitalisierung ausgleichen. Um diese Zukunft aktiv mitgestalten zu können, sind die Bürger im Landkreis daher angehalten, kreativ zu sein.

Ebhausen. "Am Anfang tun sich neue Entwicklungen immer schwer gegen Altbewährtes", blickt Bernhard Kölmel in der Geschichte zurück. "Nehmen wir zum Beispiel das Auto: Als die ersten von ihnen anfingen, die Pferdekutschen zu verdrängen, gab es noch nicht genügend Tankstellen. Und Fahrer schon gar nicht. Damals prognostizierte man, dass es niemals mehr als 1000 Autos geben werde." Und wie ist es heute? Da sucht man mit seinem Zweitwagen vergeblich einen Parkplatz in der Innenstadt. Der promovierte Ingenieur und Professor an der Hochschule Pforzheim unterstützt mit seinem Team den Regionalverband Nordschwarzwald beim Projekt "Digital Black Forest", das darauf abzielt, die Lebensumstände für Menschen im ländlichen Raum mit Hilfe moderner Technik zu erleichtern.

Bürger sollen selbst mitbestimmen

In der ersten Phase des Projekts gehe es darum, die Bedürfnisse und Nöte der Menschen zu verstehen, die in ländlichen Regionen leben, um daraus Maßnahmen abzuleiten, die diese lösen, erklärt Projektleiter Matthias Proske, Verbandsdirektor des Regionalverbands Nordschwarzwald. Darum hat seine Institution vier "Bürger-Workshops" in Altensteig, Ebhausen, Waldachtal und Glatten ins Leben gerufen, zu denen alle interessierten Bürger eingeladen sind. Technisches Vorwissen wird bei diesen Treffen, die inhaltlich nicht aufeinander aufbauen, nicht benötigt.

"Nicht die Lösungen, die von Menschen an Schreibtischen entwickelt werden, sind die Besten, sondern diejenigen, die von Menschen entwickelt werden, die die Technik nachher auch nutzen", unterstreicht Proske die Wichtigkeit der aktiven Beteiligung. Umso mehr konnte er sich am Donnerstagabend freuen, dass knapp 90 Interessierte zum zweiten "Workshop" nach Ebhausen gekommen sind.

Einer von ihnen ist Olaf Höger-Martin aus Haiterbach. Er findet, dass die Menschen auf dem Land bei "ganz banalen Dingen" wie den Verbindungen hinterherlaufen: ganz gleich ob Mobilfunk, Internet oder Öffentlicher Personennahverkehr (ÖPNV). Er selbst arbeitet in der Landwirtschaftsverwaltung, wo inzwischen Förderanträge digital eingesendet werden. Schnelle Leitungen bis auf den letzten Hof seien daher unabdingbar. "Aber viele Menschen haben noch immer Vorbehalte gegenüber elektronischer Datenverarbeitung." Zudem sei er kürzlich auf den ÖPNV angewiesen gewesen und habe unter der schlechten Anbindung gelitten.

Genau auf solche Missstände sollen die Teilnehmer, wie Olaf Höger-Martin, im Dialog mit Experten bei den "Workshops" aufmerksam machen und Verbesserungen in den Themenblöcken Grundversorgung, Mobilität, Work-Life-Balance und ärztliche Nahversorgung erarbeiten. Diese erste Projektphase bezuschusst das Land Baden-Württemberg mit 45 000 Euro. Jener Abschnitt mündet dann in konkreten Projektideen, mit denen der zweite Teil des Projekts eingeläutet wird. Denn jetzt geht es an die Umsetzung des Konzepts. Dafür buhlen rund 50 Kommunen im Land um die Gunst des Zuschusses in Höhe von 50 Prozent der Projektkosten, maximal jedoch bis zum Höchstbetrag von 100 000 Euro.

Vier von 50 Kommunen werden bezuschusst

"Wir haben ganz klar den Anspruch, unter den vier Begünstigten zu sein", erklärt Proske selbstbewusst. "Wenn nicht, werden wir versuchen, andere Töpfe des Landes oder Bundes anzuzapfen, um das Projekt realisieren zu können", gibt sich der Regionalverbandsleiter zuversichtlich.

Höger-Martin habe auf jeden Fall "nicht bereut", da gewesen zu sein: "Mich hat überrascht, dass sich so viele ältere Menschen eingebracht haben, die jüngere Generation hingegen gar nicht vertreten war." Er erkläre sich das damit, dass die Leute, die in den 60er- und 70er-Jahren herangewachsen sind, eine Zeit erlebt haben, die sehr viel mehr von Mitsprache und Wandel geprägt war. "Vielleicht haben wir unseren Kindern zu wenig mitgegeben. Vielleicht sind sie zu satt." Seine Verbesserungsideen zum ÖPNV seien für das Treffen jedoch schon viel zu konkret gewesen, so ins Detail sei man gar nicht gegangen.

Weitere Informationen: Weitere Workshops finden am 3. Dezember im Haus des Gastes in Waldachtal und am 5. Dezember in der Glattalhalle in Glatten jeweils um 19 Uhr statt.

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